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Mit kleinen Geschenken ins Gespräch kommen

Landtagswahl Mit kleinen Geschenken ins Gespräch kommen

Brötchen und Honig, Kochlöffel und Taschentücher, Post-it und Fahrradklingel: Mit diesen Wahl-Giveaways gehen die Kandidaten für die Landtagswahl auf Stimmenfang.

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Der Göttinger Marketing-Mann Kai Ranke schlägt als ideales Wahl-Giveaway den „Südwester. Sturmfest. Wasserdicht. Und erdverwachsen“ und dazu den Slogan „Wir Niedersachsen wissen wie man mit Sturm umgeht“ vor.

Quelle: Foto: R

Region. Sie sind in erster Linie eine Möglichkeit, potenzielle Wähler an den Stand zu ziehen – Werbegeschenke. Die meisten Kandidaten zur Landtagswahl nutzen Kugelschreiber und Co. im Wahlkampf, um auf diesem Weg auch ihre politische Botschaft herüberzubringen. Das Tageblatt hat sich umgehört, welche Giveaways es gibt, und wie die Kandidaten selbst deren Wirkung einschätzen. Außerdem sagen Marketing-Experten aus der Region, wie das ideale Wahl-Giveaway aussehen müsste.

„Mit Sicherheit können wir damit weder Wähler verlieren, noch durch ein Werbeschenk für uns gewinnen“, sagt Karsten Beuermann, der im Wahlkreis 16 (Göttingen/Hann. Münden) für die Freien Wähler antritt. „Wir verzichten bewusst auf Werbegeschenke und beschränken uns auf gute Gespräche“, lässt Beuermann mitteilen, weil wir denken, dass wir alle im Übefluss leben und einen weiteren Flaschenöffner oder Kugelschreiber nicht brauchen.“

Wahl-Werbegeschenke im Überfluss

Ebenfalls „durchaus kritisch“ betrachten die Grünen-Kandidaten Maximilian Koch (Wahlkreis 18 Northeim) und Stefan Wenzel (Wahlkreis 17 Göttingen) Giveaways im Wahlkampf. Sie würden oftmals „im Überfluss verwendet“, so Koch, und würden „somit zu einer Verschwendung der Ressourcen“ führen. Ähnlich argumentiert auch Wenzel, der auf personalisierte Wahl-Werbegeschenke verzichtet. Sein Wahlkampfbüro teilt mit: „Bei allen Giveaways achten die Grünen darauf, dass diese ökologisch produziert werden gemäß dem Motto: Klasse statt Masse.“

Diese Ente nutzen die Kandidaten der Grünen aus de Region im Landtagswahlkampf

Diese Ente nutzen die Kandidaten der Grünen aus de Region im Landtagswahlkampf.

Quelle: R / BE

Lukas Seidel, CDU-Kandidat im Wahlkreis 18 Northeim, beschränkt sich in seinem Wahlkampf „auf eine kleine Auswahl“ an Werbegeschenken, weil er „möglichst keine umweltunfreundlichen Giveaways verteilen möchte“, sagt er. Außerdem sei er überzeugt, dass ein gut gerwähltes Giveaway im Gedächtnis des Wählers haften bleibt und ihm eher Freude bereitet, als eine Übermasse.“ Seidel hat bisher beobachtet, dass seine Äpfel mit kleinem Sticker „sehr gerne und durch alle politischen Lager hinweg ankommen“.

„Nicht weinen, wählen“, fordert Gabriele Andretta

„Nicht weinen, wählen“, fordert Gabriele Andretta.

Quelle: R / BE

„Anlocker“ und „Steigbügelhalter“

Als „Anlocker“ am Stand bezeichnet Heinz Doil, der für die Partei Liberal-Konservative Reformer (LKR) im Wahlkreis 16 (Göttingen/Hann. Münden) antritt, Giveaways. Die Werbegeschenke könnten „das Eis brechen“ und seien wichtig, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, so die Erfahrung des SPD-Kandidaten im Wahlkreis 12 Osterode, Karl Heinz Hausmann. Giveaways seien „Steigbügelhalter“, um auch Flyer und ähnliches an den Mann und die Frau zu bringen, sagt Ludwig Theuvsen, CDU-Kandidat im Wahlkreis 17 Göttingen.

Schokoladen-Täfelchen mit Banderole von Ludwig Theuvsen

Schokoladen-Täfelchen mit Banderole von Ludwig Theuvsen.

Quelle: R / BE

Von den Kandidaten, die auf die entsprechende Tageblatt-Anfrage geantwortet haben, sind die meisten der Meinung, dass Giveaways wichtig sind, um Aufmerksamkeit für Kandidat und Programm zu erzeugen und „eine nette Geste sind“, wie Doris Glahn, SPD-Kandidatin im Wahlkreis 15 (Duderstadt) es formuliert. „Aber sie ersetzen weder inhaltliche Gespräche noch den persönlichen Kontakt mit dem jeweiligen Bewerber“, betont Marion Villmar-Doebeling, die für die FDP im Wahlkreis 18 (Northeim) ins Rennen geht.

Kochlöffel mit Slogan „Kochen mit Liebe – wählen mit Verstand“ als Werbegeschenk der FDP

Kochlöffel mit Slogan „Kochen mit Liebe – wählen mit Verstand“ als Werbegeschenk der FDP.

Quelle: R / BE

Kleinigkeiten abstauben und freuen

Die Menschen würden sich nicht nur freuen, einen Flyer in die Hand gedrückt zu bekommen, lässt Gerd Hujahn, SPD-Kandidat im Wahlkreis 16 (Göttingen/Hann. Münden) mitteilen, „sondern auch eine Kleinigkeit abstauben zu können“. Und aus Sicht des Linken-Kandidaten im Wahlkreis 16 (Göttingen/Hann. Münden), Joachim Bons, führen Giveaways meist zu einem „Gesprächseinstieg oder zumindest zur Bereitschaft , ein Parteiprogramm oder einen Flyer der Direktkandidaten mitzunehmen“. Die Bedeutung für die Wahlentscheidung schätzt Bons „eher gegen Null“ ein, teilt er stellvertretend für die Kandidaten der Linken in den Wahlkreisen 12 (Osterode), Edgar Schu, 15 (Duderstadt), Stine Rummel-Strebelow, und 17 (Göttingen), Eckhard Fascher, mit.

Luftballon, Tragetasche, Brillenputztuch und mehr als Giveaways der Partei Die Linke

Luftballon, Tragetasche, Brillenputztuch und mehr als Giveaways der Partei Die Linke.

Quelle: R / BE

Fascher ergänzt, dass sich gerade diejenigen, die sich „als Anhänger unserer Partei bekennen“, über die kleinen Geschenke freuten. Die Giveaways hätten „manchmal auch eine ähnliche Funktion wie Fanartikel“, sagt er.

Persönliche Geschenke im Wahlkampf

Dass persönliche Giveaways gut ankommen, hat Frauke Heiligenstadt, Kandidatin der SPD im Wahlkreis 18 (Northeim) festgestellt. Sie verteile schon seit ihrem ersten Landtagswahlkampf 2013 Lebkuchenherzen, sagt sei. „Es ist sogar so, dass ich häufig schon vor einer Wahl gefragt werde, ob und wann ich denn wieder Lebkuchenherzen verteilen würde“, so Heiligenstadt.

Frauke Heiligenstadt wirbt mit Lebkuchenherz

Frauke Heiligenstadt wirbt mit Lebkuchenherz.

Quelle: R / BE

Abgesehen von Standard-Giveaways wie Kugelschreibern oder Luftballons, nutzen viele der Kandidaten personalisierte Werbeartikel. Die „Körner-Brötchen“ zum Beispiel, die CDU-Kandidat Andreas Körner im Wahlkreis 12 (Osterode) verteilt, stießen „bisher auf eine durchweg positive Resonanz“, lässt er mitteilen. Als Belag fürs Körner-Brötchen böten sich die kleinen Marmeladen-Gläschen an, wie sie von verschiedenen Kandidaten im Wahlkampf genutzt werden. Oder Honig, mit dem die Grünen-Kandidatin Petra Jaeckel im Wahlkreis 16 (Göttingen/Hann. Münden) um Stimmen wirbt.

„Körner

„Körner. Brötchen.“ verteilt Andreas Körner im Wahlkampf.

Quelle: R / BE

Giveaway „mit Biss“ und Geschmack

Von den„Äpfeln mit Biss“ habe er bereits 3000 Stück eingesetzt, sagt der CDU-Kandidat im Wahlkreis 16 (Göttingen/Hann. Münden), Harm Adam. Dieses Giveaway schmecke nicht nur lecker, sondern erinnere den Bürger positiv an die Übergabe beziehungsweise gegebenenfalls sogar an Gesprächsinhalte“, meint Adam.

„Für mehr Biss in der Politik“ wirbt Harm Adam

„Für mehr Biss in der Politik“ wirbt Harm Adam.

