Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
12. Internationales Impro-Festival in Göttingen: Duell und Musik-Show zum Abschluss

Unfassbarer Schlagabtausch 12. Internationales Impro-Festival in Göttingen: Duell und Musik-Show zum Abschluss

Beherzte Arien von Kugelstoßerinnen und ein Mann, den das Wort „Prozente“ in Ekstase versetzt: Auch das hat das 12. Internationale Impro-Festival geboten. Die Göttinger „Comedy-Company“ zeigte mit Schauspielkollegen die Herausforderung des Improvisationstheaters, bei dem das Publikum bestimmt, was wie gespielt wird.

Voriger Artikel
Sidata und The Esprits gastieren im Liveclub Nörgelbuff Göttingen
Nächster Artikel
Sidata und The Esprits gastieren im Göttinger Liveclub Nörgelbuff

Dramatisch: Roland Trescher von Isar148 und Henk van der Steen von „Orcas Island Project“ (v. l.).

Quelle: Heller

Göttingen. So folgen auch Kirsten Sprick aus Hamburg und Henk van der Steen aus Amsterdam von der Schauspieltruppe „Orcas Island Project“ am Freitag im Lumière, den Zuschauern. In  „Meet the Heitlers“ verlieben sich die deutsche Bankkauffrau und der holländische Wohnwagenhändler. Sagt sie „Prozente“, schmilzt er dahin und bekundet ihr seine Liebe: „Du bist der Caravan meines Lebens.“

Sprick braucht nicht viele Worte, um sich auszudrücken. Ihr gelingt es mit wenigen Gesten die komischsten Situationen im Beziehungsdrama hervorzurufen. Etwa wenn sie pingelig den Stuhl um einen Zentimeter verschiebt, damit er parallel zur Wand steht. Van der Steen hingegen bringt insbesondere mit einem unverständlichen Kauderwelsch das Publikum zum Lachen. Letztlich wünscht sich das Publikum ein Happy-End für das kuriose Paar. Ein   leidenschaftliches Tanzfinale wird geliefert.

Als selbstbewusster Gastgeber fordert die „Comedy-Company“ am Sonnabend zum Duell im Deutschen Theater. Stefan Graën lässt sich vom Publikum die unterschiedlichsten Emotionen vorgeben, die Katrin Richter und Lars Wätzold in kürzester Zeit abarbeiten. Mit jeder Menge Elan, Mimik und Körpereinsatz wechseln sie im Sekundentakt von Hass zu Sehnsucht oder von Leidenschaft zu Durst. Der starken Vorlage setzen Birgit Linner und Roland Trescher von „Isar148“ mit Sprick und van der Steen von „Orcas Island Project“ als „der Rest der Welt“ sogleich mit verrückten Dialogen etwas entgegen.

„Showtime“ im Lumière: Stefan Graën (links) gibt alles.

„Showtime“ im Lumière: Stefan Graën (links) gibt alles.

Quelle:

In rasendem Tempo folgen die nächsten Einlagen: Die bislang unbekannte Shakespeare-Komödie „Die Rose am Strand“ erweist sich als romantisch-verwirrte Liebesgeschichte. Hier hat Trescher als rezitierender Erzähler seinen großen Moment. Mit Rap-, Kinder-, und Metal-Songs für eine Oster-Mix-CD bringt die Comedy Company den Saal zum Ausrasten, der Rest der Welt zieht mit einem Spionage-Krimi und verrückten Wissenschaftlern sofort nach. Ein unfassbarer Schlagabtausch, bei dem ein Lacher den nächsten jagt.

Die große Musik-Show des Improtheaters zeigen die Comedy Company, Isar148 und Orcas Island Project in der Spätvorstellung im Lumière am Sonnabend. Das Publikum hat die Idee für das sportliche Musical „Shit Happens“ an der George Washington-Highschool mit Doping, Liebe und Eifersucht. Das wurden wunderbare Szenen mit unzähligen synchronen Gruppentänzen und sportlichen Einlagen. Graën als „der Plastikmann“ sorgte mit hängenden Schultern und Rhythmischer Sportgymnastik immer wieder für laute Lacher. Und Richter als korpulente Kugelstoßerin Angela brachte sich mit vollem Körpereinsatz ein. Und jede Szene von Michael Zalejski von seinem Keyboard musikalisch gesteuert bringt die improvisierende Gesangstruppe immer wieder auf den (Schluss-)Punkt. Es war ein Festival der großartigen Überraschungen.

Von Tina Evers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff