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Wissenschaft mit Wein und Wodka

O-Phase Wissenschaft mit Wein und Wodka

Wie schon in den vergangenen Jahren tun sich derzeit die frisch eingetroffenen Erstsemester nicht nur durch ausufernde Fröhlichkeit, sondern auch durch beeindruckenden Alkoholkonsum hervor. Organisiert werden die Trinkrituale, im Uni-Sprachgebrauch Orientierungs- oder O-Phase genannt, durch Fachschaften und Fakultäten, also letztlich durch die Universität.

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„Völlig inakzeptabel“

Zum Karrierebeginn an der Göttinger Uni: Nicht nur mit Bier, sondern auch mit Schnaps wird täglich in der Innenstadt gefeiert.

Quelle: Vetter

Göttingen. Mittwochnachmittag, 17.15 Uhr, Kurze Geismarstraße: Lautstark macht sich eine Gruppe von Erstsemestern („Erstis“) auf Bürgersteig und Straße gegenüber dem Kaufland-Supermarkt breit. Mancher kann sich trotz der vergleichsweise moderaten Tageszeit schon jetzt nicht mehr ganz sicher auf den Beinen halten. Viele trinken Bier, einige trink-erprobtere Studienanfänger kippen Zitronenkorn, Wodka oder irgendeinen braunen Schnaps in sich hinein – stilecht direkt aus der Flasche. Zwei andere Gruppen folgen und benehmen sich genauso.

Der Folgen werden nicht nur die Passanten in der Innenstadt, sondern auch die Mitarbeiter der Notfallaufnahme im Universitätsklinikum ansichtig. Fünf Fälle akuter Alkoholvergiftung habe das Uni-Klinikum allein am Donnerstag betreuen müssen, sagt Klinikumssprecherin Bettina Bulle. Und bis Freitagmittag um 12.45 Uhr gab es sechs weitere Notfall-Einlieferungen angehender, aber wegen zuviel Promille aktionsunfähiger Studenten.

Weil die O-Phasen-Organisatoren praktischerweise eine Stadtführung anbieten, können sich die Göttingen-Neulinge die alkoholische Grundlage dafür gleich aus den Supermärkten in der Innenstadt holen. So zogen am Donnerstagabend Dutzende von Einzelgruppen zu Treffen in die Fußgängerzone, ausgerüstet mit vollen Bierkisten und einer großen Vielfalt von Likören und härteren Spirituosen. Hoffnung auf Besserung scheint nicht in Sicht. „Es wird immer schlimmer“, sagt Klinikumssprecherin Bulle angesichts der zunehmenden Zahl von Fällen akuter Alkoholvergiftung angehender Studenten.

Allerdings ist auch die Universität mit der aktuellen Ausgestaltung der O-Phase nicht mehr hundertprozentig glücklich. „Wir bedauern diese Vorfälle“, erklärt Universitätssprecher Romas Bielke auf Tageblatt-Anfrage. „Das ist ein Problem. Wir werden das zeitnah im Studiendekanekonzil mit den Fakultäten besprechen.“

Bielke betont, dass die Organisation der O-Phasen nicht in der Verantwortung der Uni-Leitung, sondern der Fakultäten und Fachschaften stehe. Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel habe erst in der vergangenen Woche die Fakultäten mit der Bitte angeschrieben, in den O-Phasen „den Alkoholkonsum nicht zu fördern“.

Von Matthias Heinzel und Nina Winter

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