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Wie aus einer Drei eine Acht wird

Aus dem Amtsgericht Wie aus einer Drei eine Acht wird

Ehemann weg, Auto weg, und jetzt auch noch vor dem Richter. Die 29-Jährige macht einen unglücklichen Eindruck. Der Mann, so glaubt sie, ist inzwischen irgendwo im tiefen Osten erst untergetaucht und dann ermordet worden.

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Quelle: Vetter

Göttingen. Seit sieben Monaten sucht die Polizei in ganz Europa vergeblich nach einer Spur des aus Kasachstan stammenden Deutschen.

Das Auto hat immerhin die Versicherung ersetzt. Aber die Abwicklung des Versicherungsfalles hat sie vor den Richter gebracht. Versuchter Versicherungsbetrug wird ihr vorgeworfen.

Die Göttingerin soll, so wird ihr vorgeworfen, mit einem von ihr gefälschten Dokument versucht haben, mehr Geld von der Gothaer Versicherung zu kassieren, als das Auto einst gekostet hat. Eine Fahnderin der Versicherung ist darauf gekommen, hat beim Autohändler recherchiert und Ungereimtheiten aufgedeckt, die zur Anklage führten.

Jetzt sitzt die Angeklagte vor dem Richter und ist verzweifelt. Denn der Audi A 6 lief zwar auf ihren Namen, was damals aber ausgehandelt und was gezahlt wurde beim Autohändler in Limburg, das weiß nur ihr Mann. Und der ist weg.

Dass die Versicherung misstrauisch wurde, hat die Angeklagte selbst ausgelöst. Erst gab sie den Wert des gestohlenen Wagens mit 26 000 Euro an, dann lieferte sie auf Nachfrage die „verbindliche Bestellung“ nach, auf der 28 500 Euro stand. Zuletzt legte sie doch noch die Rechnung mit der Summe von 23 500 vor.

Die Versicherung war mit dem ersten Dokument, auf dem die Acht von 28 500 merkwürdig wirkte, beim Händler erschienen. Einer der zwei Inhaber hatte erst behauptet, wenn da 28 300 stehe, sei so viel auch gezahlt worden. Die Kopie des Papiers aus der eigenen Buchhaltung wollte der Händler aber nicht rausrücken. Als die Versicherungsfrau gleich danach mit der Polizei anrückte, wurde doch noch offenbar: 23 500 Euro steht auf der Originalrechnung. Und das, so behauptete nun vor Gericht der Kompagnon des Händlers, sei auch gezahlt worden.

Das nährte Zweifel beim Verteidiger, ob man ein so edles Auto wirklich für einen solchen Schnäppchenpreis verschleudert habe. Seien nicht vielmehr 5000 Euro zusätzlich schwarz geflossen? Denn die Angeklagte kenne nur den 28 500-Preis, quittiert wurden 5000 Euro weniger. 
Hin und her wird gefragt, aber die beiden Händler als Zeugen winden sich. Sie seien seriös, Schwarzgeldzahlungen gebe es nicht bei ihnen. Am Ende kommt es auch gar nicht mehr darauf an.

Die Staatsanwaltschaft sieht zwar einen Betrug als erfüllt an und beantragt gegen die mehrfach vorbestrafte 29-Jährige 60 Tagessätze Geldstrafe á 20 Euro. Das Gericht spricht die Frau aber frei. Es folgt damit der Verteidigung. Zwar sei er überzeugt, sagt Richter Oliver Jitschin, dass die Angeklagte das vorgelegte Dokument gefälscht habe, indem sie aus der Drei eine Acht gemacht habe.

Weil die Versicherung darauf aber nicht hereingefallen sei und die Frau die Originalrechnung bereits vorgelegt hatte, ehe sie von polizeilichen Ermittlungen etwas erfahren habe, sei hier ein freiwilliger Rücktritt vom Betrugsversuch erfüllt. Wer sich rechtzeitig besinnt, freiwillig die Wahrheit zu sagen, der wird wegen Betruges nicht bestraft. Freispruch also – und nur 23 500 Euro von der Versicherung.

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