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Waschsalon: Die meisten Kunden sind Singles und Studenten

„Alles rein und sauber“ Waschsalon: Die meisten Kunden sind Singles und Studenten

Gerade ist die Maschine fertig. Heiko Thesen öffnet die Bullaugentür und befördert die noch feuchte, frisch gewaschene Wäsche in einen runden Plastikkorb. Während er diesen hinüber zum Trockner rollt, verrät er den Grund für seinen Besuch im Waschsalon: „Wir sind gerade umgezogen und haben noch keine Waschmaschine.“ Sonst sei er nie hier, sagt er.

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Liest im Mystery-Thriller, um die Wartezeit zu überbrücken: Carl-Christian Bieritz.

Quelle: Heller

Göttingen. Mit „hier“ meint Thesen den Selbstbedienungs-Waschsalon in der Goßlerstraße. Und an diesem Sonnabendnachmittag drehen sich fast alle Trommeln der 26 Waschmaschinen. Es herrscht ein Kommen und Gehen. Im Gegensatz zu Thesen kommen viele Kunden – die meisten sind Singles und Studenten – regelmäßig mit ihrer Wäsche vorbei.

„Samstag ist der stärkste Tag“, so die Erfahrung von Waschsalon-Inhaber Frank Räuschel. Durchschnittlich 100 Kunden seien es in dem Betrieb, den es seit 1985 in der Goßlerstraße gibt, und der einer der ältesten Waschsalons der Stadt ist. Ein guter Standort für einen SB-Waschsalon, denn im Umkreis gibt es viele Appartementhäuser.

Auch der Student Leon Rückert wohnt „in der Nähe“. Weil er in seiner Ein-Zimmer-Wohnung keine Waschmaschine habe, wäscht er einmal pro Woche im SB-Salon – „normalerweise Programm Nummer acht“, sagt er und fügt hinzu: „das ist 30 Grad ohne Vorwäsche“. Der 18-Jährige versichert: „Bisher hat alles geklappt – alles rein und sauber.“

Eine Keksdose voller Fundstücke

Auch habe er bisher noch keine Wäschestücke vermisst. In dem Drahtkorb an der Wand liegen gut zehn einzelne Socken – Fundstücke aus den Edelstahltrommeln – und ein Paar bunte Kinderstrümpfe mit Comic-Motiv. Socken sind die häufigsten Wäschestücke, die in dem Drahtkorb für die Besitzer bereitgelegt werden.

In dem funktional eingerichteten Waschsalon in der Goßlerstraße bleiben aber auch allerlei andere Dinge liegen. Schlüssel, Haarspangen, Brillen, ja sogar ein Mobiltelefon befindet sich in der Keksdose, in der Räuschel alles für die Kunden aufbewahrt.

Die meisten Kunden im Waschsalon in der Goßlerstraße sind Singles und Studenten.

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Ihm seien noch keine Wäschestücke abhanden gekommen, sagt Carl-Christian Bieritz. Mit dem Mystery-Thriller-Reihe „Das Tal“ von Krystyna Kahn vertreibt er sich die Zeit, bis seine Wäsche fertig ist. Der 24-Jährige Student ist typischer Kunde im Waschsalon, wohnt in einem Ein-Zimmer-Appartement in der Nähe und hat dort keine Möglichkeit, zu waschen.

Alle zwei Wochen investiert er drei Euro in Wertmarken, um seine Wäsche sauber zu bekommen. Auf den Trockner verzichtet er: „Ich hänge die Sachen daheim auf".

Waschen und die Zeit vertreiben

Die feuchte Wäsche mag Michael Trampenau lieber nicht mitnehmen. Der Pöhlder holt gerade die zweite Ladung aus dem Trockner, während am Tisch nebenan ein Mann seine Teile ordentlich zusammenlegt. Trampenau kommt einmal pro Woche in den SB-Waschsalon in der Goßlerstraße, um einmal helle und einmal dunkle Wäsche zu waschen.

Er rechnet vor: „Das sind fünf Euro pro Woche. Da lohnt sich eine eigene Waschmaschine nicht“. Heute sitzt der Selbstständige auf einer der Holzbänke, daddelt an seinem Handy. Manchmal nutze er die Wartezeit aber auch, um einzukaufen oder etwas essen zu gehen. Gelegentlich komme er auch mit anderen Menschen im Waschsalon ins Gespräch.

Die Kommunikation untereinander hält sich an diesem Sonnabend eher in Grenzen. Lediglich Karin und Sandra Gerke tauschen Neuigkeiten aus. Mutter Karin (57) aus Barterode hat einen Wäschekorb voller frisch gewaschener Bettwäsche dabei, die sie zusammen mit Tochter Sandra (40) aus Göttingen mangeln möchte.

Mangel mit mängeln und Getränkeautomaten

„Meine Mangel ist kaputt“, sagt die 57-Jährige. Bettwäsche zu bügeln, komme für sie nicht in Frage. Und während die betagte Mangel im Waschsalon aufheizt, erzählen die Frauen, dass sie etwa alle drei Monate zum Mangeln nach Göttingen kommen. Sonst würden sie die Zeit überbrücken, in dem sie gucken, welche Nachrichten an der Pinwand am Eingang hängen, oder sich am Getränkeautomaten – im zweiten Apparat gibt es kalte Getränke und Süßes – einen Kakao holen.

Kaum ist die Mangel auf Temperatur, geht den beiden Frauen die Arbeit dann auch zügig von der Hand. Sie sind eingespielt, die Handgriffe routiniert. Mutter Karin Gerke fasst links, Tochter Sandra rechts, dann glattstreichen, kräftig ziehen und ordentlich zusammenlegen. Den jungen Leuten im Salon scheint das Mangeln indes ebenso fremd wie überflüssig.

Waschsalons
In Göttingen gibt es drei Firmen, die SB-Waschsalons betreiben. Räuschel-Textilpflege betreibt den Salon an der Goßlerstraße 61. Das Friedländer Familienunternehmen Kleitex hat zwei Waschsalons im Stadtgebiet: in der Reinhäuser Landstraße 150 und im Ritterplan 3. Dritter Betreiber ist McClean, der seinen Wasch-Center-Standort in der Annastraße 5 hat.
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Von Redakteur Britta Eichner-Ramm

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