Quelle: R / BE

Eine personalisierte Kandidatentasse verschenkt Felicitas Oldenburg, Kandidatin der FDP im Wahlkreis 17 Göttingen, Marion Villmar-Doebeling, FPD-Kandidatin im Wahlkreis 18 (Northeim) nutzt unter anderem Bananen und einen Kochlöffel mit dem Aufdruck Koche mit Liebe – wähle mit Verstand“ für ihren Wahlkampf. Und während Christian Prachar, Kandidat der Partei Die Partei im Wahlkreis 17 (Göttingen) mit Visitenkarten und dem Leitspruch „Ledig. Praktis. Gut“ in Anlehnung an den Werbespruch eines namhaften Schokoladenherstellers für sich wirbt, verteilt CDU-Mann Ludwig Theuvsen im selben Wahlkreis personalisierte Mini-Schokoladentafeln eben jener Marke.

Sticker der Satirepartei „Die Partei“ mit dem „Schweinhorn“, das das Niedersachsenross ersetzen soll

Sticker der Satirepartei „Die Partei“ mit dem „Schweinhorn“, das das Niedersachsenross ersetzen soll.

Quelle: R / BE

Das sagen die Marketing-Experten

Wie müsste das ideale Wahl-Giveaway aussehen und warum. Das hat das Tageblatt verschiedene Werbeagenturen in der Region gefragt. Kai Ranke, Geschäftsführer von Phase.Zwei Kommunikationsdesign in Göttingen schlägt den „Südwester“ vor – „Sturmfest. Wasserdicht. Und erdverwachsen.“ Man sollte sich in sütmischen Zeiten auf seine Werte besinnen und so manche Windböe umschiffen, sagt Ranke und gibt seinem Ideal-Giveaway folgenden Slogan mit auf den Weg: „Wir Niedersachsen wissen, wie man mit Sturm umgeht.“

Tanja Armbrecht, Geschäftsführerin der Werbeagentur Publicity in Osterode betont, dass Giveaways grundsätzlich einen nachhaltigen Nutzen haben und sich aus der Masse hervorheven sollten. Während ein Kugelschreiber vielfach unbeachtet in der heimischen Schulade lande, werde ein Blöckchen mit Post-it-Klebezetteln am Schreibtisch immer wieder genutzt. Post-it brächten den Werbenden wiederholt in Erinnerung und seien damit ein kostengünstiges und effektives Werbemittel.

„Nicht irgendwelchen Krempel verteilen“

„Man sollte etwas damit anfangen können“, betont Rudolf Schmitt, Geschäftsführer der Basta-Werbeagentur in Göttingen. Er schlägt eine nette Postkarte mit einem witzigen Spruch vor, die man verschicken könnte. Ein Zweitnutzen sollten die Giveaways haben, sagt er. Die Parteien und Kandidaten sollten seiner Auffassung nach „nicht irgendwelchen Krempel“ verteilen. „Das beste Geschenk wäre ein Umsetzen der Wahlversprechen“, ergänzt er.

Auch Sascha Hilke, Inhaber der Werbeagentur SH Design in Nörten-Hardenberg, ist der Meinung, , „dass man keine Dinge einsetzen sollte, die niemand gebrauchen kann, wie „die klassischen Wegwerfartikel“. Perfekt wäre seiner Meinung nach, etwas „nie Dagewesenes“ einzusetzen. Gleichwohl sagt Hilke aber auch: „Es ist ziemlich schwierig, da die Budgets oft zu klein sind, um besondere Giveaways mit dem Wow-Effekt zu nutzen“. Daher müsse sich ein Giveaway durch einen Alltagsnutzen auszeichnen. „Lieber einen Verbrauchsgegenstand als einen Staubfänger,“ so Hilke.

Inhalte zählen, nicht die Geschenke

Ihre politische Botschaft verbreiten wollen alle Kandidaten, die eine Rückmeldung auf die Tageblatt-Anfrage gegeben haben. Das gilt für die großen Parteien ebenso wie für die Satirepartei Die Partei. Giveaways helfen dabei, ersetzen aber weder inhaltliche Gespräche noch den persönlichen Kontakt, glaubt Marion Villmar-Doebeling. Und Dietmar Ehbrecht, Kandidat der Freien Wähler in Wahlkreis 15 (Duderstadt) bringt es auf den Punkt: „Letztendlich sollten aber politische Inhalte zählen, nicht die Wahlgeschenke.“

Von Britta Eichner-Ramm

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