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Zahl der Pflegebedürftigen steigt

50 Prozent mehr Zahl der Pflegebedürftigen steigt

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Stadt und Landkreis Göttingen nimmt bis 2030 um rund 50 Prozent zu. Das hat die Bertelsmann-Stiftung in ihrem aktuellen Pflegereport ermittelt. Auch der niedersächsische Landespflegebericht geht davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in Stadt und Landkreis Göttingen stark zunehmen wird, hat aber einen geringeren Anstieg von rund 33 Prozent errechnet.

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„Sehr belastend“: In Göttingen gibt es immer mehr Pflegebedürftige, gut ausgebildetes Personal wird knapp.

Quelle: dpa

Göttingen. Bis 2030 werden demnach 1760 Menschen mehr auf ambulante Dienste oder Heime angewiesen sein als derzeit (5330). Nach den Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung wären es gar 2665 mehr. Vor allem in den Kommunen drohe ein Fachkräftemangel, warnt die Stiftung. Zumindest in der Stadt Göttingen sieht man sich aber gut gerüstet.

Die Fachkraft-Stellen in den Göttinger Altenheimen seien „derzeit adäquat besetzt“, sagt Göttingens Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck. Sollte sich das in den kommenden Jahren ändern, und davon sei auszugehen, würden die Pflegeeinrichtungen versuchen, die Betreuung der Pflegebedürftigen durch folgende Maßnahmen zu sichern: Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen; hauseigene Fort- und Ausbildung weiterentwickeln.

Das allerdings machen viele Heimleitungen in der Region schon jetzt. Denn, so Jens-Uwe Krüger, Geschäftsführer des Seniorenzentrums Göttingen am Ingeborg-Nahnsen-Platz: „Wir haben Probleme, Fachkräfte zu finden.“ Schwierig sei es vor allem, Mitarbeiter zu ersetzen, die über einen längeren Zeitraum erkrankt seien.

Das komme häufig vor, weil der Beruf „sehr belastend“ sei. Bis zu drei Monate dauere es in der Regel, um eine Stelle zu besetzen. „Das ist bedenklich“, sagt Krüger. Daher sei eine Ausbildungsoffensive von allen Partnern der Gesundheitsregion Göttingen, zu denen auch die Stadt gehöre, gestartet worden. Allein das Seniorenzentrum habe derzeit zehn Auszubildende, erklärt Krüger. „So viele wie noch nie.“

Kein Thema sei der Fachkräftemangel hingegen im Zentrum für ältere Menschen in Grone und im Johannishof in Rosdorf, sagt Heimleiterin Ute Fiuza. Sie habe sogar mehr examinierte Mitarbeiter, als sie haben müsste. Wichtig sei eine gute Mitarbeiterpflege. „Altenpflege ist super schwer, eine Knochenarbeit nicht nur im körperlichen Sinne“, betont Fiuza.

Daher müsse man die Mitarbeiter genauso gut pflegen wie die Bewohner. Für die Pflege von Demenzkranken fehle es aber durchaus an gut ausgebildeten Fachkräften.

Man unternehme viel, um das Problem des Fachkräftemangels in der Pflege zu lösen, sagt Sozialdezernentin Schlapeit-Beck. „Aber dieses Thema kann die Stadt Göttingen nicht alleine lösen.“ Deshalb würden viele Aktivitäten mit Partnern wie der Agentur für Arbeit und der Gesundheitsregion gestaltet.

Unter anderem schaffe die Altenpflegeschule von Arbeit und Leben zusätzliche Ausbildungskapazitäten. Pflegeeinrichtungen böten Praktikumsplätze und Patenschaften mit Schulen an. Und die Gesundheitsregion erarbeite unter ihrer Ägide derzeit ein „Curriculum Pflege“, so Schlapeit-Beck. Außerdem wolle man auch verstärkt Jugendliche mit Migrationshintergrund für Pflegeberufe gewinnen.

Es sei daneben aber auch wichtig, die Pflegekräfte für ihre „anspruchsvolle Tätigkeit“ angemessen zu bezahlen. In der Vergangenheit hätten oftmals „Dumpinglöhne die Pflegesätze bestimmt“.

Im Gegensatz zu Fachkräften gebe es in Göttingen in Zukunft aber keinen Bedarf an zusätzlichen Pflegeheimplätzen, erklärt Schlapeit-Beck. Grund: „Weil das Eintrittsalter in eine stationäre Pflegeeinrichtung weiter steigt und die Aufenthaltsdauer zurückgeht.“ Zumindest die aktuellen Zahlen belegen das: Die 15 stationären Pflegeeinrichtungen in Göttingen sind derzeit zu 87 Prozent belegt (1450), die 25 Heime im Landkreis zu 92 Prozent (1550).

wEine Ausnahme stellt laut Schlapeit-Beck der „besondere Betreuungsbedarf für demenzerkrankte Menschen dar, für die weitere spezielle Wohn- und Betreuungsangebote geschaffen werden müssen“.

Viele Menschen über 65 werden gepflegt

In kaum einer anderen niedersächsischen Region bekommen so viele Menschen im Rentenalter ambulante Pflege wie in Stadt und Landkreis Göttingen. Nach einer jetzt veröffentlichten Erhebung des Landesbetriebes für Statistik waren in Stadt und Landkreis zum Stichtag 31. Dezember 2011 genau 2330 ambulante Pflegebedürftige registriert.

Dies entspricht einer Quote von 47 je 1000 Einwohner ab 65 Jahren. Anteilig mehr ambulant betreute Pflegebedürftige gibt es nur in den Kreisen Emsland (60) und Northeim (55) sowie in der Grafschaft Bentheim (49 Pflegebedürftige je 1000 Menschen im Rentenalter). Von den ambulanten Pflegebedürftigen im Kreis Göttingen waren 1329 in die Pflegestufe eins eingruppiert, 751 in Stufe zwei und 250 in Stufe drei.

Zum Stichtag gab es im Kreis Göttingen 38 Pflegedienste mit zusammen 1115 Mitarbeitern. Auch bei den stationär betreuten Pflegebedürftigen liegt der Landkreis Göttingen mit 61 je 1000 Menschen ab 65 Jahren über dem Landesdurchschnitt (55). mbr

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