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Alte Bekannte, neue Pläne

25. Göttinger Literaturherbst Alte Bekannte, neue Pläne

Mit Musik und viel Literatur am Jubiläumssonntag ist der 25. Göttinger Literaturherbst zu Ende gegangen. Karen Duve und Bov Bjerg stellten ihre neuen Bücher vor, das Leslie Meier Trio und Aeham Ahmad musizierten - und waren nur ein paar von vielen Programmpunkten.

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Tageblatt-Redakteure Peter Krüger-Lenz (l.) und Angela Brünjes (Mitte) im Gespräch mit dem Leslie Meier Trio.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Die Jubiläumsausgabe hatte es in sich: Im Frühjahr startete das Festival schon mit einem kleinen Vorabfestival und nun folgten zehn Tage zur angestammtem Jahreszeit. Am Sonntag bekamen die Besucher im Deutschen Theater und im Alten Rathaus einen Mix aus Veranstaltungen, an denen sich auch Schauspieler des Deutschen Theaters Beteiligten mit dem Brecht-Programm und einer sechsstündigen Lesevorstellung mit vielen Texten, die in den vergangenen 25 Jahren zu hören waren: von Max Goldt über Monika Maron, Frank Schätzing oder Doris Dörrie. Über ihre schriftstellerische Arbeit sprachen Karen Duve und Bov Bjerg auf dem Blauen Sofa des Tageblatts mit den Redakteuren Peter Krüger-Lenz und Angela Brünjes.

Duve recherchiert gerade für einen Roman, der sich um Annette von Droste-Hülshoff dreht und auch in Göttingen spielt. "Ich recherchiere viel dafür und habe gerade auch alte Göttinger Stadtpläne parat", erzählte sie von ihrer Arbeitsweise. Die Autorin hat im Frühjahr ihren Roman "Macht" herausgebracht. Während dieser einen Blick in die Zukunft und im klimaverwandelten Jahr 2031 spielt, geht es im nächsten um den Blick zurück. Dieser erfordere genaue Recherche, weil die Zeit historisch überprüfbar sei.

Vom Literaturbetrieb, der für Bov Bjerg derzeit gut läuft, erzählte der Autor aus Berlin. "Mein erster Roman ist vergriffen", berichtete er und gab zu, dass der mit einer Auflage von 750 Exemplaren, wovon die restlichen verbrannten, eben nicht gut beim Publikum ankam. Das ist bei "Auerhaus" nicht der Fall: das aktuelle Bjerg-Buch handelt von einer Schüler-Wohngemeinschaft. Und deren Geschichte könnte Bjerg sich gut ausdenken.

Vom Glück, sich und andere in schweren Kriegszeiten mit Musik zu erfreuen, erzählte der Palästinenser Aeham Ahmad. Der 1988 in Damaskus geborene Pianist wurde mit seinem Klavierspiel im Flüchtlingslager Jarmuk bekannt. Inzwischen lebt er in Deutschland. Hier tritt er regelmäßig auf. "Die Musik hat ihre eigene Sprache: Noten versteht jeder Musiker", sagte Ahmad, der mit einem australischen Musiker im Alten Rathaus auftrat, um ihre Crossover-Musik aus orientalischer und klassischer spielen.

Um Gedichte von Peter Rühmkorf dreht sich alles beim Leslie Meier Trio. Der Name, einstiges Pseudonym von Rühmkorf, ist Programm. Ulrich Jokiel (Piano), Peter Missler (Saxofon) und Bernd Rauschenbach (Stimme) wählen sing- und musizierbare Gedichte aus, um sie meist aber nicht nur jazzig erklingen zu lassen. "Die Rühmkorf-Gedichte eignen sich gut dafür, aber es ging mir auch darum, eben seine Gedichte zu vertonen", so Rauschenbach.

15.000 Besucher konnte dieser Literaturherbst verzeichnen, die Frühjahrsveranstaltungen inklusive, berichtete Johannes -Peter Herberhold. Der Geschäftsführer zog noch vor dem Ende, das am Sonntagabend die Lesungen mit Leon de Winter und Benjamin von Stuckrad-Barre im Deutschen Theater bildeten, positive Bilanz. In diesem Jahr, so Herberhold habe viele neue Formate gegeben. Veranstaltungen in der Stadtbibliothek oder im Kauf-Park seien sehr gut besucht gewesen, die auswärtigen Lesungen in Hann. Münden, Duderstadt oder Osterode waren ausverkauft. Und Stefan Lohr, Moderator und Programmberater, verriet, dass fürs nächste Jahr die Vorbereitung bald beginnt und einiges bereits in Planung ist. Karen Duve wird wohl ihren neuen Roman mit dem Blick auf die Romantiker vorstellen.

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