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Abschluss im Deutschen Theater Göttingen

Figurentheatertage Abschluss im Deutschen Theater Göttingen

Mit der Vorstellung von „Die musikalische Hölle“ sind am Sonntag die 31. Göttinger Figurentheatertage zu Ende gegangen. Der Schauspieler, Puppenspieler und Figurenbildner Marc Schnittger nahm die Zuschauer im Deutschen Theater Göttingen mit auf eine Odyssee durch Zeit, Raum und Klang.

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Marc Schnittger im Deutschen Theater.

Quelle: Heller

Göttingen.  Mit Musik verbindet man in der Regel eher himmlische Gefilde. Aber in Schnittgers düsterem Theaterstück führt die Musik hinab in das Reich der Finsternis. Vorlage der Inszenierung ist das rätselhafte Gemälde-Triptychon „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch.

Folter mit Musikinstrumenten

Nach der Bearbeitung des Mittelteils geht es Schnittger jetzt um den rechten Flügel des Altaraufsatzes, der eine musikalische Hölle zeigt. Musikinstrumente dienen als Folterwerkzeuge, um Menschen für ihre Sünden zu bestrafen.

Zur Handlung: Georg Schnittelbach, aufstrebender Stern am Komponisten- und Geigerhimmel, steht vor einem wichtigen Konzert. Deshalb will er auch seine wertvolle Geige von Instrumentenbauer Fürst überholen lassen. Doch die Werkstatt ist der Vorhof zur Hölle.

Schnittelbach findet sich in einem Schloss wieder, das sich als ein surrealer Ort der Verzweiflung entpuppt. Aus dem kafkaesk anmutenden Labyrinth gibt es keinen Ausweg. Vier Musiker und Komponisten sind mit sich selbst und ihrer Musik konfrontiert.

Anleihen von Kafka bis Sartres

Über Kafkas labyrinthisches Schloss hinaus ist das Theaterstück von Anleihen und Zitaten durchzogen. Die anfängliche Autopanne im Regen samt Quartier in einem unheimlichen Schloss erinnert an die Rocky Horror Picture Show. Und der Selbsthass und die Unzufriedenheit einzelner Figuren lässt – ganz nach dem Motto „Die Hölle, das sind die anderen“ – an Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ denken.

Die für ihre Sünden zur ewigen Verdammnis Verurteilten scheinen Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ entsprungen. Und während in Umberto Ecos „Der Name der Rose“ ein Buch zur Komödie und dem Lachen vernichtet werden soll, sind nun wertvolle Musikinstrumente dem Untergang geweiht.

Die Inszenierung (Regie: Nele Tippelmann) kombiniert Schauspiel und Figurentheater mit lebensgroßen Klappmaulfiguren. Wobei Schnittger, der mit insgesamt vier Inszenierungen auf dem Festival vertreten ist, eine Figurenführung und Stimmvielfalt auf hohem Niveau zeigt.

Humorvoll gestartet weicht die Leichtigkeit des Theaterstücks allmählich einer albtraumhaften Stimmung. Die Musik (Jan-Peter Pflug) klingt zunehmend dissonanter. Das Licht ist bläulich-düster, die Atmosphäre arg beklemmend. Ein intensiver Schlusspunkt der Figurentheatertage.

Von Karola Hoffmann

31. Figurentheatertage

5300 Besucher in 38 Vorstellungen

26 Produktionen in 38 Veranstaltungen wurden bei den 31. Göttinger Figurentheatertagen aufgeboten. An 16 Festivaltagen zeigten die Figuren- und Objekttheater in all seiner Bandbreite, teilte der Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen mit.Nach dessen Angaben kamen etwa 5300 Besucher zu den Kindervorstellungen im Lumière, Alten Rathaus und dem GDA Wohnstift sowie zu den Abendveranstaltungen im Jungen Theater, Alten Rathaus, bei Woggon, in der Weinkellerei Bremer und dem GDA Wohnstift, sowie im Deutschen Theater.

1500 Kinder aus Kindergärten und Schulen nutzten das Angebot, 1.900 Besucher waren es bei den Familienveranstaltungen und ebenfalls 1900 Besucher konnten die Abendveranstaltungen verbuchen. Damit waren die Figurentheatertage 2016 zu 95 Prozent ausgelastet und "ein großer Erfolg". jes

Die 32. Göttinger Figurentheatertage finden vom 11. bis 26. Februar 2017 statt.

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