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Winterdienst auf Tour: Breiter Pflug, enge Straßen und Salz

"Immer nur Gemecker“ Winterdienst auf Tour: Breiter Pflug, enge Straßen und Salz

Am schlimmsten ist es morgens im Berufsverkehr. Da fahren sie wie die Geisteskranken – eine Katastrophe.“ Dirk Mielenhausen hat den Satz kaum zu Ende gesprochen, da schneidet eine Frau mit ihrem Kleinwagen forsch die Kurve. Auf der Dorfstraße in Elliehausen ist es eng.

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Feuchtsalz bei voller Fahrt: Seit dem Wochenende ist der Göttinger Winterdienst fast im Dauereinsatz.

Quelle: Vetter

Mielenhausen bremst, sein MAN schaukelt gewaltig unter der tonnenschweren Salzlast auf dem Buckel und der überbreite Schieber an der Front schrammt bedrohlich nah am Bordstein entlang. Schwerer schmutzig-brauner Schneematsch fliegt im hohen Bogen auf den Fußweg.
Gerade das will Mielenhausen vermeiden, wenn er im Ort extra langsam fährt.

Mielenhausen

Mielenhausen

„Aber manchmal geht es einfach nicht anders“, sagt der 51-Jährige fast entschuldigend. „Irgendwo muss der Schnee ja hin , auch wenn es eng ist oder links Autos parken.“ Aber den meisten seien solche Probleme ja egal, „es wird immer gemeckert“, stellt Mielenhausen frustriert fest: „Die einen klagen, weil der Schnee immer noch auf ihrer Straße liegt, die anderen, weil wir ihn auf den Fußweg geschoben haben. Alles auf einmal können wir aber nicht schaffen.“

Seit 22 Jahren sorgt Mielenhausen mit seinen Kollegen von den Göttinger Entsorgungsbetrieben dafür, dass im Winter die Straßen und Radwege so schnell wie möglich wieder schnee- und eisfrei sind. Seit dem Wochenende sind sie mit ihren Räumfahrzeugen fast im Dauereinsatz. Immer wieder hat es neu geschneit.

„Und dann schaffen wir nur die Hauptstraßen“, erklärt der 51-Jährige, warum er und seine Kollegen im richtigen Winter oft erst nach Tagen in die Nebenstraßen kommen.  Hauptwege und die Buslinien hätten grundsätzlich Vorrang. Allein am Montag sei er seine 58 Kilometer lange Hauptroute durch Elliehausen, Esebeck, Groß Ellershausen und Knutbühren mit Hin- und Rückweg viermal in einer Schicht gefahren. „Und schon auf der Rückfahrt sah es genau so aus wie vorher.“

Wenn auf der Straße Schnee liegt, drückt Mielenhausen in seinem kuschelig warmen Führerhaus („In den kleinen Fahrzeugen schafft das die Heizung nicht.“) bei voller Fahrt ein paar Knöpfe und der Pflug senkt sich. Überraschend leise schrammt die untere Gummi-Schiene über die Fahrbahn.

Dass der Schieber mit etwa 3,40 Metern Breite deutlich über die Lkw-Flanken hinausragt, ist für den routinierten Fahrer auch in engen Straßen kein Problem: „Man muss schon hoch konzentriert sein , aber das hat man irgendwann auch im Gefühl.“
Im Gefühl hat er inzwischen auch, wie er den Streuteller am Heck einstellt.

Bei „normalem“ Schneefall werden etwa zehn Gramm Streusalz je Quadratmeter auf die Straße gesprüht, „bei solchen extremen Verhältnissen wie am Montag auch schon mal 20 Gramm“. Dann muss Mielenhausen die Tour eventuell früher abbrechen und nachladen. Vier Kubikmeter körniges Streusalz schüttet er vor dem Start mit einem Radlader auf die Ladefläche und pumpt 1500 Liter Salzwasser in einen separaten Tank.

Auf Göttingens Straßen sprüht der Winterdienst seit Jahren ausschließlich verdünntes Feuchtsalz: ein Gemisch aus 30 Prozent Sole und 70 Prozent Salz. „Das fliegt dann bei Wind nicht so leicht weg und die Tauwirkung ist größer“ , erklärt Mielenhausen.

Dann senkt er wieder den Pflug ab, gibt Gas und schiebt den Schnee auf der Landstraße zwischen Groß Ellershausen und Knutbühren mit Schwung und in hohem Bogen in den Straßengraben – seine letzte Runde vor dem Schichtwechsel.

Winterdienst-Daten

Ab 4 Uhr ist der Winterdienst der Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) unterwegs. In zwei Schichten fahren 23 Beschäftigte auf festen Routen durch die Stadt und ihre Ortsteile. Zur Flotte gehören sieben Lkw und Unimogs mit Pflug, Salz- und Soletank sowie zwei kleine Schmalspurfahrzeuge für Radwege.

In Göttingen werden etwa 950 Straßen geräumt oder gestreut – darüber hinaus 65 Kilometer Radweg. Für diesen Winter haben die GEB rund 900 Tonnen Streusalz eingelagert. Im vergangenen Winter wurden 300 Tonnen verbraucht, ein Jahr davor 1600. Die flüssige Sole für das gemischte Streugut kommt aus dem Göttinger Untergrund: aus der Saline Luisenhall. us

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Eine Klage vor dem Verwaltungsgericht hat die Neuregelung erzwungen, Klagen werden auch die neue Straßenreinigungsgebührensatzung der Stadt Göttingen begleiten. Damit rechnet Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD). Denn so umstritten die neue, zum 1. Januar schon in Kraft tretende Neuregelung mit getrennten Sätzen für Sommerreinigung und Winterdienst politisch auch ist, bei etlichen Bürgern wird sie wohl auf Unmut, Protest und juristische Gegenwehr stoßen.

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