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„Zwangsläufig in die Katastrophe geführt“

Schuldunfähig „Zwangsläufig in die Katastrophe geführt“

Normalerweise wäre es ein heimtückischer Mord: Hinterrücks traf am 4. Januar den in der Badewanne sitzenden 62 Jahre alten Rosdorfer ein Messer in den Rücken. Er war sofort tot. Zugestochen hatte seine Ehefrau. Gestern ist die inzwischen 63-Jährige in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden.

Sie ist psychisch krank, und sie bleibt unbehandelt für die Allgemeinheit gefährlich. Für die Tat kann sie nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Selten, so der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, Dirk Amthauer, sei ein Fall des Paragrafen 20 des Strafgesetzbuches (Schuldunfähigkeit) so klar gewesen wie in diesem Unterbringungsverfahren. Über zwei Jahrzehnte habe sich in der Ehe ein „von Hoffnungslosigkeit geprägtes Beziehungsgeflecht entwickelt, das zwangsläufig in die Katastrophe geführt“ habe. Der Ehemann, ein angesehener Allgemeinmediziner, habe die Krankheit seiner sozial isoliert lebenden Frau zwar erkannt, wegen ihrer fehlenden Krankheitseinsicht aber nicht helfen können.

Bedeutungslose Kleinigkeiten habe die an einer paranoiden Psychose leidende Frau „in ihr Wahngebäude eingebaut“. Überall habe sie Zeichen herausgelesen, dass Mann und Tochter ein Komplott gegen sie schmieden würden und sie töten wollten. In Spendensammlern, mit denen ihr Mann sprach, habe sie gedungene Mörder gesehen, eine Spende an die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger habe sie als Anzahlung auf ihre eigene Seebestattung betrachtet. Als ihr Mann ein Messer kaufte und dieses mit der Schneide falsch herum in der Schublade lag, habe sie das als Zeichen für den bevorstehenden Mord gedeutet. Am Tattag habe sie schließlich selbst zugestochen, quasi präventiv. Nach der Tat war sie aus dem Fenster des zweiten Stockwerks in den Schnee gesprungen und schwer verletzt worden.

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Im Interview: Dr. Georg Stolpmann

Dr. Georg Stolpmann, Arzt für forensische Psychiatrie und Psychotherapie, war im Fall des Badewannenmordes als Gutachter tätig. Jürgen Gückel sprach mit ihm.

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