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„2030 – Odyssee im Leeraum“ im Jungen Theater Göttingen

„Experten des Alltags“ „2030 – Odyssee im Leeraum“ im Jungen Theater Göttingen

Nico Dietrich ist Intendant des Jungen Theaters (JT). Schon vorher hat er sich einen Namen gemacht als Dokumentartheatermacher. Jetzt hat er sich in Südniedersachsen umgeschaut. Was er vorfand, hat er mit Lutz Keßler, Ex-Chefdramaturg am Deutschen Theater, in „2030 – Odyssee im Leerraum“ auf die Bühne gebracht.

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Der Mann im weißen Kittel (Götz Lautenbach) erklärt die Lage in Südniedersachsen.

Quelle: Heise

Göttingen. Das Publikum steht im Foyer vor dem verschlossenen Theatersaal und wird langsam unruhig. Die Anfangszeit ist längst überschritten.

Endlich kommt ein Mann im weißen Kittel ins Foyer. Er stellt sich auf einen Stuhl und erklärt, worum es gehen soll. Zettel werden verteilt, darauf Noten und Text: das Bergmannslied. „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt. Und er hat sein helles Licht bei der Nacht, und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezünd᾽t, schon angezünd᾽t.“

Das Publikum wird nach draußen ums Haus geführt, es nieselt. Viele singen. Durch den rückwärtigen Eingang geht es wieder hinein, diesmal von hinten auf die Bühne. Der Mann im Kittel ist Gastschauspieler Götz Lautenbach. Er steigt auf eine Leiter, um mit einem Kistenturm anschaulich zu erklären:

Im Jahr 2000 lebten in Südniedersachsen, also in den Landkreisen Göttingen, Northeim und Osterode, 500 000 Menschen. Im Jahr 2030 würden es noch 400 000 sein, sagt der Kittelmann mit der klugen Brille. Dann verrät sein Taschenrechner: Im Jahr 2155 ist die Region menschenleer.

Natürlich ist diese Rechnung nicht seriös. Das sagt auch der Forscher. Sie illustriert aber das Problem, mit dem die Menschen hierzulande umzugehen lernen müssen. Denn: „Wirtschaft und Gesellschaft haben sich auf ein bestimmtes Wachstum eingestellt.“ Bleibt das aus, knirscht Sand im Getriebe.

Es geht um Strukturwandel im ländlichen Raum. Regisseur Dietrich ist mit Keßler durch die Gegend gefahren. Sie haben Dörfer und kleine Städte besucht: Jühnde, Adelebsen, Osterode, Clausthal-Zellerfeld, Seesen und St. Andreasberg. Mit den Bürgermeistern haben sie dort gesprochen, den „Experten des Alltags“. Kulturschaffende haben sie getroffen, Ehrenamtliche, Humangeographen und Raumpioniere. Von „schönen Begegnungen“ spricht Dietrich gerne.

Keßler goss das Ganze dann in einen Bühnentext, den die JT-Schauspielerin Agnes Giese, der Gastschauspieler Götz Lautenbach, Schüler der Schauspielschule Kassel und Mitglieder einiger JT-Theaterclubs fortan auf die Bühne bringen. Dietrich setzte es in Szene. Der Mann im weißen Kittel (Götz Lautenbach) erklärt die Lage in Südniedersachsen. Foto: Heise

Von klassischem Theater ist an diesem Abend nicht viel geblieben. Schauspieler agieren weniger als solche, sie erzählen mehr. Interessant ist die Produktion vor allem für Menschen, die mehr über die Gesamtlage Südniedersachsen erfahren möchten – und für all jene, die dort leben, wo Dietrich und Keßler recherchiert haben.

Einige davon waren auch in der Premierenvorstellung, Bürgermeister beispielsweise. Böse Worte gab es aber wohl keine. Dafür jedoch viel Beifall. Und Dietrich plant, mit der Produktion auf Reisen zu gehen, zu den Menschen, die den Stoff dafür geliefert haben.

Die nächsten Vorstellungen: 20. Januar, 9. Februar und 3. März um 20 Uhr im Jungen Theater, Hospitalstraße 6. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

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