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Ästhetische Abfälle und idyllische Gärten

„Offene Ateliers“ Ästhetische Abfälle und idyllische Gärten

Zum sechsten Mal öffnen Künstler und Kunsthandwerker im Göttinger Umland im Rahmen der Aktion „Offene Ateliers“ ihre Türen für Besucher. Die Bandbreite der Kunst ist vielfältig, die Zeit begrenzt und so fällt die Entscheidung zwischen den 37 möglichen Stationen schwer.

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Bietet sich für eine Verschnaufpause an: der Garten mit der Kunst von Sabine Tippach in Osterode.

Quelle: NHI

Göttingen. Das Atelier von Tamara Wahby liegt in einer eher herkömmlichen Wohnsiedlung in Roringen. Ihre Werke sind allerdings alles andere als gewöhnlich. Die Künstlerin besitzt ein bemerkenswertes Auge für Details und Bildwirkung und schafft faszinierende Abbildungen von Blumen oder scheinbar absurden Materialien wie Küchenabfällen oder einem Wespennest. Wie? Sie scannt sie. Auf einem Flachbildscanner drapiert sie die Objekte eher zufällig, um anschließend in dem Scan nach Ausschnitten zu suchen, die nach ihrem ästhetischem Verständnis ein Bild ergeben. „Es geht nicht um die bloße Abbildung, sondern um Formensprache“, erklärt die ehemalige Lehrerin voller Schaffensfreude. Auch in ihren Fotografien ist ihr wacher Blick erkennbar: In der Bilderreihe „Spuren der Zeit“ dokumentiert sie Gebäudeausschnitte über mehrere Jahre – die Fotos erzählen Geschichte(n).

Im Atelier von Wahby sind zudem die Collagen von Eva Rosinsky zu bewundern. Die ehemaligen Kunstlehrerin fertigt sie aus verschiedenen Materialien und mit unterschiedlichen Techniken.

Einen ähnlichen Ansatz wie Wahby – aus dem Kleinen ein Bild zu schaffen – verfolgt Nils Elias, dessen Fotografien in dem Atelier „Rauschenwasser“ in Eddigehausen zu sehen sind. Die Umsetzung ist allerdings eine vollkommen andere. „Ich fotografiere alles im Makrobereich und spiele dann mit den Nahaufnahmen“, erläutert der ehemalige Möbeldesigner aus England, der heute in Deutschland als Physiotherapeut arbeitet, beinah bescheiden. Was dabei entsteht, sieht weniger nach spielen aus – eher nach künstlerischem Können: Makroaufnahmen einer Feder, Vase oder Pflanze ergeben zu verschiedenen Formen aneinandergereiht beeindruckende Collagen, deren Ausgangsobjekte oftmals ein Rätsel bleiben.

In dem rustikalen Bauernhaus gibt es für die zahlreichen Gäste noch mehr zu entdecken. In einem weiteren Raum präsentiert Schmuckdesign-Studentin Yvonne Dallach ihre Schätze. „Am Herzen liegen mir Naturformen, Ornamente und Symbole“, sagt sie, während sie eine Silberkette hochhält, in welcher Abdrücke eines winzigen Farns eingearbeitet sind. In einer Vitrine befinden sich besondere Kostbarkeiten: Ringe mit echten Kristallen in einer filigran verzierten Fassung aus weiß gesiedetem Silber – feenhaft!

Ein Ausflug nach Adelebsen lohnt sich ebenfalls. Dort zeigt Bernhard Preis eine Schwarz-Weiß-Serie fotorealistischer Ölgemälde, und in der näheren Umgebung von Adelebsen gibt es noch mehr Kunst zu entdecken: In dem Jagdhaus Alte Kirche, das Heim von Christiane Christen, blicken berühmte Musiker in Acryl dem Besucher von den Wänden entgegen. Aber auch Akte und Landschaften malt die EDV-Fachfrau sowie „Fleckenaquarelle“, bei denen sie winzige Figuren mit einem feinen Pinsel herausarbeitet. In Lenglern freut sich Andreas Kulpe über die vielen Gäste in seiner kleinen Werkstatt und präsentiert seine handgeschöpften Papiere aus Pflanzen aller Art, aus denen er Briefpapier und Ähnliches sowie kunstvolle Bilder entstehen lässt. 

Bei dieser Flut visueller Impressionen ist Entspannung nötig. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, bieten sich dafür die Gärten verschiedener Kunsthandwerker an.

In Emmenhausen gibt es davon gleich zwei: In der Idylle rings um das Haus des Steinbildhauers Udo Lange-Hesse spazieren die Besucher in der Sonne und erfreuen sich an den Ammoniten und Kunstobjekten aus Kalk- und Sandstein. Traumhaft. Vor acht Jahren begann der einstige technische Zeichner, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Auch der Garten der Mosaik- und Keramikkünstlerin Pia Wulhorst und des Kunstschmieds Heinz Müller bietet sich mit vielen Sitzmöglichkeiten zum Verweilen an. Hübsche, geschmiedete Gartenmöbel mit farbenfrohen Mosaikoberflächen und Kunstkonstruktionen bieten etwas fürs Auge.

In Osterode präsentiert Sabine Tippach in ihrem Garten ihre Keramiken – Figuren, Kugelpyramiden und Korallen-Gebilde. Zudem kann der Besucher hier die Schüsseln aus verschiedenen Holzarten mit wundervollen Maserungen von Hartmut Schommer, die Filzarbeiten von Bärbel Kretzschmar oder die Blumen in Aquarell von Loni Goecke entdecken.

Am Ende des Wochenendes mit diesen vielfältigen Eindrücken ist nur eines bedauerlich: Die vier Stunden, die die Ateliers pro Tag geöffnet haben, sind zu knapp bemessen, sodass der Besucher seine Auswahl stark einschränken muss. Schade eigentlich!

Die Ateliers sind am Wochenende, 15./16. September, wieder von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Das Programm gibt es im Kreishaus des Landkreises, Reinhäuser Landstraße 4 in Göttingen.

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Kunst der Region
Etabliert: Schon im siebten Jahr gibt es „Offene Ateliers“.

Am zweiten und dritten Septemberwochenende öffnen die Ateliers im Göttinger Land von 14 bis 18 Uhr ihre Türen für Interessierte. Malereiein, Skulpturen, Schmuck, Mosaik aber auch Halbfertiges können dabei betrachtet werden. Bereits im siebten Jahr gewähren Künstler und Kunsthandwerker der Region bei „Offene Ateliers“ Einblicke in ihre Arbeit.

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