Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
„Peter Zadek war mein Theaterpapa“

DT-Schauspielerin Judith Strößenreuter „Peter Zadek war mein Theaterpapa“

Seit 14 Jahre spielt Judith Strößenreuter Theater. Zunächst in Berlin im Deutschen Theater unter Peter Zadek, dann beim Berliner Ensemble und in Basel. Ihre neue Station ist nun das Deutsche Theater in Göttingen.

Nächster Artikel
Lux-Konzert im Apex

Wenn sie an die Arbeit beim Deutschen Theater denken, sind sie ...?

Quelle: Arne Bänsch

Göttingen. Seit 14 Jahre spielt Judith Strößenreuter Theater. Zunächst in Berlin im Deutschen Theater unter Peter Zadek, dann beim Berliner Ensemble und in Basel. Ihre neue Station ist nun das Deutsche Theater in Göttingen. Berlin, das war damals ein „Sehnsuchtsort. Ich komme aus einer Kleinstadt“, erzählt sie, irgendwie wollten von dort alle nach Berlin. Als sie nach Jahren aus Berlin weg wollte, hatte sie nicht nur sehr erfolgreich mit Zadek gearbeitet, sondern auch beim Berliner Ensemble und an der Schaubühne mit Regisseuren wie Robert Wilson, Thomas Ostermeier und Katharina Thalbach. Es zog sie in die Schweiz. Basel ist in den drei Jahren so etwas wie ihre Heimat geworden. Klein und überschaubar, aber mit einem riesigen Kulturangebot. „Das ist eine hohe Lebensqualität.“

a8bcba0c-c53e-11e7-b1f6-dddb838e1856

Judith Strößenreuter ist zur neuen Spielzeit zum Deutschen Theater gekommen. In Berlin spielte sie zuvor unter dem Regisseur Peter Zadek, im Berliner Ensemble und an der Schaubühne.

Zur Bildergalerie

Über Göttingen will sie noch nicht viel sagen. „Das ist für mich noch nicht besetzt.“ Sie sei momentan entweder im Theater oder zu Hause bei ihrem noch nicht ganz ein Jahr alten Sohn. Die Entscheidung für Göttingen und das Deutsche Theater war denn zunächst auch eine „familiäre Entscheidung“. Ihr Mann ist auch Schauspieler und beiden war klar: „Theater und Familie“ passt nur schwer zusammen. „Und das wird von einigen Theatern auch so gelebt.“ Nicht so beim DT, schon zum Vorstellungsgespräch sei man ihr entgegengekommen, sie konnte den Zeitpunkt nach dem Rhythmus mit dem Kind wählen. Auch jetzt spüre sie keinen Druck, obwohl sie ja an manchen Dingen wegen des Babys nicht teilnehmen könne.

Aus der ursprünglich familiären Entscheidung ist nun aber auch eine geworden, die zu ihrem Wünschen das Theaterspielen angehend geworden ist. “Ich bin sehr froh, dass es hier eine Offenheit für Formate mit starker politischer Orientierung gibt“, so Strössenreuter. „Ich bin sehr gespannt auf die nächste Zeit.

In Berlin hat sie der große Theatermann Zadek geprägt. „Peter Zadek war mein Theaterpapa“, sagt sie. Er habe alle Grundlagen gelegt. Einen großen Manipulator nennt sie ihn, er habe einer Generation von Regisseuren angehört, die langsam aussterbe. Die einen Blick dafür haben, wo die Stellschrauben des jeweiligen Schauspielers sind. Zadek habe das häufig auch auf ganz fiese Art gemacht. „Die Frage ist, ob es das braucht.“ Sie habe zwei Stücke unter Zadek gespielt, ohne Angst. „Zadek war auf der Suche nach der absoluten Wahrheit“, so Strößenreuter, „da mussten alle Schutzmechanismen weggeschafft werden.“ Damit taten sich vor allem ältere Schauspieler oft schwer. Ihr Vorteil sei damals ihre Jugend gewesen.

Die Arbeit mit neuen Regisseuren sei eher ein Miteinander, ein gemeinsames Entwickeln. Auch wenn der Regisseur letztlich das Sagen hat. „Alle wissen: es gibt einen, der setzt den Punkt“.

In Göttingen arbeitet sie an der Balance zwischen Familie und Beruf. Ärgert sich über zu wenige Spielplätze, freut sich über das viele Grün und die vielen Möglichkeiten Fahrrad zu fahren. Auch wenn man hier wegen der Berge in der Umgebung schon sehr sportlich unterwegs sein müsse. Und sie freut sich, dass sie jetzt ein neues Rollenfach erobert. Sie habe auf der Bühne lange sehr mädchenhaft gewirkt, nun aber gibt es für die 36jährige neue Aufgaben.

Vor Premieren packe sie immer wieder die Panik. „Jedes Mal denke ich erst, ich mache keine Premierengeschenke, und dann besorge ich doch auf den letzen Drücker für alle etwas.“ Und für alle heißt bei ihr auch für die Inspizienten, die Ankleide, die Souffleusen, die verschiedenen Assistenten. „Wir Schauspieler stehen zwar da vorne“, so Strößenreuter. Aber schließlich hätten ja an so einer Aufführung „alle dran gerockt!“.

Von Christiane Böhm

Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag