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Von Missgeschicken und netten Menschen

„Unter Segeln in den Ruhestand“ Von Missgeschicken und netten Menschen

Mut machen für die Zeit nach dem Arbeitsleben wollen Ingrid und Ernst Gocksch. Ohne viel Segel-Erfahrung sind sie auf große Fahrt gegangen, von Schweden ins Mittelmeer und zurück. In drei Jahren haben die Hardegser ihre Tour bewältigt. Und schon schmieden sie neue Segel-Pläne.

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Haben das Segeln für sich entdeckt: Ernst und Ingrid Gocksch mit Weltaltas.

Quelle: Hinzmann

Hardegsen. Am 12. Juni 2008 starteten Ingrid (67) und Ernst Gocksch (66) in Oskarshamn in Schweden. „Der Abschied aus dem aktiven Berufsleben ist vergleichbar mit dem letztmaligen Herunterfahren eines alten Büro-Computers“, schreibt Ernst Gocksch zur Entstehung der Idee. Je mehr er sich mit dem Gedanken daran beschäftigt habe, desto klarer sei ihm geworden, dass er „rechtzeitig einen Plan für diesen neuen Lebensabschnitt entwickeln musste“. Beim Blick auf die Europakarte reizte ihn der Weg von Schweden bis zum Mittelmeer besonders. Der Grundstock für die Vision war gelegt.

„Wir hatten keine Erfahrung mit dem offenen Meer“, geben die beiden Hobbysegler und Schweden-Liebhaber unumwunden zu. Schon bei der Einfahrt in die erste Schleuse zeigte sich, dass es ihnen an Erfahrung mangelte. Sie beeilten sich, hinter einem Motorschiff einzufahren, um niemanden lange warten zu lassen. Doch zum Anlegen gab das Motorschiff Gas. Das Segelboot wurde an die Wand gedrückt. Ein Riesen-Kratzer am Bootsrumpf war das Ergebnis. Als Ernst Gocksch sofort seine Unkenntnis zugab, kümmerte sich der Schleusenwärter geradezu liebevoll um das Paar. Danach ging das Schleusen für die Neulinge besser. „Learning by doing“ war stets ihre Maxime.

„Halten wir das durch?“ fragte sich Ingrid Gocksch am Anfang. Ihr war klar: „Tag für Tag müssen wir es hinkriegen.“ An viele Details kann sie sich im Rückblick erinnern. Vor einer größeren Etappe segelten sie schon in der Nacht los. „Es war ein traumhaftes Erlebnis“, sind sich die Ehepartner einig. Gemeinsam konnten sie den Wechsel von der Nacht zum Tag miterleben.

Ein anderes Mal liefen sie im Dunkeln in einem fremden Hafen auf Grund. Auf der Karte war die Zufahrt zum Hafen von Constanta im Norden verzeichnet. Doch sie war verlegt worden. Es kam Wind. „Und wir saßen auf Grund.“ Die rumänische Seenotrettung musste helfen. Fernsehen und Rundfunk blieben nicht fern. Von ihren rumänisch-deutschen Mietern hörte auch ihr Nachbar in Hardegsen von dem „Unglück“.

Auch auf der Donau erlitten sie einen Unfall: Sie fuhren mit dem Boot auf eine Buhne. Wie ein schlechter Scherz kam es Ernst Gocksch vor, dass ausgerechnet die Polizisten zum Unfall kamen, die ihn am Morgen vor den Buhnen gewarnt hatten. Doch das Paar hatte gerade gute Nachrichten erfahren. Ihr Sohn hatte einen Job gefunden.

Ohnehin standen die „kleinen“ Missgeschicke nicht im Vordergrund. Das Schönste für die beiden Abenteurer waren die Kontakte zu den verschiedenen Menschen. „Wir sind doch Segler. Wir müssen uns doch helfen“, bekamen sie bei Schwierigkeiten mit der türkischen Grenzpolizei Trost von einem türkischen Segler. Auf Ithaka in Griechenland bescherte ihnen ein Trompeter einen wunderschönen Abend.

Beim Rückweg haben sie ein wenig gemogelt: Auf dem Lastwagen überquerte ihr Schiff die Alpen. Großartig war der Empfang in Schweden. Auf einer kleinen Insel erlebten sie einen Opernabend mit Meisterschülern der Stockholmer Musikschule mit. Im Heimathafen wurde ein Heimatfest gefeiert, als sie wieder anlandeten.

Nun haben sie ihr Ferienhaus in Schweden verkauft. „Dann sind wir frei“, nennen sie ihren Beweggrund. Das 40 Jahre alte Boot haben sie gegen ein neueres, größeres getauscht. Im kommenden Jahr will das Paar wieder auf große Fahrt gehen. Auf dem Tisch liegt schon ein Weltatlas. Ernst Gockschs Reisebericht „Leinen los. Unter Segeln in den Ruhestand“ ist gespickt mit vielen Zetteln. Für eine Lesung bei den Nachbarn hat Ernst Gocksch sein Buch daraufhin durchgeblättert, was zum Vorlesen geeignet wäre. „Wer will, kann auf uns zurückgreifen“, bietet er weitere Lesungen an.

Von Ute Lawrenz

Informationen unter Telefon 0 55 05 / 95 97 30. „Leinen los“ ISBN 978-3-941796-93-5.
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