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Versammlung in Göttinger Hotel: Sexarbeit als Beruf anerkennen

Bundesverband erotische und sexuelle Dienstleistungen Versammlung in Göttinger Hotel: Sexarbeit als Beruf anerkennen

Das Thema Prostitution ist derzeit Gegenstand einer kontroversen öffentlichen Diskussion. Auf der einen Seite eine Koalition von Frauenrechtlerinnen und konservativen Politikern, deren Mindestziel es ist, das von Rot-Grün vor zwölf Jahren erlassene Liberalisierungsgesetz zu kippen, und die es am liebsten sähen, dass das Geschäft mit der käuflichen Liebe ganz verboten wird.

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Gegen Diskriminierung von Prostituierten: Undine de Rivière (links) und Johanna Weber, Sprecherinnen des Bundesverbands.

Quelle: Heller

Göttingen. Auf der anderen Seite die Befürworter, die das Selbstbestimmungsrecht der Frau propagieren und dem ältesten Gewerbe der Welt eine wichtige Ventilfunktion zuschreiben.

Mittlerweile melden sich die Betroffenen selbst zur Wort. Im Oktober vergangenen Jahres haben sie den „Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V.“ gegründet.

Am Wochenende trafen sich nun rund 50 Mitglieder im Alter von 22 bis 60, vor allem Frauen, aber auch ein paar Männer und Transsexuelle, in einem Göttinger Hotel zur ersten regulären Mitgliederversammlung. „Es war wie auf jedem anderen Vereinstreffen auch“, sagt Pressesprecherin Undine de Rivière. „Wir mussten viele Interna und Formalitäten klären.“ 

Kriminalisierung und Diskriminierung entgegenwirken

Als eine „Interessenvertretung für aktive und ehemalige Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen“, bezeichnet die 40-Jährige, die ihren echten Namen nicht nennen möchte, den Verein. Dessen wichtigstes Ziel sei es, der fortschreitenden Kriminalisierung und Diskriminierung von Prostituierten, ihrem Umfeld und ihren Kunden entgegenzuwirken.

Natürlich gebe es Gewalt und Ausbeutung. „Das wollen wir nicht verharmlosen“, betont sie, „aber das Ausmaß wird völlig übertrieben“.

„Wir möchten erreichen, dass Sexarbeit als regulärer freier Beruf anerkannt wird“, sagt die politische Sprecherin des Vereins Johanna Weber, die ihren echten Namen aus „familiären Gründen“ ebenfalls nicht nennen möchte.

Würden, wie derzeit gefordert, die Gesetze verschärft, gäbe es weniger Betriebe, in denen Prostituierte ihre Dienste anbieten könnten. Das würde bedeuten, „dass Sexarbeiterinnen dann weniger Auswahl hätten und unter Umständen unter verschlechterten Bedingungen arbeiten müssten.“

„Aus Abenteuerlust“ zur Prostitution

Weber stammt aus dem Hamburger Umland und ist studierte Pädagogin. Während des Studiums sei sie „aus Abenteuerlust“ zur Prostitution gekommen. Nach dem Examen habe sie jahrelang im Marketing gearbeitet.

Dort habe sie sich nach vielen Jahren „unfrei“ gefühlt, weswegen sie heute wieder als Prostituierte arbeite. „Zärtliche Dominanz mit Intelligenz“ steht auf ihrer Visitenkarte.

De Rivière ist studierte Physikerin. Sie arbeitet in Hamburg in eigenen Räumlichkeiten, wo sie „eine breite Palette von Dienstleistungen“ anbietet. „Ich habe Spaß an meinem Beruf“, sagt die 40-Jährige und fügt hinzu, dass er ihr eine ausgewogene Work-Life-Balance (Arbeits- und Privatleben im Einklang) und darüber hinaus ein solides Mittelstands-Einkommen ermögliche.

Von Hauke Rudolph

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