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Von Hundemenschen und pöbelnden Vierbeinern

Martin Rütter in Lokhalle Von Hundemenschen und pöbelnden Vierbeinern

Woran erkennt man den Homo sapiens canis lupus familiaris affinitas – übersetzt und vereinfacht „Hundemensch“ genannt? Die Hundehaare auf dem Fleecepulli, Leckerli in den Taschen und das müffelnde Auto mit Heckklappe sind seine äußeren Merkmale.

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Heiser auf der Bühne: Martin Rütter in der Göttinger Lokhalle.

Quelle: Theodoro da Silva

Auch innere Werte machen den Hundemenschen unverwechselbar. Er ist emotional und mitfühlend gegenüber Hunden und jeglicher leidender Kreatur.

So auch mit dem „Godfather der Hundeerziehung“, der am Donnerstagabend stockheiser vor 3300 Menschen in der Göttinger Lokhalle steht. Schon bei den ersten krächzenden Sätzen („es ist weder Zwingerhusten noch Staupe“) schallt ihm ein vielstimmiges „Ohhhh“ entgegen – armer Martin Rütter.

Aber er hält durch. Der Hundeprofi ist eben auch ein Showprofi. Zwei Stunden lang erklärt der TV-bekannte Tierpsychologe und Hundetrainer seinem Publikum trotz Heiserkeit ihre eigene und die Seele ihres Hundes. Dass Probleme im Zusammenleben oft entstehen, weil ein Hundemensch sich einen vermenschlichten Hund heranzieht, „Emotionalität ist eines der Probleme der Erziehung“. Dass weibliche Hundemenschen wegen ihres Brutpflegeinstinkts toleranter auf Fehlverhalten ihres Vierbeiners reagieren als männliche. Dass es letztere wiederum ein wenig schwerer hätten, im täglichen Scharmützel um den Chefsessel Punkte zu machen. „Haken Sie auf einer Liste an der Kühlschranktür ab, wie oft sie sich durchsetzen und wie oft der Hund.“ Das Ergebnis, so Rütter, sei zumeist ernüchternd für zweibeinige Chefanwärter.

Anschaulich und mit vielen Beispielen analysiert Rütter Missverständnisse zwischen Mensch und Hund. Das Anspringen von heimkehrenden Zweibeinern sei kein Ausdruck von Freunde, sondern reines Anpöbeln, „wenn ihr zehnjähriger Sohn sie mit beiden Füßen voraus anspringen würde, fänden sie das auch nicht süß, sondern gestört“. Der Hund, der das Klingeln an der Tür mit Hektik und Kläfferei quittiere, fordere Herrchen und Frauchen damit auf, schnell „seinen Besuch“ hereinzulassen. Ein „existenzieller Fehler“ in der Hundebeziehung laut Rütter: „Wir beachten den Hund besonders, wenn er etwas falsch macht“. Der Hund benötige hingegen Zuwendung, wenn er richtig agiere, „dazu brauchen wir eigentlich nicht einmal Leckerchen, mit ihnen geht es höchstens schneller“.
Rütters Verdienst in seiner Branche: Er hält der breiten Masse des Homo sapiens canis lupus familiaris affinitas auf humorvolle Weise einen Spiegel vor. Und der Verdienst aller Hundemenschen in der Göttinger Lokhalle? Über die eigenen Fehler herzhaft lachen zu können.

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Es gibt sie doch – Wesen von vollkommener geistiger Überlegenheit“, weiß Martin Rütter, seines Zeichens Hundetrainer und überzeugter Anhänger der Theorie, dass die Welt nicht vom Menschen, sondern vom Hund regiert wird. Über die heimlichen Herrscher des Planeten wird Rütter in der Göttinger Lokhalle berichten – gleich zweimal.

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