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Vor 20 Jahren feierten Deutsche aus Ost und West in Kirchgandern

Grenzöffnung Vor 20 Jahren feierten Deutsche aus Ost und West in Kirchgandern

Kalt war es am 18. November 1989 morgens um 6 Uhr, so kalt, dass die Batterie einer seiner Kameras versagte – der mit dem Farbfilm. Deshalb gibt es nur Schwarzweiß-Bilder.

Bilder, die Geschichte markieren: Nach 40 Jahren DDR begegnen sich im Morgengrauen des 18. November Menschen aus Thüringen und Niedersachsen. Der eiserne, bisher undurchlässige Zaun ist auf. Der Moment, als auch im Süden des Landkreises die Grenze fiel, als die DDR einen Fußweg zwischen Besenhausen und Kirchgandern öffnete und an einem Wochenende Zigtausende gemeinsam feierten.

Karl Heinz Otto, damals 53 und freier Pressefotograf, war dabei. Alexander Engelhardt, damals Oberkreisdirektor, hatte ihn angerufen. Er solle um 6 Uhr an der Baracke in Besenhausen sein. Hermann Voigt, Friedlands Bürgermeister war da, Kreisrat Rolf Parr auch, ebenso Hanno Meyer. Hartwig Fischer kam später dazu.

Und dann kamen die Kirchganderner. Als gehe es nach 28 Jahren Trennung um Sekunden, spurteten die ersten winkend und mit Blumen über den einstigen Todesstreifen. Mit dabei Karl-Otto Heidenblut, Vorsitzender des Rates des Kreises Heiligenstadt. Er lud die Göttinger noch im Morgengrauen in den Goldenen Löwen nach Kirchgandern ein. Wirt Ottmar Wellmann musste erst geweckt werden und einheizen. Für ihn begann das Wochenende seines Lebens. Tausende kehrten in den nächsten zwei Tagen bei ihm ein.
Das Dorf schlief noch; für die Thürigner kam die Öffnung überraschend. Auch für die alte Dame, die im Konsum verkaufte. „Von drüben?“, staunte sie, „von Göttingen? Da müssen sie meinen Sohn kennen.“ Es war die Mutter von Rudolf Kahlmeier, Chef der Kreishandwerkerschaft. 28 Jahre hatte sie ihn nicht gesehen.

Von Jürgen Gückel

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