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"Adventure, Courage, Love and Friendship"

Ausstellung im Alten Rathaus "Adventure, Courage, Love and Friendship"

Mai Yamashita und Naoto Kobayashi haben ihre Ausstellung „Adventure, Courage, Love and Friendship“ eröffnet, im Alten Rathaus Göttingen vom Kunstverein organisiert, im Berliner Künstlerhaus Bethanien arbeiten sie derzeit mit einem Stipendium.

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Befragen das Leben: Mai Yamashita (links) und Naoto Kobayashi.

Quelle: Heller

Eine ganze Reihe von Antworten haben Yamashita und Kobayashi auf die Frage gesammelt, ob sie Japan nicht vermissen würden, wenn sie im Ausland seien. Eigene und Videoarbeiten von anderen Künstlern zeigen beispielsweise T-Shirts mit Nummern in einzelnen Aufnahmen, die von 99 abwärts zählen, schwarz-weiß einen Kurzfilm, der das harte Leben eines Paares zeigt, das Kartoffeln auf einer japanischen Insel anbaut, eine Frau, die ihre Möbel in einem „Nest Kasten“ verstaut und ausräumt und einräumt und wieder von vorn beginnt.

Kunst, so sagen manche, ist ohne die Akzeptanz der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse gar nicht denkbar, werde erst konstituiert in ihrem Wechselspiel mit dem Markt. Die rahmende Trennung von Diesseits oder Jenseits der Salons und Galerien erhebe das Werk in den Stand, Kunst sein zu dürfen, sein zu können. Auch wenn das im besten Falle nicht stimmt: Einer der vielen möglichen Wege dahin führt über den Mainstream, über den Geschmack der Massen und über die damit verbundene Berühmtheit. Yamashita und Kobayashi sind sich dessen bewusst und stellen es dar.

„Go mainstream“ heißt ihr neues Projekt, in dem das japanische Künstlerpaar den längsten und den wasserreichsten Fluss der Erde, den Nil und den Amazonas befährt. Die stattlichen Hauptflüsse, die „Mainstreams“ des blauen Planeten, so könnte man sie nennen, sind sie in einem Gummiboot entlanggeschippert, mal singend, mal still rudernd. Die dabei entstandene Arbeit „Go mainstream“ reflektiert auf lustig-ironische Weise das Verhältnis von Kunst und Anerkennung. Derzeit ist sie im Kunstverein zu sehen, zwei Videoprojektionen der Flussfahrt, ein Schlauchboot lehnt an der Wand. Die Bedeutung über Bord zu werfen und sich die dicksten Fische neu zu angeln, ist der fortgesetzte Versuch des Duos, das Leben in karikierenden Normen und mit eigenen Bestimmungen angenehmer, aufregender und bedeutungsvoller zu gestalten oder es einfach nur ausufernd in Frage zu stellen.

So zählen Yamashita und Kobayashi in ihren Videoarbeiten an der Ostsee 1000 Wellen („1000 Waves“ 2007) oder polieren den Bronzeguss eines liegenden Kamels über Stunden und Tage mit bloßen Händen an den Höckern bis diese glänzen wie Madonnenfüße. Von der erstaunlichen Ausdauer der beiden zeugt auch die Arbeit „Infinity“. Das Unendlichkeitszeichen als Trampelpfad laufen sie über einen Zeitraum von fünf Tagen in einen zuvor unbeschadeten grünen Rasen, aufgenommen im Zeitraffer, nimmt das Gras sekündlich ab. Yamashita und Kobayashi arbeiten seit elf Jahren zusammen, sie verschieben mit viel Ironie Bedeutungen, arbeiten konzeptuell, bezeichnen längst Bezeichnetes neu oder etikettieren es um. Das macht Spaß.

Bis Sonntag, 17. April, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr im Alten Rathaus Göttingen, Markt 9.

Von Tina Lüers

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