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300 Künstler engagieren sich für Kultur

Zehnte „Kunst-Gala“ 300 Künstler engagieren sich für Kultur

Kultur zeigen, um Kulturinstitutionen zu erhalten. Dieses Konzept steht hinter der „Kunst-Gala“. Zum zehnten Mal haben Göttinger Kulturschaffende in der Stadthalle gezeigt, wie vielfältig ihre Angebote sind – mit Musik, Tanz, Theater Akrobatik und Comedy.

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Junge Kulturschaffende in der Göttinger Stadthalle: Sie zeigen Ausschnitte aus dem Weststadt-Musical „Who’s online“.

Quelle: Heller

Das gewisse Etwas, der individuelle Traum, das Gefühl für das Leben Bilder, Sprachen und Töne finden zu müssen – das ist es, was rund 300 Akteure beim zehnjährigen Jubiläum der Göttinger Kunst-Gala am vergangenen Sonntag zum Ausdruck bringen wollten. Der Wert und die Vielfalt der regionalen Kultur sollten im Mittelpunkt der vom Verein „Kultur unterstützt Stadt Göttingen“ („Kunst“) organisierten Veranstaltung stehen. Der Erlös der Gala kommen in diesem Jahr Kooperationsprojekten von Göttinger Schulen und Kultureinrichtungen zu Gute.

Vor Beginn des fast vierstündigen Programms stimmt auf zwei Bühnen im Foyer der Künstler-Nachwuchs mit Tänzern, Schauspielern und Musikern die Gäste durch kleine Darbietungen auf den Abend ein, bis die Latin-Percussion-Gruppe Bacalao das Publikum schließlich mit schwungvollen Rhythmen in den großen Saal lockt. Nach dem Abgang der Trommler wird es wieder still, die Bühne bleibt vorerst leer. Eine Stimme beginnt zu erzählen: Von den Anfängen des Vereins „Kunst“, von der 100 000 D-Mark-Kürzung des Kulturhaushaltes im Jahr 2001, vom Schock der Schaffenden und von der großen Anstrengung, die sie unternahmen, um diesen Rückschlag auszugleichen. Mit Erfolg: Die Kürzung ist mittlerweile Geschichte, der Verein aber besteht noch immer und zeigt, was in ihm steckt.
Der Vorhang öffnet sich für die Tänzer-Formation „Next Level“ der Dance Academy, deren Vertreter deutschlandweit auf Spitzenpositionen im Wettbewerb vertreten sind. Trainer Daniel Decavele hat mit seinen Performern eine extrem energiegeladene Choreografie einstudiert und zeigt eindrucksvoll, wie mitreißend künstlerischer Ausdruck gestaltet sein kann. Ob in ihrem Spezial-Gebiet Hip-Hop-Tanz oder auch in Bollywood-Outfit bei indischem Kathak-Stil, „Next Level“ starten das Programm erwartungsgemäß schwungvoll und gut gelaunt.

Ronny Thalmeyer und Paul Enke vom Deutschen Theater (DT) übernehmen übergangslos mit ihrer Zwei-Mann-Show und dem „Einlauf der Alligatoren“ die Bühne. Was der Titel des Programms, das ab Frühjahr im DT-Keller zu sehen sein wird und aus dem sie Ausschnitte präsentieren, bereits vermuten lässt: Bei den beiden läuft einiges schief. Vor allem die Kommunikation. Als DDR-Komiker-Duo Herricht und Preil unterhalten sich die beiden Herren über die Arbeit auf der Parzelle, Ha(r)ken und Stiefmütterchen und haben dabei nicht weniger Schwung auf der Kette als die Dance-Academy. „Und Kompost?“ - „Ja, Post kommt zweimal in der Woche“, um nur ein Beispiel für Unterhaltung á la Herricht/Preil zu nennen.

Zwischen den Auftritten nehmen sich die Moderatoren Chris Mielke (Musa), Claudia Schmitz (Deutsches Theater), Willi Arnold (Lumière) und Nils König („Kunst“) immer wieder Zeit, mit besonderen Gästen zu plaudern, die mit der Geschichte des Vereins verwoben sind. Theaterautorin Luise Rist (Boat People Project), Fritz Güntzler, Chef der CDU-Ratsfraktion, Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD), Christian Simonis, Ex-Chefdirigent des Göttinger Symphonieorchesters (GSO), und viele andere kommen zu Wort und erzählen doch alle nur eines: Der Zusammenhalt in der Künstlerszene ist stark, es wird viel und neidlos zusammengearbeitet für einen fruchtbaren kulturellen Boden in der Stadt, dessen Vielzahl schöner Blüten nicht nur die Politiker immer wieder überrascht. Resümee des Abends in Zahlen: In zehn Jahren Kunst-Gala konnten mit 210 000 Euro 110 Projekte in Göttingen gefördert werden. Die Fünf-Jahresverträge für einige Kultureinrichtungen, wie GSO oder DT sollen, so äußerte sich zumindest Meyer zuversichtlich, 2012 verlängert werden.

Die Feierlaune spiegelt sich in den gelungenen zwölf Auftritten wieder. Ein Bonbon bietet das Symphonieorchester mit dem musikalischen Porträt der Dampflokomotive „Pacific 231“ des schweizer Komponisten Arthur Honegger. Während ein Schwarzweiß-Film Jean Mitrys mit seinem pfeifenden und rauchenden Protagonisten aus Eisen und Stahl über den Köpfen der Musiker abläuft, nimmt ihr Spiel präzise wie ein Uhrwerk zusammen mit der Lok Tempo auf.

Die Mitglieder von elf Göttinger Jugendgruppen haben für das Publikum ein Lehrstück mit dem Titel „Who’s online“ vorbereitet. In dem Gemeinschaftsprojekt von Weststadtkonferenz und Musa-Kulturzentrum thematisieren die jugendlichen Schauspieler in einem Musical die Frage nach der modernen Kommunikation. Zwei Mädchen haben sich in denselben Jungen verliebt. Aber ist der Reale jetzt der Richtige oder doch eher der virtuelle „Neo“ aus dem Chat? „Aol, Msn, Icq. Bitte, wo bist du?“ Beziehungen nicht nur im Netz pflegen, lautet die Antwort in der bunten, lebhaften und gelungenen Darbietung des Nachwuchsensembles.

Von Anna Kleimann

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