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3. Festival mit Hand und Fuß im Theater der Nacht Northeim

Jagd nach dem Geld 3. Festival mit Hand und Fuß im Theater der Nacht Northeim

Streik im Ausland. Doch eine Stunde vor Beginn der Vorstellung war der ersehnte Koffer endlich da. Mit kleiner Verspätung konnte die Compagnie Pélélé aus dem französischen Toulouse am Donnerstag beim „3. Festival mit Hand und Fuß“ im ausverkauften Theater der Nacht in Northeim den Vorhang zur Seite schieben und ihre Vorstellung „Der Tod des Don Cristobal“ beginnen.

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Spaß mit traurigen, geldgierigen Gestalten: Szene aus „Der Tod des Don Cristobal“ beim Festival mit Hand und Fuß.

Quelle: EF

Northeim. Er ist geizig, hässlich, bösartig und skrupellos. Und wie er seine Geldsäcke küsst und herzt, hegt Don Cristobal ein nahezu libidinöses Verhältnis zu seinem Reichtum. Doch auch andere gieren nach dem Geld. Der Steuereintreiber ist ein hartnäckiger Widersacher. Und das alte Weiblein, das Don Cristobal dient, schreckt auch vor Mord nicht zurück, um an den Mammon zu kommen.

Die Jagd nach dem Geld, die in irrwitzigem Tempo über die Bühne des kleinen Kaspertheaters fegt, ist nichts für schwache Nerven, vielmehr ein kindlich grotesk-derber und von schwarzem Humor getragener Spaß. Maßgeblich vom italienischen Pulcinella-Theater beeinflusst, sind – wie beim Kasperltheater –  Improvisation und Satire die wichtigsten Zutaten dieser traditionellen Theaterform. In einem wahren Strudel wird man als Zuschauer mitgerissen, fühlt Mitleid mit den verprügelten und hintergangenen Figuren. Und so klingt auch manches „mmmh“, „aaahh“ und „ooohh“ aus dem Dunkel der Sesselreihen. Ein Hauch von Anarchie und kindlicher Freude liegt in der Luft.

Begleitet wird die international renommierte Figurenspielerin und Puppentheatergründerin Paz Tatay von Musiker Christophe Sabahe, der mit Akkordeon und zig Utensilien für die Geräuschkulisse sorgt und den Rhythmus des Spiels der Handpuppen unterstützt. Es klingelt, rasselt, scheppert und pfeift nur so. Und als Zuschauer wähnt man sich an Cartoon und Slapstick erinnert, wenn Don Cristobal und seine Gegenspieler sich Verfolgungsjagden liefern, sich balgen, schlagen und auszutricksen versuchen. Man ahnt, wie sehr Paz Tatay im Inneren des Guckkastens wirbelt.

Don Cristobal ist mit allen Wassern gewaschen. Dem Steuereintreiber schraubt er den Kopf ab und treibt dann seinen Schabernack mit dem Kopflosen. Vom alten Weiblein vergiftet, landet er im Jenseits. Aber Gevatter Tod hat kein leichtes Spiel mit dem Geizhals. Erst bezieht er kräftig Hiebe und der Begriff „Totschlag“ bekommt eine wahrhaft wörtliche Bedeutung. Schließlich landet der Knochenmann, von Don Cristobal ausgetrickst, schwer betrunken und weinerlich selbst im Sarg. Fern jeglicher politischer Korrektheit freut man sich glatt ob so viel Chuzpe und Raffinesse. Das Publikum bedankte sich mit Bravo-Rufen und donnerndem Applaus.

Das 3. Festival mit Hand und Fuß bietet am Sonnabend und Sonntag noch fünf Vorstellungen internationaler Ensembles: www.theater-der-nacht.de 

Von Karola Hoffmann

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