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Abschlusskonzert eines Meisterkurses für historische Tasteninstrumente in Göttingen

Ein purer Genuss Abschlusskonzert eines Meisterkurses für historische Tasteninstrumente in Göttingen

Eine Woche lang haben sich vier aus Asien stammende Pianistinnen in einem Meisterkurs bei dem Göttinger Pianisten Gerrit Zitterbart mit historischen Tasteninstrumenten befasst. Am Sonntag stellten sie in einer Matinee im gut besuchten Clavier-Salon die Ergebnisse ihrer intensiven Arbeit vor.

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Schülerinnen mit Lehrer: Schoko Murai, Trang-Tina Nguyen, Sixuan Ren, Chuhui Liang und Gerrit Zitterbart (von links).

Quelle: Heller

Göttingen. Den Anfang machte die japanische Pianistin Schoko Murai an einem Hammerflügel, dem historisch getreuen Nachbau eines Instruments von Louis Dulcken aus dem Jahr 1815. Sie spielte Mozarts selten zu hörendes D-Dur-Menuett aus dem Jahr 1790 mit seinen überraschenden harmonischen Kühnheiten sowie die große B-Dur-Sonate op. 24 Nr. 2 des Mozart-Zeitgenossen Muzio Clementi. Beide Werke, von Murai mit Liebe zum Detail gestaltet, gewannen auf diesem zarten Instrument viel an Leichtigkeit und Transparenz.

Mit den anspruchsvollen „Estampes“ von Claude Debussy setzte Trang-Tina Nguyen – in Vietnam geboren, in Göttingen aufgewachsen, jetzt in Düsseldorf lebend – das Programm fort. Die drei musikalischen Bilder zeichnete sie am Theodor-Steinweg-Flügel von 1898 – dem Instrument für den Rest des Vormittags – mit viel Sinn für Klangfarben eindrucksvoll virtuos nach, hier duftig-zart, dort zupackend und scharf konturiert.

Ebenfalls mit Musik von Debussy, einer frühen Ballade, begann die junge Chinesin Sixuan Ren ihren Konzertbeitrag. Mit Chopins Fis-Dur-Barcarolle hatte sie sich anschließend einen pianistisch besonders schwierigen Brocken vorgenommen, den sie nicht ganz ohne kleine Unfälle, aber doch mit beherztem Zugriff und schön angelegten Steigerungen bewältigte. In der jazznahen Etüde op. 40 Nr. 6 des russischen Komponisten Nikolai Kapustin konnte sie auch unter erschwerten synkopischen Bedingungen ihre große Virtuosität und rhythmische Standfestigkeit unter Beweis stellen.

Den staunenswertesten Beitrag hatte Pädagoge Zitterbart am Schluss dieser Matinee platziert: Robert Schumanns große C-Dur-Fantasie op. 17, gespielt von Chuhui Lang aus China. Sie studiert derzeit am Central Conservatory of Music in Peking. Doch was sie in dieser Komposition zeigen konnte, war bereits erstaunlich ausgereift. Sie besitzt die Fähigkeit, große Bögen zu gestalten und melodische Linien singen zu lassen, hat einen aufs Feinste differenzierten Anschlag, stellt Zusammenhänge unmittelbar nachvollziehbar dar. Ein purer Genuss, der von den Zuhörern mit begeistertem Applaus belohnt wurde.

Von Michael Schäfer

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