Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
„Abschiedskonzert“ im Apex Göttingen

Kießling und Kaffka suchen Nähe „Abschiedskonzert“ im Apex Göttingen

Maritim war die Stimmung beim Auftritt von Nele Kießling und Jannis Kaffka am Sonnabend im Göttinger Apex. Das Duo präsentierte sein „Abschiedskonzert“, ein musikalischer Improvisationsabend.

Voriger Artikel
Neu am DT: Christoph Türkay
Nächster Artikel
Leidenschaft und Präzision

Nele Kießling und Jannis Kaffka im Göttinger Apex

Quelle: Arne Bänsch

Göttingen. Das Publikum gab Bandnamen, Liedtitel und Gestimmheiten vor, Kießling und Kaffka schufen daraus ein buntes Programm.

Leichenwagen? Tuttifrutti und Frutti? Barracudas? So sollte die kleine Band nach dem Willen einiger Besucher heißen. Sie hatten munter ihre Vorschläge in den Raum gerufen, als Kießling und Kaffka zu Beginn das Publikum um Vorschläge bat. Ziemlich privat saßen sie dabei an der Bühnenkante und plauderten mit dem Publikum. Die Piranhas akzeptierten sie schließlich als Bandnamen. Surfing-Metal oder maritime Texte mit Metaleinflüssen wünschte sich das Publikum und wollte, das Kaffkas Bühnenfigur Samson oder Niklas heißen solle. Käpt’n Kai machte dann das Rennen, und schüchtern sollte er sein. Kießlings Bühnenname war sehr schnell gefunden: Schlicht Marie sollte und wollte sie heißen. Dabei stand auch Arielle zur Auswahl. Und sonnig sollte Marie sein.

Auch die komplette Setliste gab das Publikum vor. „Blutlust“ sollte ein Lied heißen, ein anderes „Regen auf Meer“, ein drittes „Raus aus dem Aquarium“. Eine Steilvorlage lieferte das Publikum mit „Figelinsch“, was Kaffka mit kniffelig übersetzte.

Zehn Minuten dauerte dieser Einstieg, bei dem das Publikum die Butter lieferte für die Fische, die Kießling und Kaffka mitgebracht hatten. Sprich: Käpt’n Kai und Marie geben nach einigen wenig erfolgreichen Auftrittsjahren ihr Abschiedskonzert, bei dem Zwischenmenschliches an die Oberfläche gespült wird.

Kießling, in Göttingen in einem Theaterumfeld aufgewachsen, ist eine gefragte Improtheater-Schauspielerin. Ihre Stammformation „Schmidt’s Katzen“ hat ihren Sitz in Hildesheim. Kaffka hat nicht nur die Band Phrasenmäher mitbegründet, er ist auch seit weit mehr als zehn Jahren Musiker der renommierten Improtheatergruppe Hidden Shakespeare. Beide wissen also, wie Improtheater funktioniert.

Nach den zehn Auftaktminuten verschwanden Kießling und Kaffka kurz hinter der Bühne - und tauchten verwandelt wieder auf.

Kießling bringt viel Frische und Temperament auf die Bühne, Kaffka ist in sehr routinierter und einfallsreicher Musiker. Das bewies er im Apex am Klavier und an der Gitarre. Sehr souverän entwarf er Melodielinien und zeigte sich dabei variantenreich zwischen Shanty, Pop, Liedermaching und diversen anderen Ausschlägen. Und er gab einen zauberhaft schüchternen Popmusiker im Softie-Ringelhemd, der doch so gerne ein großer Bühnenstar wäre. Behaupten musste sich Käpt’n Kai gegen eine dominante Marie, die ihn immer wieder in Bedrängnis brachte - auch mit dem Geständnis, ihn irgendwann einmal süß gefunden zu haben. Denn Nähe und Kuscheln ist eher nicht so Kais Ding. Dabei sehnt er sich doch nach einer Beziehung, die eigentlich Marie hätte sein sollen.

Diese Gemengelage entwickeln die Akteure, in dem sie sich immer wieder improvisierend herausfordern. Es gibt Inseln in diesem Spontanspiel, auf die sie sich retten können, wenn der Spielfluss stockt, nur um immer wieder in die unbekannte See des Improtheaters zu stürzen.

Einen großen Teil des Abends nehmen die Stegreif-Lieder ein, die Kai und Marie nach den vom Publikum vorgegebenen Liedtiteln improvisieren. Wunderbar sinnfrei, popprächtig, dynamisch, sehr bunt und immer wieder witzig. Viel Beifall spendete das erstaunlich gesetzte Publikum, in dem zweifellos viele Menschen saßen, die Kießling in Göttingen haben aufwachsen sehen.

Von Peter Krüger-Lenz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag