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Von Hokuspokus und dem armen Sündenbock

Sprichwörter-Führung durch Göttingen Von Hokuspokus und dem armen Sündenbock

Es ist ein schon fast dunkler Novemberabend, und die Laternen verströmen bereits ihr Licht. Einige Göttinger haben sich vor der St.-Michael-Kirche versammelt. Dort beginnt eine Führung mit dem Thema „Das geht auf keine Kuhhaut! Von biblischen Sprichwörtern und Redewendungen im Alltag“ durch Göttingen.

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Muss ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen: die Kurze Straße im abendlichen Lichterglanz.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Ich habe davon im Tageblatt gelesen, und es hat mich gleich interessiert“, erzählt Sigrid Schäfer. Die 52-Jährige macht sich oft Gedanken darüber, wie Sprichwörter zustande kommen. „Da hätte ich am liebsten ein Wörterbuch“, meint sie. Ähnlich geht es auch Theo Schneider, der erst seit einem Jahr in Göttingen lebt. „Auf diese Weise entdecke ich schöne Details in der Stadt. Ich finde es spannend, wie sich die vielen theologischen und biblischen Sprüche erklären lassen“, sagt der 65-Jährige.

Mittlerweile haben sich alle Interessierten eingefunden und Kirsten Ruge beginnt mit der Führung. Von der St.-Michael-Kirche aus geht es jetzt zum Kornmarkt. Sehr viele Menschen bevölkern die Innenstadt. Überall flackern Leuchtreklameschilder. Auch Kirsten Ruge widmet sich dem Licht. Die fünf Teilnehmer erfahren, dass die Redewendung „sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ auf einem Matthäus-Zitat beruht. Weiter geht es mit  einigen anderen Redewendungen in Richtung Wilhelmsplatz.

„Bis jetzt kannte ich alle Sprichwörter, aber in Verbindung mit der Stadt finde ich sie sehr spannend. Da läuft man erst einmal mit einem anderen Blick durch Göttingen“, stellt eine Teilnehmerin fest. Am Wilhelmsplatz angelangt geht es um den Sündenbock, der laut Ruge einst tatsächlich ein armer Ziegenbock war, dem symbolisch alle Sünden aufgeladen wurden, bevor er in die Wüste gejagt wurde.

Auch das Rathaus ist Schauplatz der Führung. Das jüngste Gericht, ein salomonisches Urteil und der Stein des Anstoßes werden dort, wo früher die Stadt regiert wurde, erklärt. So basiert ein salomonisches Urteil auf dessen Namensgeber, der den Streit zweier Frauen um ein Kind gerecht gelöst hat. Vom Rathaus geht es weiter in Richtung Neustadt zur Marienkirche. Von dort bietet sich ein schöner Blick auf die bereits erleuchtete Johanniskirche.

Vor der Marienkirche dagegen ist es dunkel und dämmrig. Düster sind auch die Sprichwörter. Die Augen werden sich ausgeweint, das Herz ausgeschüttet und Trübsal geblasen. Letzteres meint im Wortsinne die traurige Musik, die bei einer Beerdigung gespielt werde, erklärt Ruge.

Aber damit die Stimmung nicht am Boden liegt, folgen noch einige amüsante Redewendungen. So leitet sich Hokuspokus etwa von einem falsch verstandenen „Hoc est corpus mihi“ („Das ist mein Leib“) in einer lateinischen Messe her. Oder das Kamel durch das Nadelöhr beruht vermutlich auf einer falschen Übersetzung aus dem Hebräischen, da die Wörter „Kamel“ und „Schiffstau“ in dieser Sprache sehr ähnlich sind.

Nun ist aber auch Ruge langsam mit ihrem Latein am Ende.  „Die Führung war sehr gut. Ich habe einiges Neues erfahren, manches kannte ich auch schon. Insgesamt aber sehr schön“, kommentiert Ilona Friedrichs. Hals und Beinbruch wünscht Ruge und die Teilnehmer verstreuen sich in alle Richtungen.

Von Xenia Buchwald

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