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Widerstand im Hochhaus

Goßlerstraße 77 wird saniert Widerstand im Hochhaus

„Kampflos“ wollen die letzten verbleibenden Mieter „ihr“ Hochhaus in der Goßlerstraße 77 nicht verlassen. Verzweifelt wehren sie sich. Nicht grundsätzlich gegen die Anfang Januar begonnene Modernisierung des 1960 gebauten Hauses.

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„Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen“: Hochhaus in der Goßlerstraße 77.

Quelle: Hinzmann

Sondern gegen die Art und Weise, wie die Sanierung von der Göttinger Hausverwaltung angekündigt wurde. Nämlich gar nicht, wie die Mieter berichten. Einzig ein knappes Schreiben, so schildern sie, sei ihnen Mitte Dezember zugestellt worden. Auf ein paar Zeilen heißt es darin, dass das Haus vom bisherigen Eigentümer verkauft wurde und der neue Eigentümer „ab Februar 2011 umfangreiche Gebäude- und Wohnungssanierungsmaßnahmen durchführen“ wolle. Bereits knapp drei Wochen später, Anfang Januar, rollte der Bautrupp an und fing an, Türen, Möbel und Holzverkleidungen herauszureißen. In den unteren Stockwerken wurde damit begonnen, jeweils zwei der kleinen Zimmer zu einer Wohnung zusammenzufassen.

Die Mieter halten die derzeitigen Bauarbeiten für „mietrechtlich illegal“, weil diese nicht fristgerecht angekündigt worden seien. Rechtsanwalt Cornelius Blessin, Vorstand des Deutschen Mieterbundes Göttingen, bestätigt das. Nach seinen Aussagen müssen Modernisierungen drei Monate im Voraus „in Textform“ den Mietern angekündigt werden. Dabei müsse dargelegt werden, um welche Arbeiten es sich handelt, und ein grober Zeitplan zur Dauer der Arbeiten mitgeteilt werden. Ist dies nicht der Fall, rät er, vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die Modernisierung zu erwirken.

Die Betroffenen berichten weiter, dass ihnen von der Hausverwaltung mündlich mitgeteilt wurde, dass „alle Mieter raus müssen“. „Wir müssen gar nichts“, sagt eine Mieterin. Eine Kündigung sei das keineswegs und pocht auf ihre gesetzliche Kündigungsfrist von neun Monaten. Sie vermutet aber, dass viele ihrer bisherigen Mitmieter aus mangelnder Rechtskenntnis die Aussage der Hausverwaltung ernstgenommen hätten und ausgezogen seien. Von zuletzt 200 Personen sollen jetzt nur noch 20 in dem 14-stöckigen Haus wohnen. Ein vorübergehender, wie von der Verwaltung vorgeschlagener, Umzug in eine Ersatzwohnung im Nebengebäude oder in der Groner Straße 9a kommt für die Verbleibenden nicht in Frage. Auch aus Angst, dadurch ihre bislang unbefristeten Mietverträge und ihren Kündigungsschutz zu verlieren.

Ein weiterer Kritikpunkt: Während der Bauarbeiten seien auch über Nacht Fluchtwege mit sperrigem Baumaterial versperrt gewesen. Inzwischen hat das Bauordnungsamt und die Feuerwehr geprüft. Es sei nichts zu beanstanden gewesen, sagt Stadtsprecher Detlef Johannson. Wohl aber sei die Hausverwaltung darauf hingewiesen worden, die Fluchtweg in der Nacht freizuhalten.

Die Göttinger Hausverwaltung war gestern nicht für eine Stellungnahme zu den geäußerten Vorwürfen und den laufenden Arbeiten zu erreichen.

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