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Wochenendkolumne: Licht und Schatten

Nachrichten der Woche Wochenendkolumne: Licht und Schatten

Der Mensch ist ein putziges Tierchen. Kaum zeigt sich die Sonne und beschert uns einen ersten ernstgemeinten Frühlingsversuch, da regt sich bei ihm – wie bei weiten Teilen der hiesigen Fauna – der Drang, die winterliche Trübsal abzuschütteln. Die Medizin führt dazu die Hormone ins Feld.

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Markus Scharf und Andreas Fuhrmann (v.l.)

Quelle: EF

Wird es draußen heller, sinkt die Konzentration des Schlafhormons Melatonin, dafür wird mehr vom Glückshormon Serotonin ausgeschüttet. Die Kröten begeben sich auf Wanderschaft, Vögel beginnen zwitschernd mit dem Nestbau, und der Mensch wäscht sein Auto. Zugegeben, eine etwas gewagte Zusammenstellung von Nachrichten dieser Woche und vielleicht zu sehr vereinfacht.

Schließlich wird der Südniedersachse auch abseits der langen Autoschlangen vor den Waschanlagen positiv vom Sonnenlicht beeinflusst. So helfen die einen den Vögeln beim Nestbau – eine Anleitung dazu war in der Montagsausgabe zu lesen. Andere helfen den Kröten eimerweise über die Straße auf dem Weg zu ihren Laichgewässern, die hoffentlich bis dahin nicht durch den angekündigten Temperatursturz zugefroren sind.

Man stelle sich die langen Krötengesichter vor: Da erreicht man beflügelt von Serotonin und mit etwas Hilfe das Ziel einer beschwerlichen Reise und sieht, dass außer kalten Froschfüßen nichts zu holen ist.

Ähnlich kalt erwischt hat es bereits die ersten Kraniche , die unlängst über die Region hinwegzogen – zumal die mit Froschschenkeln, üblicherweise eine ihrer Leibspeisen, in eisigem Zustand so gar nichts anfangen können. Was soll’s, die Grus grus, so der wissenschaftliche Name der Kraniche, hatten ohnehin andere Sorgen.

Fröhlich trötend im frühlingshaft warmen Frankreich gestartet, schlitterten die Vögel über Göttingen in eine dermaßen eisige Kaltfront , dass sie glaubten, dass Jahr sei schon wieder rum. Jedenfalls wurde eine nicht unbedeutende Zahl der Federtiere dabei beobachtet, wie sie leicht verwirrt und mit angezogenen Beinen kehrt machten und wieder gen Süden steuerten, um sich keine Frostbeulen zu holen. Brrr.

Apropos kalte Füße: Was die rot-grünen Kreispolitiker letztendlich dazu bewogen hat, für das Landkreis-Duett mit Osterode zu stimmen, lässt sich nur mutmaßen. Vielleicht die Freude, an einem historischen Akt – der ersten freiwilligen Fusion Niedersachsens – beteiligt gewesen zu sein? Vielleicht die Sorge um die Region Südniedersachsen?

Vielleicht die Angst vor einer von oben verordneten Fusion? Oder vielleicht war es doch nur die Sonne, und man wollte das Thema einfach endlich vom frühlingshaft aufgeräumten Schreibtisch haben. Egal, die Kröte ist geschluckt.

In der Region scheint das ohnehin kaum jemanden zu interessieren – im Gegensatz zu den Osterödern, deren Serotoninspiegel sich derzeit an den aktuellen Temperaturwerten orientieren dürfte. Die Osteröder werden ja auch ihren  Namen verlieren , wenn es den neuen Landkreis Göttingen irgendwann gibt.

Man muss sich nur mal die Reaktionen hierzulande vorstellen, wenn es umgekehrt gewesen wäre: Göttingen im Landkreis Osterode? Die Sonne hätte sich wohl über Jahrzehnte verdunkelt.

Von Markus Scharf und Andreas Fuhrmann

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