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Vom Gräulich-Wichteln, Grimmschen Märchen und Weltuntergang

Wochenendkolumne Vom Gräulich-Wichteln, Grimmschen Märchen und Weltuntergang

Das Wichtigste zuerst: Das Ende der Welt steht an. In sechs Tagen ist Winteranfang, zugleich aber angeblich auch der Tag des Weltuntergangs. Wenn man dem Kalender der südamerikanischen Maya glaubt. Der Maya Kalender beendet exakt an diesem Tag unser gegenwärtiges „viertes Zeitalter“, das vom 11. August 3114 vor Christus bis zum 21. Dezember 2012 dauert.

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Chefredakteurin Ilse Stein

Der 21. Dezember 2012 bedeutet nach dem Langzeitkalender der Maya also das Ende dieser menschlichen Zivilisation. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ist es aber lediglich das Ende um den Mythos Weltuntergang ­ und der Grund, warum man am Ende dieses Tages die Gläser erheben wird. Wie an Silvester  – um auf ein gutes Neues Jahr, beziehungsweise auf ein gutes neues Zeitalter, anzustoßen.

Davor ist auch noch genügend Zeit für das, was beinahe jeden Berufstätigen derzeit ereilt: die betriebliche Weihnachtsfeier. In diesem Jahr ist mal wieder Wichteln dran. Die verschärfte Variante: Gräulich-Wichteln, auch Schrott-Wichteln genannt. Für all diejenigen, die ebenso gerätselt haben wie ich, was das nun wieder sei: Man nehme möglichst gräuliche (also hässliche, entsetzliche) Geschenke und verpacke sie.

Diese werden eingesammelt. Der Würfel kreist. Wer eine Eins oder eine Sechs  würfelt, muss sich ein Geschenk nehmen – bis jeder eines bekommen hat. Hardcore-Wichtel-Runden würfeln weiter und bei jeder Sechs muss das ergatterte Geschenk gegen ein anderes getauscht werden.  Irgendwann ist Schluss. Wer Glück hat, findet jemanden zum freiwilligen Tauschen.

Oder er bleibt auf seinem Gräulich-Präsent sitzen und kann nur noch aufs weihnachtliche Betriebsfest 2013 hoffen. Wenn nicht der Weltuntergang dazwischen gekommen ist. Oder wie enden doch die Märchen so schön: Und wenn Sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch.

Wobei bitte noch daran erinnert sei, dass erst einmal am Donnerstag ein Tag ist, den wir gerade in Göttingen gebührend würdigen sollten: Das Haus-Märchenbuch der Brüder Grimm ist am 20. Dezember vor 200 Jahren erstmals erschienen. Einfach mal wieder aus dem Bücherregal kramen und anfangen zu lesen. Oder vorlesen. Macht gute Laune und Vorfreude aufs Fest...

Vorfreude hat derzeit auch der Intendant des Deutschen Theaters, Mark Zurmühle . Nämlich auf das Ende seiner Arbeitszeit. Das steht zwar erst im Sommer  2014 an, Zurmühle aber hat sich gedanklich schon verabschiedet. Persönlich auch. Denn er nahm an einer Info-Veranstaltung des DT-Aufsichtsrates nicht teil, mit der Begründung: „Vor dem Hintergrund meines im Sommer 2014 endenden Vertrages … habe ich mich nicht weiter in die Gespräche über eine eventuelle Zusammenarbeit mit dem Jungen Theater vertiefen können.“

Im übrigen solle das sein Nachfolger tun – so die Übersetzung des etwas verklausulierten Schreibens. Was sagt die zuständige Dezernentin: Man könne den Mann ja nicht zwingen. Also kassiert der Intendant gerne noch eineinhalb Jahre sein Gehalt – über Kooperationen nachzudenken, ist darin aber wohl nicht inbegriffen. Das nennt man künstlerische Freiheit!

Aber vielleicht geht ja bald die Welt unter, dann müssen wir uns mit solchen Problemen nicht mehr beschäftigen. Dann hätten auch Stadt und Kreis Göttingen kein Dauergezänk um den jährlichen Finanzausgleich mehr. Dabei herrschte in den Politikerbüros beider Seiten schon in dieser Woche Weltuntergangs-Stimmung, eher Weltuntergangs-Chaos. Denn so mächtig wurde das Verhältnis zwischen Stadt und Kreis, Oberbürgermeister und Landrat sowie Parteien noch nie durchgerüttelt.

Und das alles wegen einer gewaltigen Rückwärtsrolle von Göttingens OB Wolfgang Meyer (SPD) ohne Vorwarnung. Beißende Kommentare kamen prompt: „Kompromiss zum Kompromiss“ (Landrat Bernhard Reuter/SPD); „aberwitziges Wendemanöver“ (Gerd Nier/Linke), „Theater mit Marionetten aus der Augsburger Puppenkiste“ (Holger Welskop/CDU).

Was war passiert: Vor eineinhalb Wochen hatten sich OB, Landrat und die Spitzen von SPD und Grünen auf einen Kompromiss im Finanzstreit geeinigt, den auch Meyer hoch lobte. Wenige Tage später verteufelte er das eigene Werk und riet dem Rat, es abzulehnen. Das Weltuntergangs-Donnern grollte bis nach Berlin und schreckte SPD-Oberchef Thomas Oppermann auf.

Der fackelte nicht lange und zog die Reißleine (böse Zungen sagen, den Seinen die Ohren lang). Ergebnis: ein neuer Kompromiss. Denn ohne diesen wäre eine angestrebte Kreisfusion beendet, bevor sie begonnen hat. Und das wäre für SPD wie Grüne ein echter Weltuntergang.

Ihnen allen dennoch einen ruhigen dritten Advent.

Von Ilse Stein und Ulrich Schubert

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