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Verprügelt, alleingelassen und unterbezahlt

„Keiner soll einsam sein“ Verprügelt, alleingelassen und unterbezahlt

Immer wieder geraten Menschen in Not, werden niedergedrückt von persönlichen Katastrophen. Diesen Menschen helfen soziale Einrichtungen. Zugunsten dieser regionalen Anlaufstellen in Krisenzeiten sammelt „Keiner soll einsam sein“, die Tageblatt-Benefizaktion. In loser Folge stellen wir Schicksale vor.

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Opfer: Gerade Frauen werden häufig zum Ziel häuslicher Gewalt.

Quelle: Hinzmann

Heidi Sorber (Name geändert) ist eine beispielhafte Frau. Sie ist ein Beispiel dafür, wie es in diesem Land um viele Frauen bestellt ist. Heidi Sorber wurde ein Opfer häuslicher Gewalt. Nun ist sie, wie 1,4 Millionen andere auch, alleinerziehende Mutter. Und sie versucht dabei, sich mit einem schlecht bezahlten Job das Nötigste für den Lebensunterhalt zusammenzuklauben.

Dabei hatte sie einmal eine kleine Musterfamilie. Bei der Geburt des ersten Kindes war noch alles in bester Ordnung. „Ein Wunschkind“ nennt sie ihre inzwischen 13-Jährige Tochter. Doch beim zweiten Kind fiel die Reaktion des Vaters schon weniger enthusiastisch aus. „Wir haben uns auseinander gelebt“, beschreibt die schlanke Frau den schleichenden Verfall der Beziehung. Immer wieder habe man es versucht – „der Kinder wegen“. Sie zog aus und wieder ein, es ging hin und her. Da begann ihr Mann seinen Terror.

Sie sei zu dick, habe er gesagt. Sie sei eine schlechte Mutter, sie sei nutzlos, wertlos. Immer und immer wieder. Bis ihr Selbstbewusstsein so mickrig war, wie ein bis auf den Boden abgeschmolzener Schneemann – ganz wieder aufgebaut ist er bis heute nicht. Irgendwann war sie so weit, dass sie versuchte, sich das Leben zu nehmen und stationär behandelt wurde.

Dann kam der Tag, an dem er sie auch körperlich angriff. Nach ihrem Knochenbruch sei ihr klar geworden: So geht es nicht weiter. Sie zog aus und versuchte es auf eigene Faust. Zwei Jahre ist das jetzt her. „Ich versuche seitdem, mein Leben in den Griff zu bekommen.“ Die körperlichen Spuren sind verheilt, die seelischen Narben versucht sie erfolglos zu verstecken. Ihr rinnen die Tränen über die geröteten Wangen.

Sechs Stunden pro Tag arbeitet die Mutter zweier Kinder. Anfangs waren es noch acht gewesen. Doch es sei einfach nicht machbar gewesen mit ihren zwei Töchtern. Sechs Stunden à acht Euro, das macht 240 Euro die Woche und 960 Euro im Monat. Brutto. Davon und den Gaben des Staates ließe sich leben, wenn der Kindsvater seiner gesetzlichen Unterhaltspflicht nachkäme.

Jenseits der Belastungsgrenze

So reicht das Geld hinten und vorne nicht. „Anfang des Jahres ist das UVG weggefallen“, erklärt Sorber. Die fehlenden 158 Euro nach dem Unterhaltsvorschussgesetz, dass es nur bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres gibt, reißen eine Lücke in die kärgliche Haushaltskasse. Dazu eine Mieterhöhung, die steigenden Nebenkosten.

Ihre ältere Tochter kam mit der Situation nicht zurecht und wechselte vom Gymnasium auf die Realschule. Geld für Nachhilfe fehlte. „Die Große hat mir Sorgen gemacht.“ Die Hilflosigkeit steht der dunkelhaarigen Frau ins Gesicht geschrieben.

Sorber versucht zu sparen wo es geht. Sie kocht am Monatsanfang vor, Luxus gibt es keinen. Und nun steht Weihnachten vor der Tür. Ihre Kinder haben Wünsche, die sie nicht erfüllen kann. Die 42-Jährige ist körperlich und seelisch jenseits ihrer Belastungsgrenze. Eigentlich. Denn irgendwie muss es ja weitergehen. Nur einmal würde sie gerne mit den beiden „Kleinen“ an die Nordsee fahren. „Damit die Kinder die Gezeiten sehen und wegen der guten Luft.“ Finanziell machbar sei das vorerst nicht. „Keiner soll einsam sein“ könnte mit einem Zuschuss für eine Mutter-Kind-Kur einen kleinen Beitrag leisten.

Spendenkonto

Auf diese Konten können Sie zugunsten der Hilfsaktion „Keiner soll einsam sein“ spenden: Sparkasse Göttingen (Bankleitzahl 260 500 01), Kontonummer 422; Volksbank Göttingen (Bankleitzahl 260 900 50), Kontonummer 253 377 400; Commerzbank (Bankleitzahl 260 400 30), Kontonummer 613 900 000.

Von Erik Westermann

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