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Volksverhetzung: Stadtrat verurteilt rechtsradikale Vorfälle

Grabschändung Volksverhetzung: Stadtrat verurteilt rechtsradikale Vorfälle

Rat und Verwaltung der Stadt Dransfeld sind „bestürzt“ von den jüngsten rechtsradikalen Vorkommnissen in der Stadt. „Wir verurteilen auf das Schärfste das Abspielen und Singen von volksverhetzenden Liedern am Himmelsfahrtstag und die Schändung des jüdischen Friedhofs durch Vandalismus und Hakenkreuzschmierereien“, heißt es in einer Erklärung. 

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Jüdischer Friedhof Dransfeld: geschändeter Grabstein.

Quelle: Aue

Alle Bürger der Stadt und Samtgemeinde werden aufgerufen, rassistische, volksverhetzende und neonazistische Vorfälle der Polizei zu melden. „Rechtsradikales und volksverhetzendes Gedankengut hat in einer weltoffenen und familienfreundlichen Stadt keine Chance.“ Der Präventionsrat der Stadt schloss sich der Verurteilung an. Das Thema soll auch vom Bündnis für Familien aufgegriffen werden. Aus den vergangenen Jahren seien ihm keine Vorfälle bekannt, sagte der Samtgemeinde-Jugendpfleger Rochus Winkler.

Unbekannte hatten vermutlich über Pfingsten auf dem jüdischen Friedhof in Dransfeld  drei Grabsteine umgeworfen und beschädigt. Auf einem Grabsteine wurde ein Hakenkreuz eingeritzt. berichtete ein Sprecher der Jüdischen Gemeinde Göttingen. Die Polizei geht von einer politisch motivierten Straftat aus. Erkenntnisse über die Täter gibt es bislang noch nicht. 

15 CDs sichergestellt

Weil sie Musik mit mutmaßlich volksverhetzendem und fremdenfeindlichem Inhalt laut bei einer Vatertagsfeier in Dransfeld gehört und selbst gesungen hatten, ermittelt die Polizei außerdem gegen drei 25, 26 und 29 Jahre alte Männer aus Adelebsen und Dransfeld. Ein Anwohner hatte die Polizei gerufen. 15 CDs wurden sichergestellt, deren Inhalte der Staatsschutz prüft. 

Die Auswertung dauere noch an, sagte Polizeisprecherin Jasmin Kaatz auf Tageblatt-Anfrage. Die Männer seien zwar polizeibekannt, aber nicht in diesem Zusammenhang.

Der Göttinger Landtagsabgeordnete der Linken, Patrick Humke-Focks, verurteilte die Schändung des jüdischen Friedhofs ebenfalls. Die Tat sei Ausdruck eines verachtenswerten antisemitischen Weltbildes; die Täter seien nicht nur für Denkmäler eine Bedrohung, sie würden es zunehmend auch für lebende Juden, so Humke-Focks. Gleichzeitig kritisierte er den Umgang mit Neonazis durch die Landesregierung. Wer wie Innenminister Uwe Schünemann (CDU) glaube, dass die eigentliche Gefahr von links komme und neonazistische Umtriebe immer wieder herunterspiele, der könne solche Entwicklungen nicht wirksam bekämpfen. 

Dass sich die Neonazis gerade Dransfeld ausgesucht hätten, komme nicht von ungefähr, so Humke-Focks. So hätten etwa die politischen Mehrheiten dort über Jahre geduldet, dass ein Kriegsschuldleugner und Verklärer der Hitlerwehrmacht als Bürgermeister und Stadtchronist tätig gewesen sei, als Archivar sogar immer noch wirke.

Von Gerald Kräft

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