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Vom Gefängnis auf den Fußballplatz

JVA Rosdorf Vom Gefängnis auf den Fußballplatz

Rosdorf. Sie haben Straftaten begangen und Gesetze gebrochen. Nun sollen sie künftig dafür sorgen, dass Regeln eingehalten werden. 15 Häftlinge der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf sind jetzt zu Schiedsrichtern ausgebildet worden. Das soll ihnen einen besseren Start in die Gesellschaft ermöglichen und gleichzeitig den Schiedsrichter-Mangel in den Sportvereinen beheben.

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Geschult im Umgang mit gelber und roter Karte: Niko (links) und Sven in der JVA-Sporthalle.

Quelle: AFU

Niko (29/Name geändert) und Sven (30) haben viel trainiert in den vergangenen Wochen – so gut das eben geht, wenn man im Gefängnis sitzt. Joggen gehen in der Rosdorfer Feldmark konnten sie natürlich nicht, aber man habe auch so genügend Möglichkeiten in der Anstalt, sagt Sven. „Das Sportangebot hier ist richtig gut.“ Und für das Pauken der Theorie hätten sie ja ohnehin genug Zeit, sagt Niko.

Sven ist wegen Betrugs zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Niko sitzt wegen Drogenhandels sogar vier bis fünf Jahre. Eine lange Zeit. „Hier gibt es ja nicht so viel Abwechslung“, sagt Niko. Daher seien sie froh gewesen, als sie den Aushang gesehen hätten. Eine Ausbildung zum Schiedsrichter. Das hatte was. Sie meldeten sich sofort an.

So hatten anscheinend viele gedacht. Es gingen mehr Bewerbungen ein, als Plätze zur Verfügung standen. Die Verantwortlichen hatten die schwere Aufgabe, auszusieben. „Bei einigen merkt man schnell, dass die das nur machen wollen, um mehr Freizeit zu haben“, sagt einer der Übungsleiter. Sven und Niko aber hatten Glück.

Das war vor drei Monaten. Von da an trafen sich die beiden mit 13 weiteren Gefangenen jeden Dienstag im Schulungsraum der JVA und lernten eine Regel nach der anderen. Wann gibt es direkten, wann indirekten Freistoß? Was ist eine Tätlichkeit? Wann kann man Vorteil geben? „Ich habe 20 Jahre lang Fußball gespielt, aber ich hätte nie gedacht, dass es so viele Regeln gibt“, erzählt Sven. „Außerdem weiß man jetzt, wie schwer es ein Schiedsrichter wirklich hat“, ergänzt Niko.

Die Schulung wurde zum Selbstläufer. „Es hat nie jemand gefehlt“, erinnert sich Sven. Das habe auch die Vertreter des niedersächsischen Fußballverbands, der das Projekt begleitete, erstaunt, berichtet JVA-Sprecher Siegfried Löprick. Immerhin sei der Schein eine Perspektive, ein Ziel, auf das man hinarbeiten könne, erklärt Niko. „Wir sind halt hier“, meint Sven, „aber wir sind ganz normale Menschen.“
Sven und Niko haben die Prüfung bestanden, beide mit Bestnote. Bundesliga-Schiedsrichter Florian Meyer hat ihnen das Zertifikat sogar persönlich überreicht, was die beiden zusätzlich stolz macht. „Die Schiedsrichterausbildung ist für alle Menschen gut“, sagt Meyer. So lerne man, mit Menschen respektvoll umzugehen und sie zu führen. Das verlange aber auch Fleiß und den Willen, sich ständig fortzubilden.
So werden wohl auch Sven und Niko noch einige Male ins Regelwerk schauen, bevor sie zum ersten Mal auf einem Platz stehen, draußen, in der Freiheit. Die Ausrüstung wie Trikot, gelbe und rote Karte haben sie aber schon bekommen.

Von Andreas Fuhrmann

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