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Wie aus „Ronaldinio“ Bioenergie wird

Rosdorfer Biogasanlage Wie aus „Ronaldinio“ Bioenergie wird

Jeden Tag das gleiche Bild, und das seit mehr als einer Woche: Trecker um Trecker, Lastwagen um Lastwagen liefern tonnenweise Mais zur Biogasanlage in Rosdorf. Pausen gibt es nur nachts. Eine harte Zeit für Bauern und Betreiber der Anlage. Doch auch manch Anwohner entlang der Transportrouten leidet. Das alles zeigt ein Tag bei der Maisernte in Imbsen.

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Die Ernte (2): Zehn Pflanzenreihen kann ein Maishäcksler auf einmal verarbeiten. Die schwere Maschine verbraucht am Tag rund…

Quelle: Hinzmann

Der Mais (1): Angebaut wird auf den Feldern, von denen der Mais für die Rosdorfer Anlage stammt, eine spezielle Sorte: „Ronaldinio“. Weil sie zur WM 2006 auf den Markt kam, soll sie – in Anlehnung an den brasilianischen Fußballstar Ronaldinho – so genannt worden sein.

Hampe

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„Ronaldinio“ eignet sich am besten als „Futter für die Anlage“, wie Jan Hampe (46), Geschäftsführer der Biogas Göttingen GmbH, sagt. Die Maisfelder liegen in einem Korridor, der von Geismar über Groß Lengden bis nach Niedergandern und von dort über Elkershausen, Mariengarten und Sieboldshausen bis nach Hetjershausen reicht. Es werde versucht, dass keines der Felder weiter als zehn Kilometer Luftlinie von der Anlage entfernt liege, erklärt Hampe. „Enklaven“ seien Hohengandern, Imbsen und Kerstlingerode. Dieses Jahr werden rund 700 Hektar Mais geerntet – mehr als geplant. Grund: Mais wurde nachgepflanzt, weil im Frühjahr Getreide durch Frost zerstört wurde.

Die Ernte (2): Die Erntezeit im Oktober beträgt in der Regel rund zwei Wochen – je nach Wetterlage. Täglich, auch sonn- und feiertags, wird von 6 bis 22 Uhr gearbeitet, sagt der Chef der Anlage, Dennis Uhlendorf. „Die Erntezeit ist am aufregendsten, aber auch am anstrengendsten“, sagt der 26-Jährige. In Imbsen wird an diesem Tag eine Fläche von rund 35 Hektar geerntet. Dafür sind zwei Maishäcksler im Einsatz, die jeweils eine Spannweite von zehn Pflanzenreihen (7,5 Meter) haben. Sie verbrauchen laut Hampe zusammen rund 2500 Liter Diesel am Tag. Darum steht am Rand des Feldes auch ein Tankwagen. Hampe: „Fünf Prozent der Energie, die wir einfahren, wird benötigt, um Anbau- und Transportkosten zu stemmen.“

Uhlendorf

Uhlendorf

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Der Transport (3): Bis zu 20 Schlepper mit Anhänger sind in der Erntezeit täglich im Einsatz. Sie fahren dabei etwa 200 Touren (jeweils hin und zurück). Jeder Schlepper verbraucht am Tag bis zu 200 Liter Diesel, macht zusammen also 4000 Liter. Die rund 15 Kilometer lange Strecke von Imbsen nach Rosdorf führt über Dransfeld, Varmissen, Klein Wiershausen, Settmarshausen, Tiefenbrunn und Mengershausen. Sie wird in gut 30 Minuten zurückgelegt. Zurück geht es auf gleichem Weg, außer dass die B 3 bereits von Klein Wiershausen aus angesteuert wird.

