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Kolumne: Wätzolds Woche Superlative

Wir befinden uns ja im Zeitalter der Extrem-Rekorde. Größer, höher, weiter, so lautet die Devise. Doch warum gibt es derzeit diesen Trend?

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Wätzold, Lars

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Nun, sicher liegt das einerseits daran, dass dem modernen, westlichen Mensch heute die alltäglichen Grenzerfahrungen früherer Zeiten fehlen (Erstkommunion, Stechapfel-Bowle, „Was bin ich?“) und er andererseits seine Primärbedürfnisse im Spätkapitalismus - dank Globalisierung der Klassengesellschaft - spielend befriedigen kann.

Deshalb hat er nun das Bedürfnis nach, beziehungsweise Zeit und Geld, für Nervenkitzel aller Art, unter anderem in Form ausgefallener Reisen mit ungewöhnlichen Fortbewegungsmitteln. „Mit dem Einrad durch den Hindukusch“ oder „Im Schuhkarton nach Neuseeland“ - das sind heute übliche Schlagzeilen. Ich verschlinge diese Berichte regelmäßig und bewundere die modernen Abenteurer aus tiefstem Herzen, schließlich ist es für mich als mopsigem Endvierziger schon Extremsport, wenn ich mit dem Fahrrad zum Kiosk fahre.

Und so war ich sofort begeistert, als ich Dienstag die Schlagzeile zur ultimativen Südniedersachsen-Challenge las: „Mit dem Kajak nach Kreiensen“. Ich fragte mich, welch verwegener Tausendsassa sich da wohl auf den waghalsigen Weg, gemacht hat und las gierig weiter.

Die Story selbst brachte dann eine überraschende Wendung zum implizierten Versprechen der Überschrift, denn da ist nicht etwa jemand in einem Kajak nach Kreiensen gefahren, sondern in einem E-Auto, hin und auch wieder zurück. Der besondere Kick dieser Unternehmung bestand darin, dass auf dem Hinweg ein Kajak auf dem Autodach festgeschnallt war und auf dem Rückweg nicht. Man wollte damit ausprobieren, ob sich das E-Auto anders verhält, wenn es ein Kajak auf dem Dach hat. Zweifellos eine Fragestellung von ungeheurer Brisanz, auch für Leser ohne Führerschein.

Und das Ergebnis des Vergleichs war ein echter Knüller: Mit Kajak verbrauchte das Auto 0,1 Kilowattstunden mehr als ohne. Positiv fiel auf, dass die Fahrgeräusche auch mit aufgeladenem Boot „sehr gering“ waren. Krass! Hätte ich nie gedacht! Und ich finde, man sollte noch über andere scheinbar profane Unternehmungen berichten, denn die große Geschichte liegt oft im Unscheinbaren. Ich warte nun jedenfalls auf den Beitrag „Nachts barfuß aufs Klo“. Und zurück in Puschen. Hammer!

Lars Wätzold

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