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Wätzolds Woche: Der Arsch gehört in die Hose

Wätzolds Woche: Der Arsch gehört in die Hose

Der Gymnasialdirektor und Vorsitzende des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt Dr. Mannke hat mit seiner Stellvertreterin den Leitartikel der aktuellen Ausgabe ihrer Verbandszeitschrift verfasst: Eine gruselige Ansammlung rassistischer Ressentiments gegen Flüchtlinge mit besonderem Augenmerk auf den Genitalbereich: Die oft „ungebildeten Männer“, hätten ein „Bedürfnis nach Sexualität“.

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Lars Wätzold

Quelle: GT

Man muss also was tun, damit Mädchen ab 12 „sich nicht auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern einlassen“, die „nicht immer mit den ehrlichsten Absichten nach Deutschland kommen.“ Klingt eher so, als ob es da tüchtig in der Philologenhose zwickt. Vielleicht haben die beiden auch einfach zu viel im „Stürmer“ geschmökert.

So weit, so blöd. Aber noch skandalöser als der Artikel ist, dass er ohne jede Konsequenz bleibt, außer, dass die Verfasser nach einem Termin im Ministerium Weiterbildungskurse zu interkultureller Bildung belegen werden - kein Witz!

Ich frage mich nun, warum der diesbezügliche Artikel in meiner Tageszeitung ausgerechnet am 9.11. mit „Drastischer Hilferuf aus der Schule“ betitelt ist. Hetze ist kein Hilferuf.

Und es ängstigt mich, wie hierzulande wieder ganz schamlos Opfer zu Tätern erklärt werden. Denn die einzig gestiegene Kriminalität im Flüchtlingskontext ist die, die sich gegen Geflüchtete richtet. Trotzdem wird dieser Mist als ernstzunehmender Beitrag diskutiert und so frisst sich der Rassismus immer weiter in die Gesellschaft: Prompt solidarisierten sich die Schul-Eltern mit Mannke und eben nicht mit den Denunzierten.

Und bei uns? Bei uns gibt es diese Ansichten sicherlich auch - wäre ja seltsam, wenn nicht - aber sie werden kaum öffentlich geäußert. Das liegt vielleicht auch daran, dass die hiesigen Verantwortlichen in Politik und Verwaltung glücklicherweise angemessen resolut darauf reagieren und auch die Herausforderung der Unterbringung von Geflüchteten angenehm sachlich angehen, sodass es hier kein Klima der rassistischen Ermunterung gibt.

Ebenso gut finde ich, wie hier die Zivilgesellschaft auf rassistische und nazistische Umtriebe reagiert. In diesem Zusammenhang noch mal eine tiefe Verbeugung nach Güntersen und ein herzlicher Glückwunsch zum Zeitzeichen-Preis. Ihr habt Arsch in der Hose, mancher Philologe hat einen im Vorstand!

Von Lars Wätzold

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