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Wider die Verwesung: Körper für die Ewigkeit

Mumien-Ausstellung Wider die Verwesung: Körper für die Ewigkeit

Zu jedem Menschen gehört der Tod. Was danach bleibt, ist nur selten der Körper. Dennoch trotzen seit Jahrtausenden die sterblichen Überreste mancher Menschen der Verwesung. Mumien: So faszinierend wie das Leben und der Tod selbst. Eine einzigartige Ausstellung in Kassel zeigt jetzt mehr als 50 Mumien.

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Das „Titelmädchen“ der Ausstellung: Mit zwei Babys im Arm in Südamerika bestattet, an einem Platz, der zu einer natürlichen Mumifizierung führt.

Quelle: und Swen Pförtner

Der Freiherr von Holz trägt seine Stulpenstiefel, die ihn in der Zeit des 30-jährigen Krieges wärmten. Ausgestreckt liegt der große Mann in seinem Sarg. Seltsam friedlich wirkt der Freiherr, dessen mumifizierter Leichnam sich seit dem 17. Jahrhundert in der Familiengruft der Vergänglichkeit widersetzte. Gegenüber ruht die ungarische Familie Orlovits, gewandet im feinen Sonntagsstaat, gestorben Anfang des 19. Jahrhunderts. Vater, Mutter und Tochter zählen zu den europäischen Mumien – einige hundert Jahre alt, und beigesetzt in ihren ehrwürdigen Familiengruften. Nur deshalb haben ihre Körper überdauert. Bei den in der abendländischen Kultur üblichen Erdbestattungen verwest ein menschlicher Körper in der Regel nach einigen Jahren.

„Mumien sind Leichen, bei denen nicht nur das Skelett sondern auch Weichteile erhalten geblieben sind“, erklärt Kai Füldner, Chef des Naturkundemuseums Ottoneum. Dort und im Museum für Sepulkralkulur wird ab heute die Ausstellung „Mumien – Körper für die Ewigkeit“ gezeigt.

Afrika, Südamerika, Europa, Ozeanien: Mumien aus verschiedenen Kulturen, manche mehr als 3000, manche nur wenige hundert Jahre alt, sind zu sehen. Die Ausstellung zeigt einige Exponate, die noch nie zuvor präsentiert wurden. Besucher erfahren, welche Arten von Mumien es gibt und ob sie vorsätzlich für die Ewigkeit präpariert wurden, wie beispielsweise ägyptische Mumien. In manchen Klimazonen mumifizieren Leichen ohne jede Behandlung, sie trocknen aus (Wüsten) oder werden durch Frost konserviert, wie der bekannte Ötzi.

Wer die Ausstellung besucht, wird mit dem Tod konfrontiert. Das kann verstörend wirken, wie bei den missgebildeten Embryonen, die Wissenschaftler des Kassler Collegium Carolinum präparierten. Heute ist in den Gebäuden der ehemaligen Lehranstalt das Naturkundemuseum untergebracht. „Das Ottoneum ist deshalb ein authentischer Ort für die Präsentation“, sagt Füldner. Die Ausstellung basiert auf einer Sonderschau aus Mannheim. Viele Mumien, wie zwei Leihgaben der Universität Göttingen, sind sonst nie zu sehen.

Der Traum vom Leben über den Tod hinaus hat nicht nur die alten Kulturen beschäftigt. Auch ein menschlicher Körper, der noch für universitäre Zwecke vom umstrittenen Plastinator Gunter von Hagens präpariert wurde, ist in Kassel zu sehen. Aktualität trifft auf Antike.

Manche Mumien sind schaurig, manche schön, faszinierend sind sie alle. Sie erzählen Geschichten. Nur die Frage nach dem ewigen Leben können auch sie nicht beantworten.

  • Die Ausstellung „Mumien – Körper für die Ewigkeit“ ist vom 17. November bis zum 18. April in zwei Kasseler Museen zu sehen. Das Naturkundemuseum Ottoneum (Steinweg 2) ist etwa 20 Gehminuten vom Museum für Sepulkralkultur (Weinbergstraße 25-17) entfernt. Geöffnet ist dienstags bis sonnabends von 10 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs von 10 bis 20 Uhr.

Von Britta Bielefeld

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