Einer der Fahrer ist Bauer  Karsten Weitemeyer (47). „Eine elendig weite Strecke“, sagt er. Probleme gebe es aber kaum. „Gegenseitige Rücksichtnahme wäre aber manchmal schon angebracht.“ Autofahrer unterschätzten oft die Größe der Gespanne oder riskierten gefährliche Überholmanöver. „Gestern hat es einmal fast gekracht.“ Dass Anwohner über den Lärm klagen, kann er verstehen. „Das geht aber nicht anders.“ Auch wenn es schwarze Schafe gebe: Alle Fahrer seien angewiesen, langsam durch die Dörfer zu fahren. „Das tut uns auch leid, da durchzufahren. Wir geben uns Mühe, aber hier und da holpert es halt.“ Und was hält er von Biogasanlagen? „Erst haben alle gesagt, wir wollen es, weil es Bio ist. Dann wurde alles verteufelt wegen des Verkehrs. Das wusste man vorher. Wer A sagt, muss auch B sagen.“

Hannelore Kramer wohnt in Settmarshausen. „Die fahren hier seit heute Morgen“, sagt sie. In der Erntezeit gehöre das dazu. „Wir wohnen im Paradies. Wenn es dann mal eine Woche lauter ist, habe ich dafür Verständnis. Die können sich ja nicht in Luft auflösen.“ Hans Nieder aus Mengershausen sieht das anders. „Das ist doch unmöglich. Die fahren viel zu schnell, und ein Großteil ist überladen“, sagt er. „Das muss doch nicht sein. Die sollen woanders lang fahren.“ Von der Biogasanlage sei er nicht so begeistert. „Es wird ja nur noch Mais angebaut.“
Kritik wie diese kennt Hampe, aber sie halte sich in Grenzen, sagt er. Beschwerden habe es bislang nur bei schlechtem Wetter gegeben – und zwar über verschmutzte Straßen. Gestern Mittag wurde die Ernte wegen des Regens gar abgebrochen. „Die Verschmutzung war zu extrem“, sagt Hampe.

Jeden Tag das gleiche Bild, und das seit mehr als einer Woche: Trecker um Trecker, Lastwagen um Lastwagen liefern tonnenweise Mais zur Biogasanlage in Rosdorf. Pausen gibt es nur nachts. Eine harte Zeit für Bauern und Betreiber der Anlage.

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Die Anlieferung (4): Jedes Gespann wird bei der Ankunft an der Biogasanlage im Computer erfasst und gewogen. Bezahlt wird pro Tonne. In einen Anhänger passen rund 15 Tonnen Maissilage. Wert: etwa 500 Euro. Pro Tag werden etwa 3000 Tonnen Biomasse angeliefert. Der Umsatz liegt also pro Tag bei etwa 100 000 Euro.

Die Lagerung (5): Gelagert wird die Silage in drei großen Silos, die jeweils 15 000 Tonnen fassen. Dieses Jahr werden 40 000 Tonnen eingelagert. Schwere Trecker verdichten die Silage und pressen den Sauerstoff heraus. „Das ist wie Sauerkraut stampfen“, erklärt Hampe. Ist das Silo voll, wird es mit Folie abgedeckt, um den Silierprozess in Gang zu halten. Zusätzlich werden Netze zum Schutz vor Krähen gespannt. Nach sechs Wochen ist der Silierprozess abgeschlossen.

Die Gasproduktion (6): Zweimal am Tag wird die Anlage mit Silage und Gülle „gefüttert“, wie Hampe sagt. Gefüttert werden aber eigentlich Bakterien, die – vereinfacht gesagt – Kohlenstoff in Methan umwandeln. „Das ist das ganze Geheimnis einer Biogasanlage“, sagt Hampe. Damit es die Bakterien schön warm haben, gibt es eine „überdimensionierte Fußbodenheizung“, die von Blockheizkraftwerken gespeist wird. Aus einer Tonne Mais entstehen so am Ende 230 Kubikmeter Biogas mit einem Methangehalt von 55 Prozent. Ein Kubikmeter Biogas entspricht laut Hampe dem Energiegehalt von einem halben Liter Heizöl.

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