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Abschied von Dirigenten

St. Petri-Chor Weende Abschied von Dirigenten

Ein letztes Mal hat Dirigent Antonius Adamske vor seinem Petri-Chor Weende gestanden: bei der bewegenden Aufführung von  Spohrs Oratorium „Die letzten Dinge“ am Donnerstag in der gut besuchten Godehardkirche. Seit 2011 leitete Adamske den Chor. Nun verlässt er Göttingen, um seine Ausbildung fortzusetzen.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Spohr (1784-1859) ist heute fast vergessen, nachdem er noch in den 1830er-Jahren als der bedeutendste lebende deutsche Komponist gefeiert wurde. Das änderte sich später. Der Stimmungsgehalt der „Letzten Dinge“ sei zwar „nicht unbedeutend“, schrieb 1899 Hermann Kretzschmar, einzelne Nummern seien „von klassischer Schönheit“, aber der Text sei „ohne Übersichtlichkeit und erkennbares Ziel“.

Doch da tat Kretzschmar dem Werk Unrecht. Spohrs Textautor Friedrich Rochlitz hat Bibelverse zusammengestellt, die sich auf den Jüngsten Tag beziehen. Und zwar durchaus in einer dramaturgisch sinnvollen Weise, wobei er die Schrecknisse, die im biblischen Buch der Offenbarung ausgemalt werden, eher zurückhaltend darstellt und auch sehr wohl Trost spendende Verse – etwa „Selig sind die Toten“ – einflicht.

Mit Verve packte Adamske das Publikum gleich in der feierlich-erhabenen Ouvertüre, bei der er vom Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) viel Expressivität einforderte. In gleicher Weise ging er die Chorsätze an, die nicht etwa nur brav dahingesungen waren, sondern stets von zielgerichteter Dynamik und gestalterischer Intensität gekennzeichnet waren. Einzig das Forte der kräftigen Männerstimmen klang hier und da ein wenig roh. Man konnte an dem ansonsten sehr homogenen Chorklang und an der Präzision der Einsätze deutlich erkennen, wie gründlich die Vorbereitung war.

Vier Solisten standen dem Chor gegenüber. Obenan strahlte der wunderbar klare, sehr natürlich geführte Sopran von Magdalene Harer, das sonore Bassfundament bot Henryk Böhm mit seiner geschmeidigen, fein artikulierten Stimme. Dunkle, volle Töne steuerte die Altistin Johanna Krödel bei, sehr beweglich und schlank im Timbre war der Tenor von Florian Lohmann. Das Soloquartett „Selig sind die Toten“ war einer der Glanzpunkte dieses außergewöhnlichen Abends. Die Stimmfarben dieser Solisten harmonierten aufs Allerschönste, ein besonderer Genuss.

Die GSO-Musiker widmeten sich dieser edlen Musik mit musikalischer Präzision und Leidenschaft. Die Bläser setzten leuchtende Akzente, die Streicher sorgten auch in den fugierten Abschnitten für Transparenz und Klarheit. Hier und da reagierten die Instrumentalisten auf Adamskes ausladende Dirigierbewegungen mit etwas zu großer Lautstärke: So wurden die Singstimmen manchmal leicht verdeckt.

Wie tief diese Aufführung die Hörer bewegte, war am Schlussapplaus zu erkennen. Der setzte erst nach einer deutlichen Pause ein und schwoll dann umso kräftiger an.

Eine zweite Aufführung ist am Freitag, 11. November, um 20 Uhr in der Nikolaikirche, Nikolaikirchhof 1, angesetzt.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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