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Wo ist das Geld geblieben?

Junges Theater Wo ist das Geld geblieben?

Ohne Einigung ist am Dienstagnachmittag, 19. Oktober, eine Güteverhandlung zwischen der entlassenen Buchhalterin des insolventen Jungen Theaters (JT) und dem Insolvenzverwalter Burghard Wegener vor dem Arbeitsgericht zu Ende gegangen. Die Buchhalterin wehrt sich unter anderem gegen ihre fristlose Kündigung. Sie steht unter dem Verdacht, JT-Gelder veruntreut zu haben.

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Leere Theaterkasse: Dem Jungen Theater fehlen 300 000 Euro. Wo die geblieben sind, bleibt vorerst im Dunkeln.

Quelle: Heller

Im Juli war bekannt geworden, dass zwischen 2007 und 2009 rund 300 000 Euro aus der JT-Kasse verschwunden sind (Tageblatt berichtete). Die Staatsanwaltschaft Göttingen ermittelt seitdem.

Während sich die Buchhalterin bei der Verhandlung auf Raten ihres Anwaltes nicht zu den Vorgängen im JT geäußert hat, legte Insolvenzverwalter Wegener neue Zahlen vor: Allein für das Jahr 2009 gebe es im JT „ungeklärte Positionen“ in Höhe von 150 000 Euro. „Wir können nicht nachvollziehen, wohin das Geld gegangen ist. Es ist verschwunden, nicht auffindbar“, sagt Wegener. Dazu gehörten auch Barschecks in Höhe von 15 000 Euro, deren Verwendung nicht nachzuvollziehen sei. Rund 5000 Euro seien zusätzlich zu ihrem Lohn auf dem Konto der Buchhalterin gelandet. Zudem habe es wohl auch Vorschusszahlungen an Mitarbeiter gegeben. Die Jahre 2007 und 2008 müssen noch aufgearbeitet werden.

Die Aufarbeitung der Vorgänge im JT würde auch deshalb erschwert, weil es für 2009 keine Buchhaltung gegeben habe. Diese lag allein in der Verantwortung der Beschuldigten. „Die Arbeit ist schlicht eingestellt worden“, sagt Wegener. Man habe nur ungeordnete Belege vorgefunden.

Die Buchhalterin zeigte sich am Dienstag bereit, Wegener bei der Aufarbeitung zu unterstützen. In der Vergangenheit hatte sie vereinbarte Termine aber verstreichen lassen.

Inzwischen sei es „unstrittig“, so Wegener, dass die Buchhalterin die JT-Jahresabschlüsse manipuliert hat, mit dem Hintergrund vorzugaukeln, dass das JT Gewinne erzielt und zahlungsfähig ist. Bei JT-Geschäftsführer und Intendant Andreas Döring und dem Aufsichtsrat mit Frank Peter Arndt, neuer SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Göttingen und Göttingens Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck als Vorsitzende hat das funktioniert. Dass das Theater aber keineswegs liquide war, zeigte sich in diesem Jahr als für Juni und Juli keine Gehälter mehr ausgezahlt werden konnten.

Insolvenzverwalter Wegener kündigte an, dass der kaufmännische Bereich für das JT komplett ausgegliedert wird. Vorausgesetzt der Spielbetrieb geht im kommenden Jahr weiter. Aus diesem Grund ist der Buchhalterin auch betriebsbedingt zum 31. Dezember gekündigt worden. Döring werde seine Arbeit als Intendant am JT fortsetzen, nicht aber die des Geschäftsführere. Wer diese Aufgaben übernimmt, ist noch nicht geklärt.

In Sachen Kündigung sehen sich die beiden Parteien nun vor Gericht wieder. Der Termin ist für den 17. März 2011 angesetzt. Für die Buchhalterin geht es dabei, so machte ihr Anwalt deutlich, auch um Ansprüche gegenüber der Agentur für Arbeit.

Von Michael Brakemeier

Kommentar von Matthias Heinzel

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus: 300 000 Euro verschwinden einfach so, Buchhaltung mindestens ein Jahr lang Fehlanzeige, Belege für Kontoentnahmen fehlen in den Büchern. Und das, obwohl die erste JT-Insolvenz, ebenfalls durch fast unglaubliche finanzielle Fahrlässigkeit, gerade mal sieben Jahre her ist. Unfassbar ist auch die Wurschtigkeit, mit denen die angeblichen Kontrolleure ihr Versagen entschuldigen. Das gilt sowohl für die Aufsichtsrats-Chefs Frank Peter Arndt und Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck als auch für JT-Geschäftsführer Andreas Döring. Für das Steuergeld, das hier leichtfertig versenkt wurde, mussten andere hart arbeiten.

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Prozess

Im Prozess um Schadensersatz gegen den Aufsichtsrat des zahlungsunfähigen Jungen Theaters (JT) hat jene Buchhalterin, die 2010 für die Pleite verantwortlich war, die in dem Gremium vertretenen Politiker und Funktionsträger schwer belastet.

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