Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Wachsame Mütter am Vatertag

Aus dem Amtsgericht Wachsame Mütter am Vatertag

Vatertag gehen Väter gern zu Fuß und mit dem Bollerwagen voller Bier auf Tour. Auch der 23-Jährige aus Elliehausen geht zu Fuß – schon seit einem halben Jahr und unfreiwillig. Und das wird noch weitere sechs Monate so sein – mindestens. Der junge Mann hatte am Himmelfahrtstag vergessen, dass Mütter wachen, wenn Väter feiern.

Voriger Artikel
Linke gegen Entlassung
Nächster Artikel
300 Teilnehmer demonstrieren gegen Studiengebühren
Quelle: dpa (Symbolbild)

Der Aufmerksamkeit dreier besorgter Mütter hat er den Verlust seines Führerscheins, seiner Arbeitsstelle und außerdem eine empfindliche Geldstrafe zu verdanken. Unterm Strich eine teure Vatertagstour. Denn Himmelfahrt treffen sich nicht nur Väter, auch einen Kindergeburtstag gab es in Elliehausen zu feiern. Während die Kleinen spielten, beobachten die Mütter besorgt, wie mehrfach ein Mercedes durchs Dorf raste, am Steuer ein junger Mann mit gegelter Igel-Frisur, der offensichtlich nicht nur riskant, sondern auch unsicher fuhr.

Die erbosten Mütter hatten schon zum Handy gegriffen und ihre Sorge der Einsatzleitstelle der Polizei gemeldet – samt Nummernschild und Personenbeschreibung des Fahrers –, als der Mercedes wieder um die Ecke röhrte, dabei die Bordsteinkante touchierte, auf die Gegenfahrbahn schleuderte und beinahe mit einem anderen Fahrzeug kollidierte. So beschreibt es eine der Mütter im Zeugenstand. Eine andere hatte noch das Handy in der Hand und filmte Teile des Vorfalls. Allerdings: Die Scheibe spiegelte, der Fahrer ist nicht zu erkennen.

Der, den die Polizei später mitnahm und der jetzt vor dem Strafrichter saß, will es allerdings gar nicht gewesen sein. Er behauptet, ein anderer sei gefahren. Das Auto ist zwar das des Vaters, auch die Schlüssel hatte er in der Tasche, als die Polizei kam, er bestreitet aber und will Freispruch.

Dabei, so gleich zwei Polizisten als Zeugen, hatten sie keinerlei Zweifel, dass der mit der Gelfrisur der Fahrer sein müsse. Keiner sonst in der Männerrunde passte zur Beschreibung: „Der und kein anderer“, betonte einer der Beamten. Die Mütter hatten der Streifenwagenbesatzung noch den Weg gezeigt, wo der Mercedes in eine Sackgasse gebogen war. Dort wurden die Beamten fündig, befühlten den noch warmen Motor und holten sich den Verdächtigen aus einer „sofort aggressiven“ Biertrinker-Runde. Vorsorglich wurde ein zweiter Streifenwagen gerufen. Erst auf Anordnung eines Richters ließ sich der Angeklagte zwei Blutproben entnehmen.

Er brachte es auf 1,65 Promille Alkohol im Blut. Einen Joint hatte er außerdem geraucht. Der Alkoholwert wurde bei Gericht zum Gegenstand umfangreicher Berechnungen. Ein Rechtsmediziner musste ergründen, welche Rolle der Nachtrunk spielte, den der 23-Jährige in den zehn bis 15 Minuten zwischen der beobachteten Autofahrt und dem Eintreffen der Polizei zu sich genommen haben will.

Ergebnis des Rechenwerkes mit Größen wie Promillewert, Gewicht, Körpergröße, Alkoholgewöhnung und Zeitablauf: Der Mann hätte binnen Minuten mehr als zwei Liter Bier trinken müssen, um zuvor unter dem Wert (1,1 Promille) gewesen zu sein, ab dem er absolut fahruntüchtig war. Und dafür spricht nichts. Denn aus den im Halbstundenabstand genommenen Blutproben ergab sich, dass der Promillewert zwischen erster und zweiter gesunken war, also Alkohol bereits abgebaut wurde, statt – wie bei Nachtrunk zu erwarten – sich noch aufzubauen.

Für Amtsrichter Oliver Jitschin ein klares Zeichen, dass der Nachtrunk „eine reine Schutzbehauptung“ war. Genau wie die Behauptung, ein anderer sei gefahren. Und weil die drei Mütter den Angeklagten auch als Fahrer wiedererkannt hatten, als er abgeführt wurde, und das den Polizisten mit zustimmendem Nicken zu verstehen gaben, hatte auch der Richter keinen Zweifel.

40 Tagessätze zu je 15 Euro und ein Jahr Fahrverbot lautete das Urteil. Und weil bei mehr als 1,6 Promille und einem Jahr Verbot automatisch die Fahreignungsprüfung (landläufig „Idiotentest“) folgt, wird Vatertag 2013 wohl mit Bollerwagen statt Mercedes gefeiert.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeigenspezial
Die Bilder der Woche vom 2. bis 8. Dezember
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt