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Zehn Kilometer und Geschichten vom Hundefriedhof

Grenzbeghung Zehn Kilometer und Geschichten vom Hundefriedhof

„Keine Beanstandung, kein Streit, alles in bester Ordnung“, verkündet Ortsbürgermeister Martin Wüstefeld zufrieden. Ein Prost, ein kräftiger Schluck, die Musik spielt auf. Dann wird weiter geplaudert, gelacht und gewandert. Nach 25 Jahren Pause sind die Ischenröder am Sonnabend mit Delegationen aus Nachbardörfern ihre Gemarkungsgrenze abgeschritten.

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Live-Musik für 100 Grenzgänger: Blasmusik mit eigenem Trecker, aber ohne Namen in der Ischenröder Feldmark.

Quelle: Heller

Strahlender Sonneschein, trockene Feld- und Waldwege, reichlich Getränke, eine Musikkapelle und ein Trecker-Gespann für Laufschwache. Das sind perfekte Voraussetzungen für eine Grenzwanderung – in Ischenrode gleicht sie trotz fast 100 Teilnehmern eher einem großen Familienausflug. Der kleine Tim Bekurdts lässt sich in seinem Bollerwagen gleich mit vom Trecker ziehen, Ortsbürgermeister Wüstefeld (WG) wird von seiner Frau und beiden Töchtern begleitet. Die Senioren haben zu jedem Grenzstein jede Menge Anekdoten auf Lager. Und Delegationen aus den Nachbardörfern werden an den vereinbarten Treffpunkten johlend begrüßt. 

Grenzbegehungen sind eine alte Tradition, erklärt Kurt Groß, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft. Regelmäßig prüften die Bauern und Vertreter benachbarter Ortschaften früher die festgelegten Grenzen. Zugleich sollten Jungbauern und Hirten den Grenzverlauf kennen lernen, damit sie das Vieh nicht zu weit trieben. Dieser Tradition folgend begehen heute in weit größeren Abständen Politiker, Feldmarkinteressenten und Jagdgenossen die Dorfgrenze – wenn auch eher zum Spaß als zur Kontrolle. 

Dass letzteres gelegentlich gut sein kann, merken die Ischenröder mittags an ihrer Westflanke. Fast verpassen sie die Delegation aus Ludolfshausen, die wartet an einem anderen Grenzpunkt – und hat Recht damit. Man findet sich trotzdem und hat einen weiteren Grund, das Glas zu erheben. Und dann hat Ludolfshausens Ortsvorsteher Dirk Schwabe auch noch Geburtstag.

„Das macht einfach Spaß, ist perfekt organisiert und prägt den Zusammenhalt in unserem Dorf“, schwärmt Mitwanderer Friedrich Rauch, während die Ortsfeuerwehr am Waldrand Mittagssuppe auftischt. „Man kommt ins Gespräch, und das ist schön“, begeistert sich Karl-Heinz Riethmüller von der Rohrberger Abordnung. Erst wenige Minuten zuvor haben die Niedersachsen und Thüringer für nächstes Jahr ein Fest zur Grenzöffnung vor 20 Jahren verabredet. 

Hüttenholz und alte Linde

Zehn Stunden und zehn Kilometer sind die Ischenröder unterwegs. An der „Berglings Linde“ treffen sie die Rohrberger, am Hüttenholz stoßen Abordnungen aus Ludolfshausen und Lichtenhagen dazu. Und tief im Wald am „Göttinger Stein“ warten die Reinhäusern. Die Bremker laufen von Beginn an mit, obwohl das „offizielle“ Grenztreffen erst viel später an „Köhlers Fischteichen“ geplant ist. 

Und überall gibt es Geschichten: von handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Bauern, Blitzeinschlägen, Jagderfolgen oder zur Entstehung des Hundefriedhofs im Hüttenholz. Dort sollen bis zur Wende die Grenzsoldaten ihre alt gewordenen und dann gestorbenen Hunde beerdigt haben.

                                                                                                     Von Ulrich Schubert

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