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Schluss nach 40 Jahren

Abegg-Trio um Gerrit Zitterbart Schluss nach 40 Jahren

„Das ist Weltrekord!“ Pianist Gerrit Zitterbart scherzt nicht: Es gibt heute seines Wissens nach kein Klaviertrio weltweit, das so lange wie das Abegg-Trio in derselben Besetzung konzertiert. Seinen 40. Geburtstag feiert das Ensemble in diesem Jahr – und nimmt zugleich Abschied von der Bühne.

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Zu Beginn ihrer Karriere: Gerrit Zitterbart (l.), Ulrich Beetz und Birgit Erichson.

Quelle: r

Göttingen. Im März 1976 gründeten an der Musikhochschule Hannover drei Musikstudenten ein Klaviertrio, die Cellistin Birgit Erichson, der Geiger Ulrich Beetz und Pianist Gerrit Zitterbart. „Ich war in der Mitte meines Studiums, die beiden Streicher standen kurz vor dem Abschluss“, erzählt Zitterbart. Ihren Namen liehen sie sich von Robert Schumann: Abegg ist die Widmungsträgerin seiner Variationen op. 1, eine Comtesse Pauline von Abegg. Die existierte übrigens nie. Der Komponist hat sie erfunden.

Sein Debüt gab das Abegg-Trio im Bürgersaal von Achern in der Nähe von Baden-Baden, der Heimat des Ehepaares Erichson/Beetz. Für das zweite Konzert fanden sie eine kleine Bühne in Zitterbarts Göttinger Heimat: das Collegium Alber­tinum am Bonhoefferweg.

Der Ehrgeiz und die Energie von Beetz, Erichson und Zitterbart trugen rasch Früchte. Davon zeugen Wettbewerbserfolge in Colmar, Genf, Bonn und Bordeaux, der Bernhard-Sprengel-Preis für Musik 1986 und der Robert-Schumann-Preis der Stadt Zwickau 1992, um nur einige Stationen zu nennen. Erste Schallplattenaufnahmen entstanden 1982 bei Harmonia Mundi. 1984 wechselten das Trio zu Intercord. Von da an erschienen alle Neueinspielungen auf dem jungen neuen Medium, der CD. Ihr Markenzeichen waren künstlerische Coverbilder, gestaltet von dem Zeichner Horst Janssen (1929-1995), der mit den Musikern befreundet war. Mit diesen Aufnahmen – mehr als 30, fünfmal mit dem „Preis der  Deutschen Schallplattenkritik“ ausgezeichnet – und seinen zahlreichen Konzerten weltweit erarbeitete sich das Ensemble einen hervorragenden Ruf in der Klassik-Szene.

Zitterbart hat zusammengestellt: In den 40 Jahren seines Bestehens hat das Trio rund 1250 Konzerte in 50 Ländern gegeben. Das Repertoire umfasst etwa 100 Werke von der Wiener Klassik bis zur Gegenwart. „Wir waren in Kirgisien, in Nordkorea, in Saudi-Arabien, wo unsere Cellistin eine Burka tragen musste. Wir haben im Opernhaus von Hanoi gespielt, vor 3500 Zuhörern in Madrid, in der Berliner und in der Kölner Philharmonie, im Münchner Herkulessaal“, berichtet Zitterbart.

Und warum wollen die drei Musiker jetzt von der Bühne abtreten? Das ist schlicht eine Altersfrage. Beetz (68), seit 2013 als Professor an der Weimarer Musikhochschule pensioniert, hat jetzt eine Seniorprofessur für Kammermusik an der Musikhochschule in Münster. Dort lehrt Birgit Erichson (66) als Honorarprofessorin für Kammermusik. Und auch für Zitterbart, mit 64 Jahren der Jüngste des Trios, ist bald das Ende seiner bislang 33-jährigen Lehrtätigkeit als Professor an der Musikhochschule Hannover in Sicht. „Wir wollen einen Schlussstrich ziehen, bevor es andere tun“, sagt Zitterbart. Von Achern verabschiedet sich das Abegg-Trio mit einem Konzert am 9. Oktober – dort, wo vor 40 Jahren seine Weltkarriere begann.

Abschiedskonzerte

Von seinem Göttinger Publikum verabschiedet sich das Abegg-Trio mit zwei Doppel-Konzerten am 15./16. September und am 19./20. Oktober im Clavier-Salon, Stumpfebiel 4. Am Donnerstag, 15. September, sind die Trios op. 100 von Schubert und op. 90 von Dvořák zu hören, ebenso am Freitag, 16. September. Der Unterschied: im ersten Konzert spielt Zitterbart einen „modernen“ Steinweg-Flügel von 1898, am zweiten Abend historische Instrumente, gebaut 1825 (anonym) und 1882 (Bösendorfer). Am 19. und 20. Oktober stehen sechs Klaviertrios von Beethoven auf dem Programm: op. 1 Nr. 1 bis 3 am Mittwoch, am Donnerstag op. 70 Nr. 1 und 2 sowie op. 97. Alle Konzerte beginnen um 19.45 Uhr. Karten gibt es unter anderem in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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