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Stadtbusse fallen komplett aus

Verdi-Warnstreik Stadtbusse fallen komplett aus

Aufgrund eines Warnstreiks fallen am Freitag, 6. Oktober, in Göttingen die Stadtbuslinien komplett aus. Das teilten die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) am Donnerstag mit.

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Göttingen. Die Gewerkschaft Verdi habe am Freitag einen Warnstreik bei den GöVB angekündigt. Die GöVB würden demnach ganztägig bestreikt, heißt es in der Mitteilung: „Aufgrund des Warnstreiks fallen die Stadtbuslinien in Göttingen komplett aus.“

Hintergrund ist die Forderung von Verdi nach einer Anhebung des Weihnachtsgeldes von 86 auf 100 Prozent. Da es vom Kommunalen Arbeitgeberverband Niedersachsen kein Angebot und keine weitere Gesprächsbereitschaft gegeben habe, sei der Streik unumgänglich. Seit der Kündigung des Tarifvertrages zum 30. Juni habe es nur eine Verhandlungsrunde mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) gegeben, in dem die Forderung nach Erhöhung des Weihnachtsgeldes auf 100 Prozent und jedes weitere Gespräch darüber rundweg abgelehnt worden sei, erklärt Verdi-Verhandlungsführer Hermann Hane. Die Verweigerung weiteerr Gespräche sei „ein Skandal“. Daher werde auch in Göttingen der Stadtbusbetrieb am Freitag „von Betriebsbeginn bis Betriebsende“ bestreikt. Damit sind auch die Nachbuslinien von dem Ausstand betroffen.

Der Arbeitgeberverband hingegen sprach von Luxusforderungen, die nicht erfüllt werden könnten. In der einen Gesprächsrund nach Kündigung des Tarifvertrages habe der KAV deutlich gemacht, dass er nicht gewillt sei, ausgerechnet im defizitären Verkehrsbereich die Beschäftigten besser zu stellen als in allen anderen kommunalen Bereichen, in denen 86 Prozent gezahlt würden, erklärt KAV-Hauptgeschäftsführer Bernd Wilkening.

Bereits am Donnerstag ging bei der Göttinger Funk-Taxi-Zentrale eine Vielzahl von Vorbestellungen für den Freitag ein. „Wir kommen kaum noch hinterher“, meinte eine Mitarbeiterin am Donnerstagnachmittag.

Die Regionalbusse (zu erkennen an den dreistelligen Linien-Nummern) des Verkehrsverbundes Süd-Niedersachsen) fahren am Freitag hingegen wie gewohnt. Einige der Busverbindungen fahren die gleichen Strecken wie Stadtbusse.

Das Göttinger Universitätsklinikum weist darauf hin, dass es wegen des Busstreiks zu längeren Wartezeiten vor den Parkplätzen des Klinikums kommen könnte. Erfahrungsgemäß sei das Patientenaufkommen an einem Freitag und während der Schulferien wie derzeit weniger hoch, meinte Klinikumssprecher Stefan Weller.

Streiks soll es nicht nur in Göttingen, sondern auch in Hannover und in Braunschweig geben. Bereits am Mittwoch war der Busverkehr in der Landeshauptstadt bestreikt worden. Ebenfalls vor dem Hintergrund des Konflikts um das Weihnachtsgeld war es Ende September bereits zu Streiks in Braunschweig und Wolfsburg gekommen.

Tageblatt-Leser sind von dem Warnstreik mehrheitlich nicht begeistert. „Habe für sowas kein Verständnis“, meint Kerstin Fritz im Facebook-Auftritt des Tageblatts. „Leute, die kein Auto haben - wie sollen die zur Arbeit kommen?“ Katja Gull: „Es geht um Weihnachtsgeld-Anhebung auf 100 Prozent? Okay, da hört mein Verständnis für Streik irgendwie auf. Das sind echt mal ,first-world’-Probleme.“ Und Jessi Heberle: „Wie soll man zur Arbeit kommen bei dem Wetter? Ich würde über eine Stunde laufen, und zwar im Dunkeln morgens.“

„Wenn es eine Berufsgruppe gibt, die gut bezahlt, mit allen nötigen Kranken- Arbeitsschutz-, Arbeitsplatz-, Arbeitszeiten- etc. Privilegien ausgestattet ist, dann sind es die Busfahrer der GöVB“, meint Martin Ansger. „Denen geht es ganz schön gut, auch im Vergleich zu ganz anderen Berufsgruppen wie beispielsweise in der Pflege. (…) Es gibt Berufe, bei denen Arbeitnehmer das Wort ,Weihnachtsgeld, noch nie gehört haben, aber auf die Beförderung durch die GöVB angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können.“ Dem antwortet ein Facebook-Nutzer unter dem Pseudonym „Lausbub Lausbub“ hinter dem sich offenbar ein Busfahrer verbirgt: „Der Martin kann ja mal ein Tag mitfahren, um 4 Uhr aufstehen, um 5 Uhr rausfahren vom Betriebshof und dann bis 13.30 Uhr Dienst haben. Und was für Privilegien haben wir? Keine, der sollte mal etwas überlegen, was für ein Stress das hier ist, und Reichtümer verdienen wir hier auch nicht.“

Von Matthias Heinzel

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