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Von neuem Luxus und Schlüpfern im Schlussverkauf

„Die 50er Jahre in Göttingen“ Von neuem Luxus und Schlüpfern im Schlussverkauf

Wo sich in den 50er Jahren die großen Filmstars trafen, gab es am Donnerstag, 23. September, erneut eine Premiere, bei der Heinz Erhardt, Heinz Rühmann, Peter Weck und Nadja Tiller eine Rolle spielten: Das Tageblatt zeigte im Kino „Sternchen“ des Sterntheaters erstmals seine neue DVD-Dokumentation „Die 50er Jahre in Göttingen“.

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Große Emotionen auf der großen Leinwand: Zuschauer bei der Preview zu „Die 50er Jahre in Göttingen“.

Quelle: Heller

Es war es ein ausgewähltes Publikum, das den Film vorab sehen konnte, der erst am Sonntag, 26. September, der breiten Öffentlichkeit präsentiert wird. Ilse Stein, Chefredakteurin des Göttinger Tageblattes, begrüßte an diesem Abend geladene Gäste und Leser des Tageblattes, die mit ihren privaten Fotos und Filmen die DVD-Veröffentlichung ermöglicht hatten. „Ein wunderbarer Querschnitt“ durch die Ereignisse eines Jahrzehnts sei in zwei Monaten „harter Arbeit“ daraus entstanden, wie Stein in ihrer Begrüßung lobte.

Der 40-minütige Film von Marie-Luise Rudolph und Nadine Eckermann, Redakteurinnen beim Tageblatt, zeigte den Zuschauern zum einen die ernsten Seiten des Jahrzehnts, in dem die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges in den Geldbeuteln der Göttinger Bürger wie auch an den Schäden an Göttinger Gebäuden allzeit präsent waren. Hungernde, im Winter frierende Menschen, kämpften sich durch eine kriegsgebeutelte Zeit, lebten – beispielsweise im Lager Friedland – auf engstem Raum oder befanden sich auf der Suche nach vermissten Angehörigen und Freunden. Bilder aus Friedland oder auch von öffentlichen Speisungen lösten am Donnerstag im Publikum eine stille Betroffenheit aus.

Umso größeres Gelächter gab es bei den Szenen, die den neuen Wohlstand der 50er Jahre dokumentierten. Dank des Wirtschaftswunders konnten die Göttinger sich nun dem Luxus zuwenden, flotte Mieder tragen, die neueste, (wenn auch aus heutiger Sicht steif wirkende) Mode präsentieren und sich am Wühltisch bei Karstadt austoben. Besonders die Werbespots Göttinger Firmen wirkten in ihrer altmodisch-adretten Darstellungsweise, gern mit gereimten Text unterlegt, offenbar urkomisch: Schon der Einleitungsspot für ein Göttinger Miederwarengeschäft löste großes Gelächter aus. Dabei dürfte sich die Schauspielerin mit der bombenfesten Frisur größte Mühe gegeben haben, ein gutes Bild in ihrem panzerähnlichen Mieder abzugeben.
Die Zuschauer amüsierten sich köstlich über Anzeigen, mit denen Göttinger Geschäfte im Tageblatt für den Sommerschlussverkauf warben – Waren wie „Schlüpfer“ oder „Strickwaren“ dürften heute wohl kaum mehr in der Reklame Verwendung finden. Und sie lachten herzhaft beim Abspann des Films: Der Slogan „Sei nett zu Dir, trink Göttinger Bier“ – dazu ein schiefes Augenzwinkern – wird wohl im ein oder anderen Kopf noch länger hängen bleiben.
Doch nicht allein der Konsum bestimmte die 50er Jahre, wie der Film zeigt: Die Wissenschaft lebte nach dem Krieg wieder auf und hinterließ in Form neuer Institute und großer Namen wie etwa Otto Hahn ihre Spuren in der Stadtgeschichte. Das Stadtbild veränderte sich, neue Gebäude entstanden. Und der Verkehr verdichtete sich derart, dass Verkehrspolizisten nötig wurden, „an deren Anweisungen sich längst nicht alle Verkehrsteilnehmer hielten“, wie Film-Sprecher Stefan Dehler mit einem hörbaren Augenzwinkern erklärte. Die Zuschauer schmunzelten mit ihm.

Ins Staunen gerieten sie bei den bewegten Szenen, die den Umzug zur 1000-Jahrfeier der Stadt Göttingen zeigten. Mit großem Aufwand waren die Wagen geschmückt, die sich drei Stunden lang durch die Innenstadt schlängelten. Ebenfalls große Augen gab es beim Publikum, als die großen Sportereignisse des Jahrzehnts zur Sprache kamen. Jürgen Jungbehrens, einer der Mitwirkenden am Film, freute sich, seinen Vater im Film erkannt zu haben. Besonders große Freude bereitete ihm dies, weil Adolf Jungbehrens nicht nur aktiver Radfahrer war, sondern auch Komparse in einer Göttinger Film-Produktion. Um eine Kopie davon zu ergattern, hatte Jungbehrens mehr als 100 Euro ausgeben müssen – um dann festzustellen, dass die Szene mit dem Vater herausgeschnitten war. Mit „Die 50er Jahre in Göttingen“ schaffte es Adolf Jungbeherns doch noch auf die große Leinwand, in einem Film mit großen Stars des Ateliers Filmaufbau, denen der Film eine Bildergalerie widmet.

Ein wenig wie Stars fühlten sich auch die Jungfilmemacherinnen: Sie erlebten in Person von Wilfried Koch ihren ersten Autogrammjäger. Selbstverständlich bekam er seine Unterschriften. Sein beschriftetes weißes Hemd reiht sich nun ein in die Tradition: Auch in den 50er Jahren wurden im Foyer des Sterntheaters zahlreiche Autogramme verteilt.

  Am Sonntag, 26. September, Premiere im Stern
  Für die öffentliche Erstaufführung von „Die 50er Jahre in Göttingen“ am Sonntag, 26. September, sind noch Restkarten an der Tageskasse erhältlich. Der Film wird im Rahmen einer Matinee um 12 Uhr im Sterntheater, Sternstraße 7 in Göttingen, gezeigt. Der Eintritt kostet 2,50 Euro. Auf DVD ist „Die 50er Jahre in Göttingen“ ab Montag, 27. September, zum Preis von 14,90 Euro erhältlich. Verkauft wird die DVD, auf der neben dem Film umfangreiches Bonusmaterial enthalten ist, in den Tageblatt-Geschäftsstellen in Göttingen und Duderstadt sowie bei der Premiere.

Von Nadine Eckermann

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