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Zehn Kinder landen 2012 mit Alkoholvergiftung im Uniklinikum Göttingen

Komasäufer immer jünger Zehn Kinder landen 2012 mit Alkoholvergiftung im Uniklinikum Göttingen

Komasaufen bleibt ein Problem, auch in Göttingen. Die Zahl der Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung im Universitätsklinikum behandelt wurden, ist 2012 im Vergleich zum Vorjahr zwar nur leicht von 69 auf 73 gestiegen. Dafür werden vermehrt Kinder wegen Alkoholexzessen in die Notaufnahme eingeliefert, wie Klinikumssprecher Stefan Weller gegenüber dem Tageblatt mitteilt.

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Kinder und Alkohol: In Göttingen weiterhin ein großes Problem.

Quelle: dpa

Göttingen. Demnach waren im Jahr 2012 zehn Patienten unter 14 Jahren mit einer Alkoholvergiftung in Behandlung, darunter zwei Mädchen. Bemerkenswert: 2011 gab es keine derartigen Vorkommnisse.

In den meisten Fällen handele es sich allerdings „nach Aussage unserer Ärzte“, wie Weller sagt, um einmalige Ereignisse und nicht um „Wiederholungssäufer“. Auch schätzten die Mediziner „die Situation in Göttingen so ein, dass das Komasaufen im Vergleich zu anderen deutschen Städten eher seltener zu stationären Behandlungen führt.“

Dennoch: Die Zahlen verdeutlichten, so Weller, „dass dies ein Problem bleibt, das ist sicher unbestritten. Es handelt sich immerhin um minderjährige Patienten.“

Das betont auch die Göttinger Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Tanja Brunnert. Die Zahlen der jugendlichen Komasäufer stagnierten zwar, dies allerdings auf einem hohen Niveau. Vor allem Mädchen seien gefährdet, weil bei ihnen der Alkohol wegen des geringeren Körpergewichts schneller wirke als bei Jungen. Besonders Alkopops stellten eine Gefahr dar, weil sie süß und im Vergleich zu Bier sehr stark seien.

„Das ist ein riesiges Problem"

Für sie jedenfalls gehöre das Thema Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen zur täglichen Arbeit in ihrer Praxis, sagt Brunnert, die auch Pressesprecherin des niedersächsischen Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte ist. „Das ist ein riesiges Problem. Wir besprechen das mit den Jugendlichen.“ Bereits bei der Jugendvorsorgeuntersuchung werde das Thema Alkohol daher angesprochen.

Viele Eltern machten sich zudem Sorgen und suchten bei ihr Rat. Denn, so Brunnert: „Für Eltern und uns Ärzte ist es schwierig, die Kinder herauszupicken, die ein dauerhaftes Problem mit Alkohol haben.“

Warnhinweise sind laut Brunnert zum Beispiel Stimmungsschwankungen, veränderte Interessen, schlechte Leistungen in der Schule oder ständig wechselnde Freunde. All das sei aber schwierig einzuschätzen, weil sich Teenager in einem Alter befänden, in dem sie sich naturgemäß entwickelten und veränderten. Kritisch sei es in jedem Fall, wenn im Freundeskreis des Kindes viel Alkohol konsumiert werde.

Mehr präventive Arbeit

Um Kindern den richtigen Umgang mit Alkohol beizubringen, sei es vor allem wichtig, das Thema nicht zu bagatellisieren und ein gutes Vorbild zu sein. „Auf keinen Fall sollte man Kinder animieren, Alkohol zu trinken“, betont Brunnert. Sätze wie „jetzt bist du konfirmiert, da darfst du auch mal Alkohol trinken“, seien völlig kontraproduktiv.

Als übertrieben bewertet Brunnert allerdings den Vorschlag einiger Politiker, Eltern, deren Kinder sich ins Koma trinken, mit 100 Euro an den Behandlungskosten zu beteiligen. Besser wäre es, Kinder, die wiederholt durch Alkoholexzesse auffallen, einige Stunden in einer caritativen Einrichtung ableisten zu lassen.

Generell müsse noch mehr im präventiven Bereich geschehen, auch in der Schule. Kontakte zu Betroffenen herzustellen, Alkoholkranke in die Schule einzuladen, damit erreiche man mehr als mit Strafen. „Das sind oft ergreifende, eindrucksvolle Schicksale.“.

kinderaerzte-im-netz.de

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Von Redakteur Andreas Fuhrmann

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