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Wie Enkeltrick-Betrüger einem 90-Jährigen 15 000 Euro abluchsen

Horroranruf Wie Enkeltrick-Betrüger einem 90-Jährigen 15 000 Euro abluchsen

„Papa, ich hatte einen Unfall, die wollen mich einsperren!“ Der Hilferuf klang dramatisch – und undeutlich. Er entpuppte sich später als Horroranruf von Trickbetrügern, die einem 90 Jahre alten Russlanddeutschen 15 000 Euro abluchsten. Zwei dieser Gangster, Männer aus Litauen, sitzen seit Dienstag im Landgericht auf der Anklagebank. Die Beweislage gegen sie ist ausgezeichnet. Denn die Polizei hörte alles mit.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Es sind fast immer Opfer, die lange in Republiken des untergegangenen Sowjetreiches lebten und heute in Deutschland noch immer die Vorstellung haben, man könne sich mit Geld von Strafverfolgung freikaufen. Auch bei den verhandelten Taten ging es immer darum, dass ältere Deutschrussen angerufen wurden. Behauptet wurde, ein Angehöriger – meist der Sohn – habe einen Unfall gehabt, habe dabei ein Kind schwer verletzt und könne sich mit Zahlungen zwischen 20 000 und 25 000 Eur o vor einer Strafanzeige der Familie des Mädchens retten. Oder das Kind müsse schnell operiert werden, wurde behauptet, wozu  viel Geld nötig sei.

Zwei Anklagen liegen gegen die 49 und 29 Jahre alten Litauer vor. Sie sollen als Teil der Bande gewerbsmäßig gehandelt und siebenmal den Trick versucht haben, sechsmal erfolgreich.

Auf russisch

Oft reagierten die Angerufenen wie jener 90-Jährige aus Paderborn: Nach dem undeutlichen Hilferuf des vermeintlichen Sohnes erklärte dessen angeblicher Anwalt auf russisch, der Sohn sei im Gesicht verletzt, könne nicht deutlich sprechen. Viel schlimmer sei, dass ein 16-jähriges Mädchen schwere Kopfverletzungen erlitten habe und operiert werden müsse. Die Familie des Kindes fordere 24 000 Euro , andernfalls gebe es eine Anzeige wegen „schwerer Körperverletzung ohne Absicht gegen eine Minderjährige“.

Der schockierte Senior – seine Frau war schwerst krank und an diesem Tag gerade reanimiert worden – war sofort bereit, alles, was er erspart hatte, für seinen Sohn zu geben. Er bot 15 000 Euro. Das Telefonat wurde in die Länge gezogen, alles sollte „protokolliert“ werden. Und noch während man am Telefon sprach, klingelte es bereits, und der angebliche Bruder des Opfers (der jüngere der Angeklagten) kam und holte das Geld.

Polizei hört mit

So wurde eine 87-Jährige in Göttingen um 12 000 Euro betrogen, eine 75-Jährige in Uslar um 3000 , der 90-Jährige in Paderborn  um 15 000 , ein 77-Jähriger ( 450 Euro ) und zwei betagte Eheleute ( 8000 ) in Olsberg sowie noch einmal eine Rentnerin in Paderborn um 10 000.

Weil die Polizei aber bereits auf die Litauer aufmerksam geworden war, hörte sie deren Handys ab und zeichnete alles auf, bis sie am 22. August 2012 zuschlug und die Angeklagten festnahm. Allerdings: Sie, so die Litauer, seien nur die Geldboten. Die Hintermänner fehlen.

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Gleich dreimal wurde am Freitag um die Mittagszeit versucht, ältere Frauen mit dem sogenannten Enkeltrick um Geld zu bringen. Doch dreimal scheiterte das Vorhaben.

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