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63 Polizisten für einen Bus

Ulrich Peperkorn 63 Polizisten für einen Bus

Er ist der Mann im Hintergrund, ohne den nichts laufen würde: Ulrich Peperkorn, Chef der Göttinger Firma Meavox. Wenn Deutschlands bekannteste Kabarettisten im Rahmen des Kultursommers im Alten Rathaus das Publikum unterhalten, sitzt Peperkorn an den Reglern und sorgt für gutes Licht und ebensolchen Ton.

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Vor dem Alten Rathaus, einem seiner Arbeitsplätze: Ulrich Peperkorn.

Quelle: Heller

Sein Vater habe die Firma 1948 gegründet, erzählt der 51-Jährige Peperkorn. Schon als Junge sei er mit ihm losgezogen und habe selbstgebaute Lautsprecher aus Holz in die Bäume im Maschpark, später auch im Jahnstadion in die Bäume gehängt. Bis zu 6000 Besucher wurden bei Fußballspielen beschallt – „mit einem Verstärker von der Größe eines Schuhkartons“. Später arbeitete er als Vermessungsbeamter 23 Jahre lang für die Göttinger Stadtverwaltung, vor zwölf Jahren übernahm er Meavox von seinem Vater. „Ich bin freiwillig aus dem Beamtenverhältnis ausgestiegen“, sagt Peperkorn.

Bis heute habe er die Technik seiner Firma auf den neusten Stand der Technik gebracht, erklärt er – und der heißt beispielsweise Headsets. Winzige Mikrophone „in Fleischfarben“, so Peperkorn, werden am Ohr befestigt und laufen die Wange entlang bis zum Mundwinkel. Nicht alle Künstler vertrauen den kleinen Geräten. Die Göttinger Sängerin Angelika Campos de Melo beispielsweise habe er vor drei Jahren überreden müssen, mit Headsets aufzutreten. „Mit ihren wuscheligen Haaren ist sie prädestiniert dafür“, meint Peperkorn mit Blick auf das Verstecken des Mikrophons.

Aber auch mit anderen Problemen muss Peperkorn sich befassen. Etwa ein am Rücken weit ausgeschnittenes Kleid, in dem der zum Headset gehörende Sender kaum zu verstecken ist. Die Musikkabarettistin Barbara Kuster habe in diesem Kultursommer ihr eigenes Headset mitgebracht – und einen Gürtel mit Tasche für den Sender unter der Kleidung. Sie sei eben „ein alter Hase“, befindet der Tontechniker.
Der Komödiant Erwin Grosche – „ein absolut bodenständiger Typ aus dem Paderborner Raum“ – habe ebenfalls eigene Technik dabei gehabt; allerdings nur ein Ansteckmikrophon. Das allerdings sei tatsächlich ziemlich gut gewesen.

Der eine oder andere Künstler ist in diesem Sommer mit eigener Technik angereist, „mit eigenem Techniker jedoch niemand“, berichtet Peperkorn nicht ohne Stolz. Es habe sich eben herumgesprochen, dass auf die Mitarbeiter in Göttingen Verlass ist.
Das bislang größte Projekt führte Peperkorn und seine Mitarbeiter zu den paralympischen Winterspielen nach Sestriere in Italien. 25 Tonnen Material hätten sie in drei Lastwagen und zwei Sprintern dorthin geschafft. Vier Wochen habe er für den Auftrag einen Italienisch-Dolmetscher engagiert, denn die Behörden vor Ort wollten ein Bodengutachten vor dem Aufstellen einer großen Bühne vorgelegt bekommen. Letztlich habe er keines eingereicht, „das ging dann auch“, sagt Peperkorn lapidar.

Für einen Auftritt von Joschka Fischer, der eine Rede vom Balkon des Alten Rathauses hielt, hatte Peperkorn die Beschallung übernommen und meint seitdem, der Politiker schade seiner Stimme. „Er hat kein Vertrauen in die Techniker und redet daher mit fürchterlich angespannten Stimmbändern.“ Und für die Polizei stellte er bei der Anti-Nazi-Demonstration ein Lautsprecherfahrzeug für Durchsagen, „einer der bestbehüteten Wagen der Demo“, sagt Peperkorn und erklärt: „63 Polizisten haben den Bus bewacht.“

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