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Wochenendkolumne

Sozialdemokraten suchen Führungspersonal und Holländer Wochenendkolumne

Was ist da bei den Göttinger Sozialdemokraten los? Erst tritt der Chef ihrer Ratsfraktion zurück, dann werfen nacheinander fast alle Mitglieder des Stadtverbands-Vorstandes das Handtuch, und jetzt hat auch noch deren Vorsitzender und damit der Chef aller Göttinger Genossen seinen Rückzug angekündigt.

Dass der Fraktionsvorsitzende Tom Wedrins in die einfache Abgeordnetenrolle zurückgerutscht ist, ist ja noch nachvollziehbar – als neuer Leiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule hat er vorerst andere Sorgen und Aufgaben. Irritiert hat es dann aber schon viele Beobachter und auch Parteimitglieder, dass ganz schnell Frank-Peter Arndt seinen Posten bekam – einstimmig: Hatte der doch kurz zuvor als Vorsitzender des Aufsichtsrates wirtschaftliche Ungereimtheiten und die Pleite des Jungen Theaters verkünden müssen. Keine gute Startvoraussetzung an der Fraktionsspitze. Und auf Rückendeckung direkt von der Basis kann er vorerst auch nicht hoffen. In Göttingen ist es eigentlich von jeher sozialdemokratischer Brauch, dass Vertreter des Stadtverbandes in den Fraktionssitzungen mit diskutieren und sich basisorientiert einmischen. Aber der Stadtverbands-Vorstand ist nun gerade zerbröselt, fast aufgelöst. Nach den Sommerferien nahmen die vier Beisitzer ihren Hut, kurz darauf mit Günter Blümel und Karin Weber-Klatt zwei Mitglieder aus der Spitzenrunde. Und jetzt wollen offenbar auch Schriftführer Stefan Niebuhr, Kassiererin Sylvia Binkenstein und der Vorsitzende Gregor Motzer die Geschäfte nur noch bis zur Neuwahl im Oktober führen, damit der Laden nicht ganz zusammenbricht. Er habe zu wenig Rückhalt für geplante Umstrukturierungen gehabt, erklärt Motzer vieldeutig und nichtssagend. Im Klartext heißt das nach Tageblatt-Informationen: Er wollte zum Beispiel die (400-Euro-)Stelle des Geschäftsführers streichen, um Geld für bevorstehende Wahlkämpfe zu sparen. Das habe er im Sommer im kleinen Kreis ersonnen – und so den Rest des Vorstandes ordentlich vergrätzt, berichten Insider. Das dürfte aber nur die berühmte Spitze des Eisbergs gewesen sein. Tatsächlich hat dieser Vorstand seit seiner Wahl wohl nie richtig zusammengefunden. Motzers Führungsstil passte manchem nicht, im Umfeld wird von Kommunikationsschwächen gesprochen. Dass es schon lange im Vorstand knisterte, führte Anfang des Jahres wohl auch zum lauten Abgang des langjährigen SPD-Kämpfers alter Schule, Horst Reinert. Dass es gerade jetzt so mächtig knirscht in der SPD, kommt zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt: In gut einem Jahr sind Kommunalwahlen, und die Partei will im November ihre Kandidatenlisten aufstellen und in den Wahlkampf starten. Eine gewaltige Aufgabe für einen dann ganz neuen Parteivorstand.

Von den Problemen der Göttinger zu denen der Dransfelder Sozialdemokraten: Dort fehlt es nicht an geeignetem Führungspersonal, dort fehlen auf mittlere Sicht aus vielerorts bekannten demografischen Gründen die Bürger. Und die Genossen im nahen Westen glauben eine Lösung gefunden zu haben: Niederländer. Ja, genau. Die haben nämlich nicht nur Wohnwagen, Grachten und Vize-Weltmeistertitel, sondern außerdem exorbitant hohe Immobilienpreise im eigenen Land. Das macht sie, so die Erfahrung in anderen strukturschwachen Gemeinden, zu beliebten Abnehmern leerstehender „Vakwerkhuise“ (Fachwerkhäuser) im benachbarten Deutschland. Der SPD-Vorschlag, sich an der Hatz auf zahlungsfähige Niederländer zu beteiligen, stößt im Dransfelder Rat auf Zustimmung. Schließlich hat man dank Campingplatz ja schon ausreichend Erfahrung mit den zukünftigen Mitbürgern gesammelt.

Und auch wenn mir als Bayern-Fan gerade kurz in den Sinn kam, dass der eine oder andere Holländer hierzulande durchaus erfolgreiche Führungsarbeit leistet, muss sich die Göttinger SPD wohl etwas anderes einfallen lassen.

Von Ulrich Schubert und Markus Scharf

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