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Wild-Kadaver: Jäger kritisieren Landkreis Göttingen

Tote Unfall-Tiere Wild-Kadaver: Jäger kritisieren Landkreis Göttingen

Protest mit unappetitlichen Folgen: Seit knapp drei Jahren weigern sich Jäger im Landkreis Göttingen, tote Unfall-Tiere zu beseitigen. Damit protestieren sie gegen die Jagdsteuer, die ihrer Meinung nach wenn nicht abgeschafft, dann doch zumindest gesenkt werden müsse.

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Wurde erst nach Tagen entfernt: totes Reh an der Kreisstraße 34 zwischen Olenhusen und Settmarshausen.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Doch der Landkreis bleibt hart. Folge: Er muss die Wild-Kadaver an seinen Straßen selbst beseitigen. Und das sorgt immer wieder für Ärger bei den Jägern.

Denn oftmals werde man nicht darüber informiert, wenn ein Kadaver entsorgt wurde, sagt Dieter Hildebrandt, Vorsitzender der Jägerschaft Göttingen: „Die räumen einfach ab. Wir können dann nicht kontrollieren, was totgefahren wurde.“ Das aber sei unerlässlich, um ein vernünftiges Wildtiermanagement zu betreiben.

Um das Problem zu lösen, habe man sich bereits Ende vergangenen Jahres mit Verantwortlichen des Landkreises getroffen. Die Gespräche aber hätten nicht viel gebracht, sagt Hildebrandt: „Es hat sich überhaupt nichts geändert bis jetzt.“

Landkreissprecher Marcel Riethig bestätigt das Treffen. „Ziel war es, die Meldung vom Wildunfall bis zum Hinweis an die Jagdausübungsberechtigten und die notwendige Entsorgung durch die Straßenbaulastträger zu organisieren.“ Es sollte daher auch möglich sein, die Jäger zu benachrichtigen, wenn Fallwild von Mitarbeitern des Landkreises beseitigt wurde.

Im Jahr 2011 waren das laut Riethig 92 Wildtiere, 2012 waren es 80. Die Kreisstraßenmeisterei bringe das Fallwild ins Tierärztliche Institut Göttingen. Kleintiere würden vor Ort entsprechend der Vorgaben vergraben. Kostenpunkt der Fallwildbeseitigung  2011: rund 12 300 Euro. Das liege weit unter den 140 000 Euro, die der Landkreis jährlich durch die Jagdsteuer einnehme, erklärt Riethig. Daher gebe es auch keine Überlegungen, die Jagdsteuer zu senken. Der Streit wird also so schnell nicht beizulegen sein.

Der Landkreis wusste gar nichts von dem Tierkadaver

Dass es nicht rund läuft bei der Entsorgung von Fallwild, zeigen zwei aktuelle Fälle aus dem Landkreis. So lag kürzlich mindestens vier Tage lang ein totes Reh an der Kreisstraße 34 zwischen Olenhusen und Settmarshausen, bis es endlich entfernt wurde. Dabei hatten Elke und Gerhard Schwanitz aus Settmarshausen die Polizei nach eigenen Angaben bereits frühzeitig informiert.

„Das Tier gehört da in dem Zustand nicht hin. Das ist eine Frage der Hygiene“, sagt Gerhard Schwanitz. Die Polizei habe erklärt, Landkreis und Jagdpächter seien informiert. Nur: Der Landkreis wusste gar nichts von dem Tierkadaver, wie Riethig sagt. Und ob ein Jäger das Tier entfernte, das laut Schwanitz bereits „aufgebläht war wie ein Ballon“, ließ sich nicht ermitteln. Ein zweiter Fall hat sich in der Nähe von Duderstadt abgespielt.

Dort habe sich eine Behörde, allerdings nicht der Landkreis, im Eifer des Gefechts vermutlich im Revier geirrt und das falsche Stück Wild weggeräumt, sagt Hildebrandt. Pikant: Das tote Tier, in diesem Fall eine Sau, habe nicht an einer Straße, sondern auf einem Acker gelegen. Und, so Hildebrandt: „Da haben die Behördenmitarbeiter gar nichts zu suchen.“

Der so um sein Wildbret gebrachte Jäger prüfe nun eine Schadensersatzklage. „Schließlich hatte die Sau einen gewissen Wert.“

Fallwild
Mehr als 1000 große Wildtiere verenden jährlich auf den Straßen im Landkreis Göttingen. Bis 2010 waren es meist die Jäger, die die Kadaver freiwillig beseitigten. Seitdem sie das nicht mehr tun, muss sich der jeweilige Verantwortliche für die Straße (Land, Landkreis oder Gemeinde) darum kümmern – sofern der Jäger das tote Wild nicht für sich beansprucht.
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