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Zeugen Jehovas aus Kassel missionieren Muslime in Göttingen

Bescheidene Erfolge Zeugen Jehovas aus Kassel missionieren Muslime in Göttingen

„Wir wissen von 435 türkischen Familien in Göttingen“, sagt Thomas Meyer von den Zeugen Jehovas in Kassel. Dort gibt es eine Gruppe von 19 Gläubigen, die Türken der Region die Botschaft von Harmagedon verkündet, der „nahe“ bevorstehenden Endschlacht zwischen den göttlichen und den satanischen Mächten: auf Türkisch! Vorruheständler Arnold Lotzgeselle (59), der Gründer der Gruppe, hat 1976 mit dem Erlernen dieser Sprache begonnen.

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Hier beten Göttinger Muslime: die Moschee in Göttingen.

Quelle: Pförtner

Göttingen/Kassel. Seither klingelt er an Haustüren mit türkisch klingenden Namen. In der einen Hand hält er seine Felddiensttasche mit den Zeitschriften der Wachtturmgesellschaft, in der anderen Hand hat er die Heilige Schrift. Seit 2008 gibt es die Zeugen-Jehovas-Bibel, die sogenannte Neue-Welt-Übersetzung, auch auf Türkisch. Nach dem Klingeln heißt es warten. „Man weiß nie, wer einem öffnet“, sagt Lotzgeselle. Mal macht eine tief verschleierte Frau auf, mal ein verwestlichter Mann.

Landessitten angepasst

„In den 70er-Jahren wurden wir in der Regel auf einen Tee hereingebeten“, erinnert sich der 59-Jährige. Heute hätten sich die Türken den Landessitten angepasst und seien meist beschäftigt. Allerdings errege ein Deutscher im Anzug, der Türkisch beherrsche, immer noch Interesse. Viele Zuwanderer freuten sich zudem riesig, einmal vor einem Deutschen ihren muslimischen Glauben bekennen zu können.

„Unter den Türken gibt es fast keine Atheisten und Agnostiker “, ergänzt Meyer. Die überwältigende Mehrheit glaube an einen Schöpfergott. Das sei „ein schöner Gesprächseinstieg“. Die Zeugen fragten dann zum Beispiel: „Aber leben wir so wie es der Schöpfer von uns erwartet?“ Und schlagen in ihrer Bibel die Antwort nach. Da kommt dann das nächste Problem: Die Muslime haben ihr eigenes heiliges Buc h, den Koran.

Nach Gebetswaschung

„Allerdings lesen sie kaum in ihrer Schrift“, hat Lotzgeselle beobachtet. Der Koran sei vielen so heilig, dass sie ihn erst nach einer Gebetswaschung anfassten. Die Türken rezitierten das Buch zudem auf Arabisch, obwohl sie diese Sprache selten verstünden. Das Wissen über den Inhalt des Korans bezögen die Gläubigen fast ausschließlich aus den Predigten in der Moschee. Nur wenige könnten daher ihre Ausführungen mit Koranversen belegen.

Die Zeugen haben dagegen sofort Koranverse parat, in denen die fünf Bücher Moses, die Psalmen und das Evangelium als offenbarte Bücher bezeichnet werden. Sie zitieren einen Koranvers, wo die Muslime aufgefordert werden, bei offenen Fragen die Juden und Christen um Rat zu fragen. Dann sagen sie: „Und nun schauen wir mal, was uns die Bibel zu diesem Thema sagt.“

Das unverfälschte Wort Gottes

Oft wenden die Muslime ein, dass Christen und Juden die Schriften nicht rein überliefert hätten. Das akzeptieren die Zeugen nicht. Die Bibel ist in ihren Augen das unverfälschte Wort Gottes. „Wenn der allmächtige Gott den Menschen eine Richtschnur gibt, würde er dann Verdrehungen zulassen“, fragt Lotzgeselle. Das sei unlogisch. Große Missionserfolge haben die Zeugen allerdings nicht.

Etwa  1500 türkischsprachige Anhänger haben sie in Deutschland, weitere 2200 gibt es in der Türkei. Oft sind es Angehörige der christlich-orthodoxen Minderheit. „Der Abfall vom Islam wird in der Türkei nicht mit der Todesstrafe geahndet, aber er ist trotzdem ein sehr weitreichender Schritt“, gibt Lotzgeselle zu bedenken. Zudem seien die Familienbande bei Türken sehr eng. Der Vater als Familienoberhaupt habe große Autorität. Aus diesen Strukturen auszubrechen, falle den Menschen schwer.

Von Michael Caspar

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