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Weißes Mahnmal: Geisterrad in Göttingen aufgestellt

Tödliche Unfälle Weißes Mahnmal: Geisterrad in Göttingen aufgestellt

Er hätte noch 60 Jahre leben können, jetzt liegt ihr Enkel im Friedwald. Maria Klein hängt einen Ballon mit roten Rosen an den Lenker des Mahnrads. „I love you“ steht darauf geschrieben. Das Datum am Rad, 22. Juli 2012, nennt das Todesdatum, an dem Kleins Enkel bei einem Unfall ums Leben kam.

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Trauer um den Enkel: Maria und Horst Klein.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Oma des Unfallopfers ist jeden Tag an der Unfallstelle. So viel hätten sie mit den Kindern erlebt. „Ich bin jeden Tag hier“, sagt sie.

Ein Geisterrad, das an dieses Schicksal erinnert, hat die Göttinger Polizei mit Vertretern der Stadt am Mittwoch am Groner Tor aufgestellt. Gemeinsam wollen sie mit dem Mahnmal mehr Sicherheit im Verkehr erreichen.

So informierte auch eine Stellwand über die fünf Unfallschwerpunkte für Radler: der Kreisel Godehardstraße / Königsallee, Berliner Straße Höhe  Maschmühlenweg, die Kreuzung Robert-Koch-Straße / Kreuzbergring, das Geismar Tor und das Groner Tor.

„Beim Fahrradfahren hat man keine Knautschzone“

Um die Mahnung mit dem Geisterrad zu unterstreichen, startet nach der Aufstellung um „fünf vor zwölf“ eine repressive Fahrradkontrolle.

Oberkommissarin Jacqueline Emmermann hält ein Paar an: Sie radeln entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf dem Radweg. Das kostet 20 Euro pro Nase. Den Umweg über die Ampel zum Bahnhof wollten Ruth Funckh und Gerhard Diehl aus Rosdorf sich sparen.

Trotz des Fehlers hat Emmermann Lob für die beiden. Freiwillig fahren sie mit Helm, die Räder sind vorschriftsmäßig ausgestattet. Mit dem Zusammenspiel von Prävention und Repression wollen Polizei und Stadt Unfälle verhindern. „Beim Fahrradfahren hat man keine Knautschzone“, betont Emmermann.

Funckh und Diehl sind nicht die einzigen die gegenläufig radeln. Während die meisten sich einsichtig zeigen und sich nach Klärung ihres Verstoßes auch für das weiße Mahnrad interessieren, ist eine Radlerin empört, dass sie bezahlen muss.

„Wenn junge Leute gehen, geht die Zukunft“

Um die Umwelt zu schonen, verzichte sie für einen Weg aufs Auto, nun werde sie dafür sogar bestraft. Besser wäre es, die Autofahrer zu verwarnen, die die Radfahrer fast plattfahren würden. Insgesamt waren 63 Radfahrer in gegenläufiger Fahrtrichtung unterwegs, einer hat eine rote Ampel missachtet. Das ist das Ergebnis nach zweieinhalb Stunden Kontrolle.

Maria Klein lässt der Tod ihres Enkels keine Ruhe. Mit ihrem Mann ist sie zur Aufstellung des Geisterrads gekommen. „Wenn alte Leute gehen, geht die Vergangenheit“, sagt die 74-jährige Frau. „Wenn junge Leute gehen, geht die Zukunft.“

Deshalb findet sie es gut, dass nun das Mahnrad an den Unfall ihres Enkels erinnert. Acht weitere Geisterräder sollen an Unfallorten in Göttingen aufgestellt werden – überall dort, wo Radler sterben mussten.

Von Ute Lawrenz

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