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Wasserpreise: Riesige Unterschiede in der Region

Kartellbehörde prüft Wasserpreise: Riesige Unterschiede in der Region

Wasser – Quelle des Lebens, heißt es so schön. Wasser – Quelle explodierender Kosten, könnte es aber ebenso gut lauten. Denn ein Vergleich der Preise für Trinkwasser in der Region zeigt: Es gibt riesige, bisweilen kaum nachvollziehbare Unterschiede. Das hat jetzt sogar die niedersächsische Landeskartellbehörde auf den Plan gerufen.

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Die Wasserversorgung ist eines der letzten Monopole in Deutschland. Anders als etwa bei Energie oder Telekommunikation haben die Wasserkunden keine Wahl zwischen verschiedenen Anbietern. Sie müssen also den Preis ihres Versorgers zahlen – ob sie wollen oder nicht. Das dürfte in Südniedersachsen derzeit besonders die Staufenberger und Dransfelder ärgern. Denn dort zahlt etwa ein Vierpersonenhaushalt mit einem jährlichen Wasserverbrauch von 150 Kubikmetern mehr als doppelt so viel (rund 500 Euro) wie in Friedland oder Rosdorf. Wie kann das sein?

Der für Staufenberg und Dransfeld zuständige Wasserverband Peine hat einen ganzen Strauß an Erklärungen. In beiden Gemeinden hätten zwischen 2003 (da übernahm der Wasserverband die Versorgung) und 2009 hohe Investitionen getätigt werden müssen, sagte Sprecherin Sandra Ramdohr. So seien in diesem Zeitraum in der Samtgemeinde Dransfeld 4,6 Millionen Euro in die Trinkwasser-Infrastruktur gepumpt worden, in Staufenberg 3,3 Millionen Euro. Zudem sei der Wasserverbrauch in beiden Gemeinden signifikant zurückgegangen. Die Folge: Der in der Trinkwasserversorgung relativ hohe Anteil der Fixkosten für Leitungen und Brunnen habe auf immer weniger Kubikmeter Wasser umgelegt werden müssen, so Ramdohr.

Unterstützung bekommt der Wasserverband von Dransfelds Bürgermeister Thomas Galla (CDU). Die Investitionen seien „dringend erforderlich“ gewesen, sagt er. Noch Anfang der 2000er Jahre sei es in Dransfeld in heißen Sommern zu Versorgungsengpässen gekommen, hohe Wasserverlustraten von bis zu 40 Prozent habe es gegeben. Dies gehöre dank der Investitionen nun der Vergangenheit an. Galla weiter: „Diese verlässliche Versorgung rund um die Uhr ist ihren Preis wert.“

Nun verhält es sich natürlich nicht so, dass in anderen Gemeinden das Wasser nur sporadisch aus dem Hahn tropft. Egal ob Friedland, Gleichen oder Göttingen – überall sprudelt das Wasser ganztägig. Und auch hier wird natürlich in die Infrastruktur investiert. In Rosdorf zum Beispiel installiert der Wasserverband Leine-Süd (der auch für Friedland zuständig ist) in diesem Jahr für 1,4 Millionen Euro eine Nanofiltrationsanlage, um das harte Wasser zu entkalken. „Wir haben in den letzten Jahren viel investiert, aber mit Augenmaß“, sagt Verbandsvorsteher Andreas Friedrichs. Der Schritt, im Jahr 2005 die Wasserversorgung für Friedland und Rosdorf zusammenzulegen, sei wichtig gewesen. Das Versorgungsgebiet könne man aber nicht unendlich ausweiten. „So viel Größe wie nötig, so viel Nähe zum Bürger wie möglich“, laute die Devise. Den dürfe man niemals aus dem Blick verlieren.

Und noch etwas sei wichtig, so Friedrichs: Obgleich man sich natürlich freue, in Südniedersachsen unschlagbar günstig zu sein, müsse man beim Vergleich des Wasserpreises vorsichtig sein. Zu viele Faktoren – von Umlagemenge bis Topographie des Gebietes – würden eine Rolle spielen. „Ein niedriger Wasserpreis ist nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass alles super ist.“ Verbände müssten regelmäßig investieren. Sonst komme es irgendwann zu einem Sanierungsstau – und dann werde es richtig teuer.

Auch die Göttinger Stadtwerke stecken Geld in ihr Leitungsnetz – jährlich drei Millionen Euro, sagt Sprecher Klaus Plaisir. Und noch etwas tun sie: Sie machen Gewinn. Im Gegensatz zu öffentlich-rechtlichen Versorgern wie den Wasserverbänden Peine und Leine-Süd, die keine Gewinne erwirtschaften dürfen, ist das den Stadtwerken als Aktiengesellschaft erlaubt. Und so haben die Stadtwerke laut Plaisir im vergangenen Jahr rund drei Millionen Euro an den größten Anteilseigner ausgezahlt – die Stadt Göttingen. Auch die Eon verdient kräftig mit. Welchen Anteil daran die Einnahmen aus dem Geschäft mit dem Wasser haben, das möchte Plaisir indes lieber nicht sagen.
Egal, die Landeskartellbehörde hat sich ohnehin auf den Wasserverband Peine und die Versorgungsbetriebe Hann. Münden eingeschossen und will nun etwaigen Missbrauch prüfen. In Peine sieht man dem gelassen entgegen. Die für den Preis entscheidenden Faktoren seien schließlich „nicht dem Versorger zuzurechnen“, ließ Geschäftsführer Olaf Schröder verlautbaren.

Übrigens legt das Kartellamt seiner Überprüfung Zahlen von Ende 2009 zugrunde – seitdem sind die Preise in vielen Kommunen noch einmal gestiegen. In Staufenberg kletterte der Durchschnittspreis für einen Kubikmeter Wasser gar von 2,25 auf 3,36 Euro.

  Kartellbehörde
  Aufgabenschwerpunkt der Landeskartellbehörde Niedersachsen ist neben dem Energiekartellrecht „die Durchsetzung wettbewerbsähnlicher Strukturen in der von natürlichen Monopolen geprägten Wasserwirtschaft“. Die Untersuchung der Behörde bezieht alle Wasserversorgungsunternehmen ein, die privatrechtliche Entgelte erheben. Die Gebühren erhebenden Wasserversorger unterliegen hingegen der Kommunalaufsicht. Für den Wasserpreisvergleich 2010 wurden von 260 Versorgern die Preise (Stichtag 31.12.2009) abgefragt. Die zehn teuersten werden nun überprüft. Weitere Informationen und Ergebnisse für ganz Niedersachsen im Internet unter www.mw.niedersachsen.de.
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Sind die Wasserpreise in Staufenberg und Dransfeld zu hoch? Klar, werden viele betroffene Bürger sagen – vor allem wenn sie sehen, wie wenig die Menschen in benachbarten Gemeinden zahlen müssen.

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