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Äußere Armut, innerer Reichtum

Künstlerateliers in der Region: Sabine Schmitt Äußere Armut, innerer Reichtum

Rechteckig, hell, die Decke hoch. Der Atelierraum im Hagenweg erschließt sich auf einen Blick. All die Arbeiten an den Wänden und auf dem Boden hingegen laden zum Verweilen, Entdecken und aufmerksamen Betrachten ein.

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Sabine Schmitt in ihrem Atelier.

Quelle: HW

Göttingen. Papier, das zu einem Geflecht gefügt wie Stoff wirkt. Papierkörper, die an geschnürte Pakete erinnern. Kästen aus Vliespapier, die sich aus einer Fläche erheben. Auf dem Boden eine Landschaft aus geschichtet geklebtem Butterbrotpapier in der kreisrunde Löcher Durchblick verschaffen. Eine Formation aus Ziegeln, aus Zement gegossen, aus Wachs geformt. Ein weißer Stuhl in einem transparentes Gespinst aus weißem Garn. Objekte, Skulpturen, Installationen, Bilder in unterschiedlichen Formaten. Die Farbpalette ist sparsam, die Formgebung reduziert. Jede Arbeit für sich besticht in ihrer Konzentration und Verdichtung auf das Wesentliche.

„Leere und Fülle ist ein Thema, das sich durchzieht“, erklärt Sabine Schmitt. Ein weiteres Thema ihrer künstlerischen Arbeit sei Zeit und Zeitlosigkeit. Eine gewisse Philosophie oder Inhalt müsse sein. Politische und gesellschaftliche Themen seien wichtig und vielfältig im Alltag zu finden. Aber im Mittelpunkt stehe für sie ein anderer Ausdruck. „Mir geht es auch um Schlichtheit, und ich arbeite auch minimal“, sagt Schmitt und grenzt sich dabei gleich gegen einen zeitweilig angesagten Industrie-Minimalismus ab.

„Ich mag diese Sensibilität und das Haptische von Papier, von Wachs, von Material.“ Für Schmitt geht es um das Erforschen von Strukturen und Formen, von Material in seiner Qualität und im Zusammenspiel. Das ganz Reduzierte ist das Markenzeichen ihrer Arbeiten, die „immer in Werkgruppen“ entstehen.

1957 in Boston/USA geboren, kam Schmitt 1976 zum Studium der Rechtswissenschaften nach Göttingen. Nach dem Staatsexamen folgte ein zweijähriger Aufenthalt in Indien und Japan. „Und dann hat sich das alles anders entwickelt“, sagt Schmitt lachend. Die Kunst und Yoga kamen in ihr Leben. Seit 1985 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig. Seit mehr als 20 Jahren unterrichtet sie als ausgebildete Yogalehrerin in Göttingen.

Wie sie zur Kunst gekommen ist? „Das hat sich so entwickelt, auch durch Japan.“ Die Ästhetik, das Konzentrierte und Schlichte der japanischen Kultur haben es ihr angetan. Das ästhetische Konzept der Konzentration auf das Wesentliche gilt für Schmitt im Privatleben wie in ihrer künstlerischen Arbeit. „Wabi, Sabi – innerer Reichtum, äußere Armut“, so die 58-Jährige.

Und wo soll᾽s hingehen? „Ich weiß es nicht. Es ist alles ganz offen“, sagt die Künstlerin, die ihre Arbeiten, zu denen auch Klanginstallationen gehören, immer wieder bei Ausstellungen in der Region zeigt. Zwei Konstanten bleiben aber wohl in ihren Werken. Das Verwenden von „ganz, ganz viel Butterbrotpapier“, das im Atelier neben dem Kleister gestapelt griffbereit liegt. Und außerdem die Farbe Weiß. „Wie viele Töne umfasst die Farbe Weiß?“, fragt Schmitt in einem Gedankenpapier zu ihrer künstlerischen Arbeit. Vermutlich wird sie noch viele weitere Töne der Farbe Weiß schaffen.

Von Karola Hoffmann

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