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Veruntreuung: „Kita fast an die Wand gefahren“

Gerichtsurteil Veruntreuung: „Kita fast an die Wand gefahren“

15 Fälle von Untreue: Angefangen hat er als Zivildienstleistender in der Kita. Schon bald war er ihr Kassierer, dann Vorstandsvorsitzender des paritätischen Kindergartens Grone. Und am Ende hätte er den Trägerverein samt Kindertagesstätte mit 84 Plätzen „fast an die Wand gefahren“, wie Amtsrichter Lars Malskies es formuliert.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Grone. Am Mittwoch ist der 33 Jahre alte ehemalige Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins wegen 15 Fällen der Untreue zu einer milden Strafe von 15 Monaten verurteilt worden.

Damit ist der Fall aber erst zum Teil abgeschlossen. Denn der 33-Jährige, der heute in Norddeutschland lebt, hatte nicht nur 8700 Euro in 15 heimlichen Überweisungen auf sein Privatkonto transferiert. Er soll auch in den Jahren 2009 bis 2011 in vielen Fällen die fälligen Elternbeiträge nicht eingezogen haben, obwohl das seine Pflicht war.

Bis zu 22 700 Euro sollen dem Träger so entgangen sein. Zeitweise habe der gemeinnützige Verein, der sich aus eben diesen Elternbeiträgen sowie den Pauschalen der Stadt Göttingen je belegtem Kita-Platz aus den Leistungs- und Budgetverträgen und aus Personalzuschüssen des Landes finanziert, mit mehr als 60 000 Euro im Soll gestanden. Eineinhalb Jahre ist unentdeckt geblieben, dass sich der Vorsitzende bediente, weitere eineinhalb Jahre, bis ihn der Rest des Vorstands per Anwalt zur Rückzahlung der veruntreuten Summe aufforderte.

Er hat dann auch sofort einen Kredit aufgenommen und den Fehlbetrag samt Zins, Zinseszins und Anwaltskosten überwiesen, 12 213,04 Euro insgesamt. Die prompte Zahlung, ein Geständnis und die Tatsache, dass ihm die Untreue so leicht gemacht worden sei, so der Richter, habe zu dem milden Urteil geführt. Dafür könne er schon mal, so Malskies, „dem Gericht drei Kerzen anzünden“.

Richter und Schöffen hätten dem reuigen Gesundheitskaufmann „nicht das ganze Leben verbauen“ wollen. Schließlich sei nachzuvollziehen, dass einer, der in Geldnot gerät, auf die Idee kommt, im Verein in die Kasse zu greifen, wenn dort alle Kontrollmechanismen versagen. Immerhin habe er, sowie er ein regelmäßiges Einkommen hatte, mit den Untreuehandlungen aufgehört – noch ehe irgendjemand etwas bemerkte. Und das Gericht nimmt dem Mann auch ab, dass er gewillt war, alles irgendwann zurückzuzahlen.

Dass er in dem ausschließlich von Ehrenamtlichen gebildeten Vorstand seit 1999 schnell Verantwortung übernommen hatte – erst als Zivi, dann als Kasssierer, schließlich als Vorsitzender, der für eine 400-Euro-Pauschale auch noch die Buchhaltung machte –, hat ihm über mehr als zehn Jahre viel Vertrauen eingebracht. Deshalb, so Grones Ortsbürgermeisterin Birgit Sterr (SPD), die heutige Vorsitzende des Kindergartenträgers, sei das Misstrauen auch nur langsam gewachsen.

Lange habe man es mit Geduld hingenommen, als Abrechnungen mit immer neuen Ausreden ausblieben. Erst Ende 2011 hatten die Vorstandskollegen dann Gewissheit, dass in der Kasse Geld fehlte. Ein Anwalt forderte alles zurück, und Sterr stellte Strafanzeige.

Und noch heute versucht der Verein von jenen Eltern, bei denen Beiträge nicht erhoben wurden, diese nachträglich noch anzumahnen und notfalls einzuklagen. Sollte am Ende hier ein Schaden bleiben, so Sterr, müsse dieser ebenfalls von dem 33-Jährigen eingefordert werden. Das Gericht legte ihm am Mittwoch schon einmal 3600 Euro als Bewährungsauflage auf, die als Wiedergutmachung an den geschädigten Verein gehen soll.

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